Foto: Dirk Päffgen

Borussia verpasste gegen Real Madrid die Sensation und musste sich aufgrund von zwei späten Gegentoren noch mit einem 2:2 begnügen. Zwar machten die Fohlen eine überragende Partie, verpassten es aber in den entscheidenden Momenten das Spiel endgültig zu entscheiden. Dementsprechend waren die Reaktionen der Fohlenelf nach Schlusspfiff eher verhalten. 

Um den Lohn der Arbeit gebracht 

Die Sensation gegen Real Madrid lag in der Luft, doch die ‚Königlichen‘ drehten in der Schlussphase des Spiels fünf Minuten auf und rangen Borussia Mönchengladbach nieder. Zwar steht nach dem 2:2 auf der Habenseite noch immer ein Punktgewinn, doch nach dem starken Auftritt überwog logischerweise die Enttäuschung. Das konnte man den Spielern im leeren Borussia-Park ansehen, denn viel sackten erstmal auf den Rasen und mussten das Geschehen einordnen. 

»Das Spiel fühlt sich ein wenig wie eine Niederlage an. Wir haben eine klasse Partie und einen super Fight abgeliefert. Wenn man hier im Borussia-Park bis kurz vor Schluss gegen Real Madrid 2:0 führt, will man das Spiel natürlich gewinnen«, sagte Lars Stindl. Auch Christoph Kramer fand »das 2:2 sehr ärgerlich«. Dabei sah es in der Anfangsphase noch nicht unbedingt danach aus, als könnten die Fohlen gegen Real etwas mitnehmen. 

»Wir hatten sie in der Schlinge«

In den ersten 15 Minuten hatten die ‚Königlichen‘ 77 Prozent Ballbesitz, konnten aber glücklicherweise keinen Profit daraus schlagen. Das lag eben auch an der Tatsache, dass Borussia in der Defensive sehr gut sortiert war. »Madrid hat mit voller Kapelle gespielt und uns gut laufen lassen. Dann war es schwierig, im eigenen Ballbesitz gute Lösungen zu finden – aber es ist uns gelungen. Vor allem am Ende der ersten und in der zweiten Halbzeit hatten wir lange Ballbesitzphasen, die Real auch wehgetan haben«, so Christoph Kramer. 

Vor allem die Führung für Borussia dürfte den Madrilenen nicht geschmeckt haben, denn die Fohlenelf war in der ersten Halbzeit laut dem Weltmeister von 2014 »unheimlich effektiv«. Die Führung gab Kramer und Co. deutlich mehr Sicherheit im Spiel und die Hausherren fanden sich immer besser zurecht. Auch bis zum 2:0 war Borussia gnadenlos effektiv und verpasste den Gästen aus Spanien fast den Nackenschlag. »Wir hatten sie in der Schlinge«, meinte Yann Sommer nach dem Spiel. Dennoch war es klar, »dass die ein oder andere Angriffswelle auf uns zukommen wird, aber wir haben es über weite Strecken gut verteidigt«. 

Borussia verpasste Vorentscheidung 

Entscheidend waren aber dann die letzten fünf Minuten, als Real alles in die Waagschale warf und für ordentlich Unruhe bei den Fohlen sorgte. »Aber es ist nicht alles ganz vermeidbar, wenn Real am Ende noch zwei Mann zusätzlich mit hinter die letzte Linie nimmt und dann Flanke um Flanke kommt. Dass dann hinten auch mal ein Ball reinfällt, ist so. Dass das so spät im Spiel passiert ist, ist sehr ärgerlich«, gab Christoph Kramer zu. Lars Stindl fügte noch hinzu, dass »die beiden Gegentore aus einem ähnlichen Muster heraus gefallen sind«. 

Dass die Fohlen nach einer bärenstarken Leistung die Sensation verpassten lag eben auch an der Tatsache, dass in der zweiten Halbzeit teilweise die letzte Konsequenz in der Offensive fehlte. »Ab der 75. oder 80. hätten wir es dann nach vorne deutlich besser ausspielen müssen. Dann hätten wir auch den Sack zumachen können. Das haben wir leider nicht gemacht«, monierte Kramer. 

Eberl und Rose stolz auf die Fohlenelf 

Auch Marco Rose war natürlich mit dem späten Ausgleich erstmal bedient, fand aber auch logischerweise und völlig zurecht lobende Worte für seine Mannschaft. »Wenn man so spät noch zwei Gegentore bekommt und den Sieg dadurch hergibt, ist das maximal bitter. Aber man muss auch die Qualität von Real Madrid anerkennen, das in der Schlussphase alles auf eine Karte gesetzt hat. Da braucht man auch mal das Quäntchen Glück, das wir vorher nicht unbedingt benötigt haben.In der Schlussphase wurden die Beine dann immer schwerer und der Druck der Madrilenen immer größer, da haben wir es nicht mehr geschafft, alle Löcher zuzumachen. Und wenn so viele Flanken in den Strafraum segeln, fällt eben auch mal einer rein. Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, die über die gesamte Partie gesehen eine sehr gute Leistung gezeigt hat«, resümierte der 44-Jährige den zweiten Spieltag in der Champions League. 

Max Eberl konnte seine Gefühlslage nach dem späten Ausgleich »nicht wirklich in Worte fassen« und war wie alle anderen erstmal bedient. Dennoch sah auch Borussias Sportdirektor viel positives bei der Fohlenelf. »Trotzdem muss man bei aller Enttäuschung und bei allem Frust sagen, dass wir gegen Real Madrid ein großes Spiel gemacht haben. Wir haben die Madrilenen an den Rand getrieben. Wir werden ihnen auf jeden Fall als eine Mannschaft in Erinnerung bleiben, die sie nicht schlagen konnten und bei denen sie mit Glück noch einen Punkt mitnehmen konnten«, stellte Eberl fest. 

In den nächsten Tagen müssen die Fohlen nun das positive aus dem Auftritt in der Königsklasse ziehen und sich wieder auf den Liga-Alltag fokussieren. Am Samstag gastiert Leipzig im Borussia-Park, die Aufgaben werden also vermeintlich nicht leichter. Allerdings ist davon auszugehen, wie schon eine Woche zuvor in Mainz, dass Marco Rose wieder fleißig rotieren wird um die Belastung seiner Spieler im Griff zu haben.