Unendliche leere nach der erneuten Niederlage. Foto: Dirk Päffgen

Nach der Niederlage gegen den VfB Stuttgart droht Borussia nun auch das letzte Minimalziel für diese Saison zu verspielen, die Teilnahme an der Conference League ist nicht mehr in der eigenen Hand. Erneut waren die Fohlen viel zu passiv und hatten keine spielerische Lösungen parat. Christoph Kramer sprach nach Spielende die Defizite an. 

Weniger Torschüsse als bei Niederlage in München 

»Wir müssen so auftreten dass man erkennt, dass wir etwas gerade rücken wollen. Wir haben noch ein Ziel vor Augen, das wir gemeinsam erreichen wollen«, forderte Marco Rose vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart von seiner Mannschaft. Am Samstagnachmittag war nach der Partie davon absolut nichts zu sehen, stattdessen fingen die TV-Kamera einen sehr gefrusteten Max Eberl ein. 

Borussias Sportdirektor schien innerlich zu kochen, saß mit verschränkten Armen und steinerner Miene auf der Bank im leeren Borussia-Park. Was Eberl mit ansehen musste, dürfte ihm bei bestem Willen nicht gefallen haben: Nur neun Torschüsse gab Borussia Mönchengladbach ab, viel zu harmlos. Selbst bei der 0:6-Niederlage bei Bayern München war die Fohlenelf mit 14 Torschüssen noch ‚gefährlicher‘. 

»Wir haben gegen eine sehr ballsichere Mannschaft gespielt der man den Zahn ziehen kann wenn man viel Dominanz ausstrahlt und dann eine gute Restverteidigung hat. Das haben wir in der ersten Halbzeit gut gemacht, auch wenn wir nicht viele klare Torchancen hatten. Wir haben sie in ihrer eigenen Hälfte gut festgehalten«, sprach Christoph Kramer die Führung kurz vor der Pause an. Borussias Sechser selbst war am 13. Saisontor von Lars Stindl beteiligt. 

Unglaubliche 29 Punkte nach Führung verschenkt 

Danach folgte dann das, was sich laut Kramer »wie ein roter Faden durch die Saison zieht«: Borussias verspielte eine Führung. Zum wiederholten Male konnten die Fohlen einen Vorsprung nicht über die Zeit retten, verspielten so mittlerweile schon unglaubliche 29 Punkte. So auch gegen die Schwaben, die innerhalb von fünf Minuten das Spiel drehten. 

»Der Gegner tut uns den gefallen und rennt uns Mann gegen Mann an und zwingt uns zu langen Bällen, ohne das wir aber auf zweite Bälle stehen. Wir stehen dann sehr weit auseinander und bekommen die zweiten Bälle nicht. Danach hat Stuttgart dann unser Spiel festgehalten, das spielte ihnen in die Karten. Sie sind eine sehr ballsichere Mannschaft die man nicht ins Spiel kommen lassen darf«, monierte der Weltmeister von 2014. 

Kramer lieferte sogar noch weitere Gründe, wieso die Borussen im letzten Heimspiel der Saison als Verlierer vom Platz gingen. »Ich bin unfassbar unzufrieden. Wir müssen einfach lernen, dass wenn wir führen, weiter Fussball spielen oder wir weiter rausrücken und auf zweite Bälle lauern. Aber mit diesem Zwischending ist uns nicht geholfen, denn wir verlieren zu oft die Bälle. Der Ball ist zu oft weg und wir rennen der Musik hinterher.« 

Grundsätzlich sind es auch nicht die Szenen die zu Gegentoren führen, vielmehr geht es laut dem 30-Jährigen um die »Geschichte«. Und diese ist nämlich, dass sich die Fohlen nach einer Führung viel zu passiv verhalten. Anstelle einer ‚Jetzt-Erst-Recht-Mentalität‘ konzentrieren sich die Gladbacher immer auf das Verwalten der Führung und werden letztlich dafür bestraft. 

Teilnahme an Conference League in großer Gefahr 

Deshalb tut auch das Unentschieden von Union Berlin bei Bayer Leverkusen doppelt weh, Borussia ist dadurch sogar von Platz sieben abgerutscht und hat die Teilnahme an der zweiten Qualifikationsrunde für die Conference League nicht mehr in der eigenen Hand. Kramer machte nach dem Spiel nochmals Werbung für den neuen Wettbewerb und betonte wie wichtig dieser für den gesamten Kader ist. 

»Die Conference League ist sehr attraktiv für uns. Wenn man unseren Kader sieht ist es schon gut, wenn man drei Spiele anstelle von einem Spiel pro Woche hat. Viele Menschen sind immer zufriedener wenn sie auch viel spielen und die Möglichkeit ist mit der Doppelbelastung höher weil man öfters ans spielen kommt«, so Kramer. 

Vor der Partie gegen Stuttgart stellte Max Eberl nämlich nochmals klar, dass sich der Kader wohl kaum vergrößern wird, eher im Gegenteil. Aktuell laufen auch noch die Gespräche mit Matthias Ginter und Denis Zakaria über eine Verlängerung ihrer bis 2022 auslaufenden Verträge, Platz sieben und damit das europäische Geschäft wären nochmal ein zusätzliches Argument für Max Eberl. 

Borussia auf Schützenhilfe angewiesen 

Die Ausgangslage vor dem letzten Spiel bei Werder Bremen ist nun also denkbar schlecht, Borussia ist auf Schützenhilfe angewiesen. »Union spielt gegen Leipzig, wir gegen Bremen. Union darf nicht gewinnen, wir müssen gewinnen. Die Situation ist klar«, so Christoph Kramer zur Theorie. 

Auch Marco Rose, der nächste Woche vor seinem letzten Spiel als Fohlen-Trainer steht, kennt die Theorie. »Das fühlt sich nicht gut an. Die Jungs sind schwer enttäuscht. Denn wir haben das internationale Geschäft nun nicht mehr in der eigenen Hand. Jetzt müssen wir nochmal alle Kräfte mobilisieren, das Spiel in Bremen gewinnen und gleichzeitig noch hoffen, dass es in Berlin in unsere Richtung läuft«, so Rose. Bleibt also nur zu hoffen, dass die Fohlen beim abstiegsbedrohten Klub aus Bremen ihre Hausaufgaben machen und ausgerechnet die Leipziger für Schützenhilfe sorgen…