FOHLENHAUTNAH
Kommentar zum Spiel in Leverkusen

Die eigenen Grenzen neu definiert

Kommentar
04.11.2019 11:06 Uhr
Borussia macht derzeit in der Bundesliga nahezu alles richtig und darf sich über Platz eins freuen. FOTO: DIRK PÄFFGEN, FOHLEN-HAUTNAH.DE
Verfasst von Daniel Schnichels

Spielerisch war die Begegnung in Leverkusen sicherlich kein Leckerbissen, doch kämpferisch hat Borussia mal wieder alles reingehauen was momentan zur Verfügung steht. Selbst die leeren Akkus konnten die Elf von Marco Rose nicht stoppen. Die Fohlen stehen aktuell völlig zurecht an der Bundesliga-Spitze. 

Selbst leere Akkus stoppen die Fohlen nicht

Man neigt gerne mal (vorschnell) dazu, den Hut vor etwas zu ziehen. Doch was Borussia Mönchengladbach derzeit abliefert ist aller Ehren wert, davor ziehen wir tatsächlich unseren imaginären Hut! Vor allem der Ideenreichtum von Marco Rose überrascht uns und auch den Gegner immer mal wieder. In der ersten Halbzeit 3-5-2, anschließend wieder 4-4-2 mit Raute. Aber der Reihe nach. 

Sicherlich war das kein spielerischer Leckerbissen, den die Fohlen am Samstagnachmittag in der Leverkusener BayArena abgeliefert haben. In erster Linie war es einfach nur effektiver Fußball. Neben der Effizienz offenbarte Borussia aber eine ganz neue Seite, denn auch über den Kampf kann ein Spiel gewonnen werden. Wir haben der Mannschaft schon oft den absoluten Willen attestiert, aber es scheint, als hätte Rose seinen Spieler nun noch das Sieger-Gen eingepflanzt. In allen Bereichen sind die Mönchengladbacher über sich hinausgewachsen, selbst die schwindenden Kräfte konnten sie nicht vom Sieg abhalten. In diesem Fall wurden die eigenen Grenzen neu definiert, denn die meisten Spieler gingen über ihre Schmerzgrenze hinaus. 

Beste Saison seit 32 Jahren

Klar, das nötige Spielglück gehörte auch dazu, denn Leverkusen konnte sich keinen ihrer 13 Eckbälle zum Vorteil machen. Unverdient war der Sieg aber keineswegs, denn die Fohlen spielten das eben runter, wie es eine aktuelle Spitzenmannschaft so macht: Ganz schön clever und abgezockt. Nicht umsonst ist Borussia seit dem siebten Spieltag Tabellenführer in der Bundesliga und spielt zudem noch die beste Saison seit 32 Jahren. Dazu wurden von den letzten sieben Liga-Spielen sechs gewonnen, nur in Dortmund verlor die Fohlenelf sehr unglücklich und auch unverdient. 

Derzeit weiß man tatsächlich nicht, wer oder was die Fohlen in der Bundesliga aufhalten soll. Während die große Konkurrenz aus München patzt und auch noch für die erste Trainerentlassung der Saison sorgt, hat Borussia völlig verdient schon drei Punkte auf die zweitplatzierten Dortmunder und sogar schon vier Punkte auf die Bayern Vorsprung. Letztlich ist die Tabellenführung kein Zufallsprodukt, sondern der Lohn der ersten Monate mit Marco Rose und seinem neuen Trainerstab. 

Ausfälle werden kompensiert

Außer Lainer und Thuram haben in der Startelf von Samstag alle Spieler schon unter Dieter Hecking gespielt. Jetzt wollen wir an dieser Stelle nicht über die Arbeit von Roses Vorgänger schreiben, sondern vielmehr die neue Linie des 43-jährigen loben. An dieser Tatsache erkannt man nämlich, welchen Anteil der Trainer am derzeitigen Erfolg hat. Wir können nur erahnen was Rose seinen Spielern vor einer Partie mit auf den Weg gibt, aber es trägt auf jeden Fall Früchte. 

Denn trotz der vielen Verletzten (zwischenzeitlich sogar elf Spieler) hat man nicht das Gefühl, dass die Mannschaft dadurch geschwächt ist. Früher sorgte schon der Ausfall von zwei Spielern für Kopfschmerzen rund um den Borussia-Park. Die Akteure ziehen sich gegenseitig hoch und nehmen sich mit, einer steht für den anderen ein. „11 Freunde müsst ihr sein“ trifft es hier wohl am besten.

Euphorie nach Europa tragen

Jetzt gilt es diese riesige Euphorie auch mal in die Europa League zu transportieren und die Chance auf das Überwintern in Europa zu wahren. Mit einem Sieg könnte Borussia mit Tabellenführer Rom gleichziehen und somit einen wichtigen Schritt in Richtung Sechzehntelfinale machen...