FOHLENHAUTNAH
Auftritt macht Hoffnung, aber eben auch das alte Lied

Hätte, hätte, Fahrradkette

Kommentar
20.02.2018 09:47 Uhr
Hätte Lars Stindl in dieser Szene getroffen, hätten die Fohlen endlich wieder jubeln können. Foto: Dirk Päffgen
Verfasst von Andreas Plum

Borussia Mönchengladbach gelang auch im vierten Spiel in Folge kein Erfolgserlebnis. Gegen die Namenscousine aus Dortmund verlor man trotz guter Leistung mit 0:1. Und das, weil man abermals zahlreiche Torchancen auf der Strecke ließ. Doch der Auftritt als solches gibt Anlass zur Hoffnung.

 

Ja, hätte Schiedsrichter Bastian Dankert in der zweiten Minute der Nachspielzeit das eindeutige Foulspiel von Sokratis an Jannik Vestergaard im Anschluss an eine Ecke geahndet oder hätte zumindest der Video-Assistent eingegriffen, hätte es Foulelfmeter geben können und die Gladbacher Borussen hätten in buchstäblich letzter Sekunde womöglich den dann hochverdienten Ausgleich gemacht.

Hätte, hätte, Fahrradkette. Haben sie aber nicht. Dass man über den generellen Einsatz des Video-Assistenten in der Nachbetrachtung wie so oft streiten bzw. diskutieren kann, ist Fakt. Doch dafür verantwortlich, dass die Fohlenelf gegen den BVB abermals leer ausging, ist er sicherlich nicht. Denn 90 Minuten zuvor hatte man genügend Gelegenheiten, um ein Tor zu schießen.

Rekord für Borussia - und für Bürki

Am Ende lautete das Torschussverhältnis 28:8 (!) für die Fohlenelf, die seit Oktober 2010 nicht mehr so viele Torschüsse abgegeben hatte. Auf der anderen Seite ließ der BVB zuletzt im April 2009 so viele gegnerische Torschüsse zu. Schlussmann Roman Bürki stellte mit elf Paraden einen neuen ligaweiten Saisonrekord auf.

Natürlich hatte gerade der Schweizer großen Anteil daran, dass seine Mannschaft keinen Gegentreffer kassierte, doch bei den Borussen offenbarte sich zum wiederholten Male eine eklatante Abschlussschwäche. Pech kam auch dazu. Es ist das alte Lied, dass die Borussen ihre Möglichkeiten einfach nicht nutzen und sich so um den verdienten Lohn bringen. In der Offensive fehlt einfach ein Typ Angreifer, der vor dem Tor Coolness beweist und auch mal für zehn Tore in der Saison gut ist. Zu viel ist nach wie vor abhängig von Raffael, der seinem fortgeschrittenen Alter langsam Tribut zollen muss. Hier ist Max Eberl gefordert, für die neue Spielzeit nachzulegen.

Hecking: »Die Fragen könnt ihr euch schenken«

Für die noch laufende Saison hilft das natürlich nicht. Das Runde muss einfach mal wieder ins Eckige. Erst drei Tore erzielte die Hecking-Truppe in der Rückrunde. Seit vier Spielen ist man gänzlich ohne eigenen Treffer. Aber warum? »Die Fragen könnt ihr euch schenken. Ich kann es euch nicht erklären«, zuckte Dieter Hecking auf der Pressekonferenz nach der Niederlage mit den Schultern und versprach: »Wir werden weiter daran arbeiten, dass wir Tore machen.«

Was auch von Nöten ist, um die Ergebniskrise zu beenden. Denn zumindest die ist ohne Zweifel vorhanden. Man muss vor dem Kasten wieder cleverer und abgezockter werden. Nicht von ungefähr kommt es, dass die Borussen in der aktuellen Rückrundentabelle auf einem Abstiegsplatz rangieren und ihr Saisonziel aus den Augen verloren haben, wenngleich das internationale Geschäft nach wie vor möglich ist. Auch wenn es dazu wohl eine konstante Siegesserie benötigt. Doch darauf sollte man im Moment nicht schielen, sondern zunächst einmal die Talfahrt stoppen. Sonst wird es in den kommenden Wochen noch ungemütlicher als es eh schon ist und die Rufe nach den im Fußball mitunter üblichen Mechanismen werden lauter.

Borussen können Kurve bekommen

Schlechter Rasen, gutes Spiel, schlechtes Ergebnis – so kann man derweil die Niederlage gegen den BVB zusammenfassen. Unter dem Strich zählt im Fußball ausschließlich das nackte Ergebnis. Dennoch kann man der Niederlage gegen den BVB etwas Positives abgewinnen. Sie gibt Anlass zur Hoffnung, dass die Borussen noch Spiele bestimmen, gewinnen und die Kurve bekommen können.

In der Vorwoche in Stuttgart agierten die Borussen noch mutlos, ideenlos und ohne Durchschlagskraft. Gegen den BVB haben sie auf dem miserablen Geläuf geackert, mutig gespielt, die Fans mitgerissen und kaum etwas zu gelassen. Die Mannschaft hat die Ärmel hochgekrempelt und gezeigt, dass sie es kann und in der Lage ist, Paroli zu bieten.

Es müssen jetzt aber zwingend positive Ergebnisse her, um die Abwärtsfahrt zu stoppen. Am kommenden Samstag in Hannover gilt es, die gute Leistung gegen Dortmund zu bestätigen und vorne eiskalt zu sein, um endlich mal wieder einen Sieg einzufahren. Mit dem Auftritt gegen Dortmund hat sich die Mannschaft jedenfalls wieder einen Kredit verdient, den es zu bestätigen gilt, damit in Bezug auf die Tabelle der Blick wieder nach oben gerichtet werden kann. Es wird Zeit, den oftmals genannten Bock umzustoßen!