Die Enttäuschung nach dem schnellen Remis war groß – Foto: Dirk Päffgen

87 Minuten sah Borussia Mönchengladbach im Champions League-Spiel gegen Real Madrid wie der sichere Sieger aus und war drauf und dran, sich an die Tabellenspitze der Gruppe B zu setzen. Doch in der Schlussphase verspielten die Fohlen noch einen 2-Torevorspung und brachten sich am Ende so um den verdienten Lohn in Form von drei Punkten. Dennoch kann man den Borussen Respekt zollen für einen starken Auftritt gegen einen vermeintlich übermächtigen Gegner.

Man musste kein großer Prophet sein um zu wissen: Die Borussen waren enttäuscht nach dem 2:2-Remis in der Königsklasse gegen Real Madrid.  Als der israelische Schiedsrichter Orel Grinfeld die Partie im leeren Borussia-Park nach 94 Minuten abgepfiffen hatte, gingen die Köpfe zunächst nach unten bei den Borussen. Nachvollziehbar, denn gerade hatten sie – wie schon Mailand – auf den letzten Metern einen Sieg verspielt. Und der wäre auch nicht unverdient gewesen.

Im Vorfeld der Partie hätte man ein Remis gegen den spanischen und europäischen Top-Klub ohne Frage unterschrieben. Diesmal aber, schmerzt es besonders, weil man eine 2:0-Führung nicht über Ziellinie bringen konnte. Da muss man bei so einem Vorsprung in der Schlussphase cleverer sein und einen solchen Vorsprung über die Zeit bringen.

Aber der Reihe nach. Marco Rose hatte sich was ausgedacht für das Spiel gegen die ‚Königlichen‘. Mutiges Auftreten gegen den haushohen Favoriten, die Räume eng halten und auf Fehler lauern. In den ersten zwanzig Minuten gelang der Fohlenelf das recht ordentlich. Zwar hatte Real da klar das Heft des Handelns in der Hand und war überlegen, große Chancen gab es aber nicht.  Weil die Fohlenelf eben richtig gut stand, es den ‚Königlichen‘ maximal schwer machte und immer wieder für Entlastung sorgen konnte.

Selten gesehene Effektivität in der Königsklasse

Mit der ersten Chance gelang den Borussen dann die Führung, für die Marcus Thuram gesorgt hatte. Spielerisch ein überragendes Tor, das Alassane Plea mit einem Sahnepass auf seinen Landsmann auflegt hatte. Gleiches schafften die Borussen nach dem Seitenwechsel, wo sie erneut die erste richtig gute Möglichkeit gleich in einen Torerfolg ummünzten. Gerade diese Effektivität hat man auf internationalem Parkett und konkret in der Champions League selten bei den Borussen gesehen. Diese Kaltschnäuzigkeit hat langegefehlt. Die Fohlenelf hat sie sich erarbeitet.

Gerade auch nach dem Seitenwechsel arbeitete die Fohlenelf fleißig und behielt die Stabilität. Es war schon beeindruckend und man musste sich als Beobachter positiv etwas die Augen reiben, als man nach einer Stunde auf das Zwischenergebnis schaute. 2:0 für den VfL notierte da die Anzeigetafel.

Ein 3:0 hätte den Deckel draufgemacht

Mit dieser Doppelführung gingen die Rose-Truppe in der Folgezeit ohne Angst zu Werke, war zweikampfstark im letzten Drittel und setzte immer wieder Zeichen. Die Fohlenelf spielte mit breiter Brust, war gut in den Zweikämpfen und schaltete schnell um. In dieser Phase gab es Chancen zum 3:0, womit die Messe zugunsten der Borussen gesungen gewesen wäre. Man kann nicht alles wegverteidigen, aber man kann es einfach nicht besser spielen gegen Real.

Doch dann kam der Knacks. Drei Minuten vor Schluss hauchten die Borussen den Madrilenen mit einem unnötigen Gegentor wieder Leben ein und gaben dann mit dem zweiten Gegentor in der Nachspielzeit einen sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand.

In Summe hat die Fohlenelf so in der Königsklasse in zwei Spielen vier Punkte hergeschenkt. Daraus muss man lernen und clevrerer agieren. Es darf nicht passieren, dass man sich in den letzten Minuten noch so zwei Gegentore fängt.

Unter dem Strich hat man sich um den Lohn der ganzen Arbeit gebracht. Das tut weh und ist schade für die Mannschaft. Borussia hat in dieser Gruppe eine realistische Chance, weiterzukommen – sei es in der Königklasse oder als Dritter dann in die Europa League. Doch dafür  muss man aber ganz klar solche Spiele auch mal über die Zeit bringen.

Was aber auch hängen bleibt ist die Tatsache, dass die Fohlenelf auch einem Klub, gespickt mit Weltstars wie Sergio Ramos und Toni Kroos, auf Augenhöhe begegnen und ihm klarmachen kann, dass man gegen Borussia Mönchengladbach keine drei Punkte fest einplanen kann. Das verdient Respekt und zeigt, welche Qualität in dieser Mannschaft steckt. Die späten Nackenschläge gilt es nun flott zu verarbeiten und aus den Köpfen zu bekommen – damit man den noch ungeschlagenen Leipziger eins auswischen kann…