FOHLENHAUTNAH
Borussen bekommen klaren Strafstoß nicht anerkannt - So macht der VAR keinen Sinn

»…dann muss man sich eher fragen, was im Kölner Keller los ist«

Kurz & Knapp
08.03.2020 10:30 Uhr
Lars Stindl und die Borussen beschwerten sich vehement bei Schiedsrichter Stegemann - gebracht hat es nichts. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de
Verfasst von Andreas Plum und Alexander Plum

Wieder einmal sorgt der Video-Assistent für reichlich Diskussion und vor allem Kopfschütteln. Bei der 1:2-Niederlage von Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund wurde der Fohlenelf ein klarer Elfmeter verwehrt. Gerade Jonas Hofmann verstand im Anschluss an die Partie nachvollziehbar die Welt nicht mehr. Denn so wird der Videoassistent nur mangelhaft umgesetzt.

Es lief die Nachspielzeit der ersten 45 Minuten, als sich Jonas Hofmann hellwach zeigte und nach einem zu kurzen Rückpass von Dan-Axel Zagadou zu seinem Keeper der Kugel hinterhersprintete. Der Franzose wollte das natürlich unterbinden und fuhr Hofmann, der sich im Strafraum im vollen Lauf befand, in die Parade, um ihn zu blocken und am Schuss zu hindern.

Der Elfmeterpfiff blieb allerdings aus - kaum zu glauben. Die Gladbacher Borussen beschwerten sich im Anschluss vehement bei Schiedsrichter Sascha Stegemann. »Hätte ich nicht schon vier Gelbe Karten gehabt, hätte ich ihm etwas gesagt«, grummelte Lars Stindl.

Durchaus verständlich. Denn zumindest der Video-Assistent Felix Zwayer hätte eingreifen und Stegemann mitteilen können, wenn nicht gar müssen, dass er sich besagte Szene am Spielfeldrand in der ‚Review-Area‘ noch einmal anschaut. Doch auch dazu kam es nicht.

So macht die Regel keinen Sinn

Aber warum?! Dazu heißt es im Leitfaden der Deutschen-Fußball-Liga (DFL) zum Video-Assistenten: „Voraussetzung für ein Eingreifen des Video-Assistenten ist jeweils, dass nach seiner Einschätzung eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung des Schiedsrichters auf dem Platz vorliegt. Ist eine solche, klar falsche Wahrnehmung des Schiedsrichters auf dem Platz nicht gegeben, darf der Video-Assistent nicht eingreifen. Der Video-Assistent ist also nicht dazu da, eine bessere Entscheidung zu finden. Auch wird es weiterhin Szenen geben, die nicht eindeutig aufzulösen sind. Der Video-Assistent soll den Fußball ein Stück weit gerechter machen.“

Aha. Aber macht er den Fußball mit einer solchen Vorgabe gerechter? Nein! Danach wurde in diesen Fall - wie schon in vielen anderen Fällen - absolut nicht gehandelt. Im Gegenteil. Fakt ist, dass die Aktion von Zagadou an Hofmann in Bezug auf eine Strafstoß-/ Elfmetersituation ein falsch geahndetes Vergehen war. Es wurde einfach nicht geahndet, Punkt.

Und bei einer solchen muss der ‚Kölner-Keller‘ einfach eingreifen können, um genau das zu klären und vor allem eins zu machen - den Fußball nicht nur ein Stück weit, sondern eben gerechter machen, wie es die DFL schreibt. In der Form ist er jedenfalls mangelhaft ausgeführt. Der VAR MUSS den Schiedsrichter einfach auch in so einer strittigen und mitunter spielentscheidenden Szene unterstützen dürfen, um eben eine bessere, vor allem aber richte Entscheidung zu fällen. Diese war jedenfalls schlicht und ergreifend falsch! 

»Klarer kannst du in der Zeitlupe nicht erkennen, dass er nur in mich reingeht«

Denn so muss man konstatieren, macht das Ganze, was vom Grundprinzip her keine schlechte Sache ist, wenig bis gar keinen Sinn. Zagadou ging bewusst in den Mann und wollte Hofmann am Anlaufen blocken, auch wenn der Ball weg war. Der Meinung war auch Jonas Hofmann. »Ich will durchlaufen. Klar, ich komme auf jeden Fall nicht mehr zum Ball, das weiß ich. Aber ich glaube, wir wissen alle, dass der Ball nicht im Spiel sein muss, um Elfmeter zu pfeifen«, schüttelte Hofmann mit dem Kopf. »Klarer kannst du in der Zeitlupe nicht erkennen, dass er nur in mich reingeht. Ich glaube nicht, dass ich leicht zu Boden gehe. Ich setzte zum Sprint an, da reicht nunmal auf ein Kontakt.«

Hofmann erkundigte sich bei Sascha Stegemann, warum er sich die Szene nicht noch einmal in der Review-Area anschaut. »Ich habe ihn gefragt und er sagte, dass er ‚Check completed‘ ins Ohr geflüstert bekommen hat. Ich weiß nicht, was sie gecheckt haben, aber die Szene auf keinen Fall. Ich weiß echt nicht, wofür wir den Video-Schiedsrichter haben«, ärgerte sich Hofmann. »Es war eine klassische Szene, um sich das zumindest mal anzuschauen. Aber wenn der Schiedsrichter ins Ohr Geflüster bekommt, ‚Check completed’, dann läuft er auch nicht mehr raus. Dann muss man sich eher fragen, was im Kölner Keller los ist.«

»Er hat gefühlt gepfiffen wie sonst was«

Die Frage muss man sich ohne Zweifel stellen. Schon oft sorgten die dort verantwortlichen Schiedsrichter wie auch jetzt für Kopfschütteln und Achselzucken. Bei einer solchen Szene muss der VAR einfach eingreifen. Sascha Stegemann jedenfalls, wollte sich nach dem Spiel nicht äußern. »Ich habe es natürlich schon mehrfach gesehen. Ich brauche keine Erklärung. Jeder, der es sich im Fernsehen angeschaut hat und Dortmund-Fan ist, sagt wahrscheinlich kein Elfmeter. Jeder, der es mit Borussia Mönchengladbach hält, sagt wahrscheinlich klarer Elfmeter«, bezog Marco Rose Stellung. »Mich würde die Meinung der neutralen Zuschauer interessieren. Das wäre dann ein bisschen aussagekräftiger. Zagadou räumt Hoffi ab, nachdem er den Ball gespeilt hat. Jetzt wäre die Frage, kommt Hoffi noch hin zum Ball oder nicht. Und zum Thema Video-Schiedsrichter und sich melden - Bitte fangt nicht damit an.«

Marco Rose wollte sich nachvollziehbar im Zaum halten und wenig dazu sagen, um sich nicht dann später erklären zu müssen. Dass aber auch Borussias Trainer einen Hals hatte, liegt auf der Hand. Etwas deutlicher würde Matthias Ginter. Der Schiedsrichter war Wahnsinn heute, das muss man ehrlich sagen. Ich habe die Szene noch nicht gesehen, aber anscheinend war es ein glasklarer Elfmeter. Aber wenn man sich die 90 Minuten anschaut, war irgendwie gar keine Linie zu erkennen, schüttelte Matthias Ginter den Kopf. Er hat gefühlt gepfiffen wie sonst was. Der Linienrichter wollte mir nach dem Spiel noch nichtmal die Hand geben. Also die haben sich heute aufgeführt wie keine Ahnung wer. Das war Wahnsinn. Wir waren gut, aber nicht gut genug, um Dortmund und die Schiedsrichter zu schlagen.«

»Zumindest zum Teil ein Punkt geraubt«

Jedenfalls muss sich die DFL in Sachen Video-Assistent dringend Gedanken machen, um eben die Gerechtigkeit im Millionen-Geschäft Fußball auch zu gewährleisten. So wie im Fall der besagten Szene tut sie es jedenfalls nicht. Natürlich kann, soll und darf man den nicht zugesprochenen klaren Strafstoß für an die Niederlage verantwortlich machen, doch hat sie auf jeden Fall Einfluss auf das Spiel genommen.

»Ich denke, dass uns dadurch zumindest zum Teil ein Punkt geraubt wurde. Wenn wir den Elfmeter bekommen, weiß man zwar nicht, wie das Spiel verläuft«, war Hofmann gleicher Meinung und fügte an: »Aber vielleicht nimmt es eine andere Dynamik an, vielleicht nimmt es eine andere Wende. Das weiß man alles nicht. Im Endeffekt war es nicht verdient, dass wir heute so verloren haben.« Gewiss. Wieder einmal haben die Fohlen dem BVB mehr als Paroli geboten und auf Augenhöhe agiert. Wieder einmal reichte es unter dem Strich leider nicht. Es gilt, die Niederlage zu analysieren und dann schnell den Fokus auf das Derby zu richten. Und die DFL muss ebenso analysieren und den Fokus auf eine gerechte Auslegung des VAR richten…!