Der Schuss ins Glück: Kevin Diks sorgt mit dem verwandelten Foulelfmeter für den Sieg. Foto: Dirk Päffgen
In der Nachspielzeit gewann Borussia Mönchengladbach mit 1:0 gegen Union Berlin. Kevin Diks verwandelte souverän zum Sieg in einer Partie, in der die Borussen beinahe an der eigenen Chancenverwertung verzweifelt wären. Umso wichtiger, dass der langersehnte Dreier auch mit Blick auf die Ergebnisse der Konkurrenz eingefahren werden konnte.
Borussias Trainer Eugen Polanski musste in dem so wichtigen Heimspiel weiterhin auf Tim Kleindienst, Nathan Ngoumou (beide Reha) und Robin Hack (Trainingsrückstand) verzichten. Zudem musste Kota Takai (kleine Zerrung) kurzfristig passen. Der Dafür standen Giovanni Reyna nach langer Ausfallzeit, Alejo Sarco und auch Rocco Reitz wieder zur Verfügung.
Im Vergleich zur Niederlage in Freiburg gab es drei Änderungen: Wael Mohya (Startelf-Premiere), Jens Castrop und Rocco Reitz bekamen den Vorzug Hugo Bolin, den angeschlagenen Kota Takai und Lukas Ullrich.
Für die Fohlen war der Auftrag klar: Drei Punkte holen gegen Union und sich so Luft im Tabellenkeller verschaffen. Der beginn im stimmungsvollen Borussia-Park war allerdings zunächst ruhig. Beide Teams kämpften um Ballkontrolle, die Borussen störten die aufbauenden Unioner früh.
Die erste gute Möglichkeit hatten dann die Borussen. Castrop bekam die Kugel rechts im Sechzehner hoch zugespielt, umkurvte mit der Annahme Rønnow und versuchte es dann aus spitzem Winkel aufs leere Tor., doch Unions Keeper hatte aufgepasst. Die anschließende Ecke brachte nichts ein (8.). Zwei Minuten später dann auch erstmal die Hauptstädter. Schäfer probierte es mit einem Aufsetzer aus der Distanz, allerdings kein Problem für Nicolas (10.).
Fohlen spielbestimmend und mit mehr Abschlüssen
Kurze Zeit später wieder die Fohlen. Nach einem langen Ball in die Spitze wurde Mohya links bedient und suchte sofort den Abschluss. In leichter Rücklage haute er die Kugel mit der Innenseite aber weit über das Tor (13.). Nach einer Viertelstunde konnte man festhalten: Die Fohlen waren spielbestimmend und suchten die passende Lücke, um durchzustoßen. Im Anschluss man die vierte Ecke stieg Tabaković im Fünfer am höchsten und köpfte auf das Gehäuse. Rønnow hatte aufgepasst und lenkte das Ding mit einer Hand noch geradeso über den Querbalken (16.).
6:1 Torschüsse und 4:0 Ecken – so lautetet die Statistik nach 25 Minuten für die Borussen. Doch noch immer zeige die Anzeigetafel einen Zwischenstand von 0:0. Was auf Seiten der Berliner auch daran lag, dass die Borussen kaum etwas zuließen und Union kaum Ideen hatte, die Polanski-Truppe in Bedrängnis zu bringen.
Minuten vor der Pause ohne Höhepunkte
Auch im weiteren Verlauf der ersten Hälfte hatten die Fohlen das Spiel komplett im Griff und ließen Union kaum gewähren. Einzig was fehlte, war die Belohnung in Form eines Tores. Dann verflachte die Partie aber zunehmend. Der Schwung war weg, Torschüsse Fehlanzeige. Sieben Minuten vor der Pause mal ein Versuch von Tabaković, doch der Angreifer setzte seinen Kopfball nach Sander-Flanke links daneben (38.).
Kurz vor dem Pausenpfiff dann eine gute Möglichkeit zur Führung: Rønnow ließ einen Distanzschuss von Sander unten links abprallen. Diks setzte nach und köpfte den Rebound über den Querbalken.
So ging es torlos in die Kabinen. Die Borussen begannen ordentlich, hatten Union im Griff und 61 Prozent Ballbesitz, 9:2 Torschüsse bzw. 1,38 zu 0,04 xGoals und 4:1 Ecken. Ein ordentlicher Auftritt aber wie so oft fehltE die offensive Durchschlagskraft.
Anders als noch zu Spielbeginn kamen die Gäste mit Schwung aus der Kabine und zeigte sich gleich einmal vorne. Nsoki versuchte es mit einem Schuss, den konnten die Fohlen blocken (48.). Dann kam Jeon vor dem Tor zum Abschuss, traf die Kugel aber nicht richtig (49.). Auf der anderen Seite die Borussen, die sich zwar bemühten, gegen die gut stehenden Unioner kaum durchkamen.
VAR kassiert Gladbacher Führung
Auf den anderen Plätzen spielte die Konkurrenz auch nicht mit – Bremen führte, St. Pauli führte. Es wurde also immer dünner im Tabellenkeller für die Fohlen. In der 65. Minute bebte der Borussia-Park – leider nur kurzzeitig. Diks hatte die Kugel zwar in den Maschen versenkt, doch der Treffer fand aufgrund von Abseitsstellung keine Anerkennung. Der „Kölner Keller“ hatte die Szene nochmals überprüft und den Treffer aberkannt.
Die Borussen versuchten es weiter und suchten den Weg nach vorne, doch dabei fehlte es auch an Tempo und die zündelnden Ideen, um die Berliner in große Gefahr bringen zu können. Zu oft flog der Ball neben das Tor, oder Rönnow war zur Stelle.
Diks erlöst Gladbach in der Schlussphase
Als wäre das bisherige Spiel eine Vorschau auf das gewesen, was sich in der Schlussviertelstunde ereignete, legten die Borussen nochmal eine Schippe drauf. Eine Honorat-Flanke kam über Umwege zu Bolin, der jedoch unbedrängt am Tor vorbeischoss (80.). Auch sechs Minuten später hätte Gladbach beinahe die Führung erzielt, als ein Reitz-Schuss gefährlich von Doekhi abgefälscht auf Rönnows Kasten flog. Zu einem Nachschuss kam der eingewechselte Shuto Machino, doch es sollte nicht sein mit dem Treffer aus dem Spiel heraus.
Deshalb musste ein kleines Wunder her, das da lautete: Elfmeter für Borussia in der Nachspielzeit. Bolin wurde an der Strafraumkante von Nsoki gefoult, doch die Frage „innerhalb oder außerhalb?“ konnte nur der VAR klären, und Schiedsrichter Jöllenbeck zeigte schließlich auf den Punkt. Diks trat an für Gladbach und verwandelte sicher im linken unteren Eck (90.+4). Nun mussten die Borussen jedoch erneute vier Minuten überstehen, in denen Rønnow bei einem Standard mit nach vorne ging und den Ball beinahe auf das Tor von Nicolas gestochert hätte – Glück für die Fohlen, die durch den Abpfiff wenig später endlich erlöst wurden.
Damit gelang der Heimsieg, der nahezu alternativlos schien für Polanski und Co. im Kampf gegen den Abstieg. Umso wichtiger waren die drei Punkte, da alles andere als eine Niederlage im kommenden Auswärtsspiel beim FC Bayern am Freitagabend eine große Überraschung wäre.
Die Kurzstatistik zum Spiel:
Borussia Mönchengladbach: Nicolas – Sander, Elvedi, Diks – Scally, Reitz (90.+5 Stöger), Engelhardt, Castrop, Honorat (81. Machino), Mohya (72. Bolin) – Tabaković
Auswechselbank: Olschowsky (ETW), Chiarodia, Sarco, Neuhaus, Reyna, Ullrich
1. FC Union Berlin: Rønnow – Doekhi, Querfeld, Nsoki (90.+5 Bogdanov)- Trimmel (46. Haberer), Kemlein (71. Král), Khedira, Köhn – Jeong (71. Burcu) – Burke (81. Ansah)
Auswechselbank: Raab (ETW), Markgraf, Preu, Skarke
Tore: 1:0 (Diks, 90.+4, Foulelfmeter)
Gelbe Karten: Reitz, Scally, Engelhardt, Stöger / Trimmel, Khedira, Haberer, Ansah
Bes. Vorkommnis: Keine
Schiedsrichter: Dr. Matthias Jöllenbeck (Freibug)
Zuschauer: 52.488 (Borussia-Park)

