FOHLENHAUTNAH
Umstrittene Entscheidung gegen Alassane Plea

»Der Platzverweis hat Gladbach zwei Punkte gekostet«

Kurz & Knapp
02.02.2020 08:15 Uhr
Eine Szene, die das Spiel möglicherweise entschieden hat: Alassane Plea sieht die Gelb-Rote-Karte. FOTO: DIRK PÄFFGEN, FOHLEN-HAUTNAH.DE
Verfasst von Daniel Schnichels

Nach dem Schlusspfiff zwischen Leipzig und Borussia Mönchengladbach sorgte vor allem der Platzverweis gegen Alassane Plea für große Diskussionen. Lothar Matthäus stellte sich klar auf die Seite von Borussia, auch Jonas Hofmann zeigte sein Unverständnis. Schiedsrichter Tobias Stieler hingegen verteidigte seine Entscheidung.

Die 61. Minute war wohl der große Knackpunkt zwischen Leipzig und Borussia Mönchengladbach. Nach einem Zweikampf im Mittelfeld sah sich Alassane Plea benachteiligt und forderte wild gestikulierend eine Entscheidung zu seinen Gunsten. Schiedsrichter Tobias Stieler zog ohne mit der Wimper zu zucken die gelbe Karte aus seiner Brusttasche.

Doch der Franzose fühlte sich erneut ungerecht behandelt und zeigte seinen Unmut mit einer harmlosen Handbewegung und sah anschließend vom Unparteiischen die Gelb-Rote-Karte. »Plea hat den Schiedsrichter nicht attackiert. Er bekommt in 20 Sekunden gleich zwei Karten. Ich verstehe seine Emotionen, denn er hat sich benachteiligt gefühlt«, stellte sich Lothar Matthäus bei Sky auf die Seite des Franzosen.

Zwar sind die Schiedsrichter seit der Winterpause angehalten solche Szenen härter zu bestrafen, doch für ihn geht die Entwicklung in die falsche Richtung. »Die Emotionen sind uns schon mit dem Videobeweis genommen worden. Jetzt darf man schon nicht mehr abwinken, dann ist es direkt eine gelbe Karte. Ich gehe da nicht mit, Emotionen gehören dazu. Wenn wir diese Probleme so lösen wollen, dann ist das der falsche Ansatz.«

Vielmehr war der ehemalige Spieler der Borussia der Meinung, dass »der Platzverweis Gladbach zwei Punkte gekostet hat«. Auch wenn es seit wenigen Wochen die neue Regelung gibt, hält der Welt- und Europameister diese für »übertrieben«.

Auch Jonas Hofmann, Torschütze zum zwischenzeitlichen 2:0, zeigte für die Entscheidung gegen seinen Teamkollegen am Mikrofron von Sky wenig Verständnis. »Für so etwas eine Gelb-Rote-Karte zu geben, Hut ab. Wenn man dafür eine gelbe Karte bekommt dann weiß ich nicht, in welche Kategorie man noch kommt. Ich finde, da sollte man Fingerspitzengefühl zeigen. Es kann nicht sein, dass er wegen einer Handbewegung zwei mal so schnell gelb bekommt. Das ist schon sehr, sehr bitter«, war Hofmann völlig zurecht angefressen.

Gleichzeitig forderte der 27-Jährige auch mehr Konsequenz von den Unpartaiischen: »Wenn er so konsequent ist, muss er Yann auch eine gelbe Karte geben, weil er aus seinem Tor läuft.« Zum Abschluss der Sendung meldete sich dann auch noch Tobias Stieler zu Wort, schließlich hatte er mit seinen strittigen Entscheidungen den Stein ins Rollen gebracht.

»Es gibt da nicht viel zu diskutieren. Der Spieler hat heftig abgewunken und die gelbe Karte bekommen, danach hat er wiederholt abfällig und gestenreich keinen Respekt gezeigt. Ich kann nicht nachvollziehen, wenn ein Spieler eine gelbe Karte bekommt, dass er danach immer noch abfällige Gesten macht. Können Sie das verstehen?« Wen Stieler meinte: Sky-Reporter Patrick Wasserziehr. 

Doch statt Verständnis erntete der Schiedsrichter eher nochmal Gegenwind. »Ich kann das in der Situation durchaus noch nachvollziehen. Ich finde, es hat schon viel schlimmere Szenen dieser Art gegeben. Für meinen Geschmack war es einen Tick zu viel«, entgegnete Wasserziehr einem Gesprächspartner. 

Zu allem Überfluss sah auch noch Marco Rose die gelbe Karte. »Marco Rose hat ein Foulspiel reklamiert. Ich habe keine aktive Bewegung des Ellenbogens gesehen und deshalb nicht gepfiffen. Er hat daraufhin gestenreich reklamiert und seine Coaching-Zone verlassen, das ist dann eine gelbe Karte«, erklärte der Schiedsrichter. Borussias Trainer ließ seine Karte und auch den Platzverweis von Plea im anschließen Sky-Interview unkommentiert, schien mit den Aussagen von Lothar Matthäus aber nicht so unzufrieden zu sein. 

Sicherlich sind die Spielleiter angehalten, ein Verhalten wie im Falle von Alassane Plea zu ahnden. Doch wieso fällt der DFB bzw. die DFL solch eine Entscheidung nicht in der Sommerpause, wo alle Verantwortlichen deutlich mehr Zeit für die Umsetzung dieser neuen Regelung haben? Diese Frage bleibt wohl bis auf Weiteres unbeantwortet. Klar ist aber auch: So geht der Fußball kaputt…