Rocco Reitz musste am Sonntagnachmittag vorzeitig runter. Foto: Dirk Päffgen
Borussia bot gegen Stuttgart eine lustlose Vorstellung. Das spiegelten nach der 0:3-Niederlage im Borussia-Park auch diverse Spieldaten wider. Es gibt derzeit viele Alarmsignale und auch in der Tabelle wird die Luft etwas dünner. Die Reaktionen auf die zweite Niederlage des Jahres.
Eugen Polanski, Trainer von Borussia Mönchengladbach, rief vor dem Spiel noch dazu auf, endlich wieder in die Spur zu finden. Konstanz heißt das Zauberwort, nach dem die Fohlen seit Jahren auf der Suche sind. Gegen Stuttgart wollten die Gladbacher einen Schritt machen, versagten aber kläglich. Kaum zu glauben, dass Borussia noch vor zwei Wochen die Augsburger mit 4:0 aus dem Stadion schoss.
Früher Wendepunkt im Spiel
Die Dinge nahmen schon sehr früh in der Partie ihren Lauf. In der 13. Minute hätte die Fohlenelf das Geschehen auf ihre Seite ziehen können – hätte. Stattdessen verschoss Haris Tabaković seinen zweiten Elfmeter, insgesamt vergab die Elf vom Niederrhein nun schon dreimal vom Punkt. »Ich finde, dass wir gut ins Spiel gekommen sind. Mit meinem Elfmeter hätte das Spiel auch in eine andere Richtung gehen können. Ich muss die Verantwortung dafür übernehmen, dass es nicht 1:0 für uns steht, weil ich den Strafstoß vergeben habe«, erklärte Tabaković.
Trotzdem fand die Leihgabe der TSG Hoffenheim, dass er und seine Kollegen »in der ersten Halbzeit noch da waren.« Der Blick auf die Anzeigetafel, es stand zur Halbzeit 1:0 für den VfB, verriet etwas anderes. Auch in den Statistiken hinkte Borussia gnadenlos hinterher und präsentierte sich nicht im Stile einer Heimmannschaft. »Nach dem Seitenwechsel haben wir es dem VfB zu einfach gemacht. Wir haben es nicht mehr geschafft, den richtigen Zugriff zu bekommen. Wir hatten zu viele Ballverluste und haben nicht mehr unseren Fußball gespielt. Die Stuttgarter sind dann auch aufgewacht und haben den Fußball gezeigt, den sie spielen können. Dadurch wurde es sehr schwierig für uns«, analysierte Tabaković.
Erschreckende Statistiken
Die Schwaben spielen besonders gerne gegen die Fohlenelf, verlor nämlich nur drei der letzten elf Spiele. Trotz ihrer zweiten Englischen Woche in Folge waren die Stuttgarter in allen Belangen überlegen. Heißt: Mehr Ballbesitz (56 Prozent), größere Laufleistung (drei Kilometer mehr) und vor allem eine deutlich bessere Zweikampfbilanz. Borussia gewann lediglich 38 Prozent der Zweikämpfe, das ist eine mehr als erschreckende und alarmierende Bilanz.
Rocco Reitz schien das jedoch nicht zu sehr beunruhigen, wobei er mit seiner Aussage vermutlich relativ alleine dasteht. »Ein Grundsatzproblem haben wir nicht. Ich würde jetzt keinem zumuten, dass er nicht alles geben möchte oder nicht 100 Prozent gegeben hat.« Stattdessen sah Borussias Kapitän andere Defizite. »Wir waren mit dem Ball zu unsauber, hatten zu wenig Entlastung und zu wenig Bewegung ohne Ball. Dadurch hatten wir zu wenige Anspielstationen. Die Räume vor der Kette waren zu groß, wir haben nicht gemeinsam und nicht über den gesamten Platz gepresst, sondern zu oft Mann gegen Mann.« Der 23-Jährige fordert nun »die Ruhe zu bewahren und die Niederlage klar aufzuarbeiten.«
Schweres Programm für angezählte Borussen
Polanski steht aktuell vor vielen Baustellen. Zum einen muss er schnellstens die Abwehr stabilisieren, jedoch ohne zulasten der Torgefahr. Ein schmaler Grat, der gegen Stuttgart abermals nicht gelang. »Die Körpersprache nach dem Rückstand hat mir nicht gefallen. In der zweiten Hälfte wurde es aufgrund der Qualität des Gegners für uns schwer. Da hätten wir den Glauben weiter hochhalten müssen, auch um ein Zeichen an die Zuschauer zu setzen. Die Spieler am Ball hätten mehr aktive Hilfe von ihren Mitspielern gebraucht, da waren wir oft zu passiv. Wir müssen die Dinge, die nicht gut waren, klar ansprechen und künftig besser umsetzen«, sagte der 39-Jährige.
Das kommende Programm wird eine echte Aufgabe für Borussia: Bremen, Leverkusen, Frankfurt und Freiburg. Zeit also, endlich ein Zeichen zu setzen und den vielen Worten Taten folgen zu lassen.
