»Fühlt sich schon wie zwei verlorene Punkte an«

In Bremen gaben die Borussen in letzter Sekunde den Sieg aus der Hand. Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Max Vincen

Nach spät kassiertem Ausgleich in Bremen

Borussia Mönchengladbach hat bei Werder Bremen einen möglichen Auswärtssieg aus der Hand gegeben. Beim 1:1- Remis im Weserstadion zeigte die Elf von Trainer Eugen Polanski defensiv ein ordentliches Gesicht, musste den Ausgleich jedoch in buchstäblich letzter Sekunde hinnehmen – ein Treffer, der sich für die Fohlen wie eine Niederlage anfühlte.

Nach der Heim-Niederlage gegen Stuttgart war die Marschroute diesmal klar: kompakter stehen, Räume eng halten, defensiv stabil sein. Und das setzten die Borussen über weite Strecken konsequent um. Die Abstände stimmten, die Zweikämpfe wurden angenommen, immer wieder warf sich ein Gladbacher in den Ball. »Defensiv war das von uns heute gut. Die Körpersprache, die wir in der Defensive an den Tag gelegt haben, die müssen wir beibehalten«, betonte Haris Tabaković nach Abpfiff.

Offensiv blieb es lange zäh. Beide Mannschaften taten sich schwer, klare Chancen herauszuspielen. »Es war sicherlich kein fußballerischer Leckerbissen von beiden Mannschaften, aber in der Situation, in der beide Teams stecken, konnte man das vielleicht nicht erwarten«, sagte Polanski.

Um den Ausgleich gebettelt

Gladbach hatte in der ersten Halbzeit zwar Ballbesitzphasen, offensiv war das aber sehr mau. »Vorne waren wir zu unsauber. Das Spiel im letzten Drittel ist immer am schwierigsten, da müssen wir cooler bleiben und unsere Möglichkeiten im Umschaltspiel sauberer ausspielen,« monierte Tabakovic. »Wir sind in der ersten Halbzeit ordentlich ins Spiel gekommen, hatten Ballbesitz und ein, zwei Schusschancen. Mit zunehmender Spieldauer im ersten Durchgang haben wir dann zu wenig den Ball gehabt.«

Nach dem Seitenwechsel dann der gewünschte Moment: Ein sauber ausgespielter Konter brachte die Fohlen mit 1:0 in Führung. »Das war top gespielt«, lobte Polanski den entscheidenden Nadelstich. Bremen musste kommen. Gladbach verteidigte weiter konzentriert und hatte sogar die große Chance, das Spiel frühzeitig zu entscheiden. Doch Shuto Machino ließ das 2:0 liegen – und sollte sich rächen.

»…dann fühlt sich das wie eine Niederlage an, extrem bitter«

In der Schlussminute schlug Werder noch einmal zu. Allerdings haben die Borussen auch förmlich drum gebettelt. Der späte Ausgleich traf die Borussia ins Mark. »Leider haben wir kurz vor dem Ausgleich die Chance zum 2:0 liegengelassen. Daher ist es umso bitterer, dass wir mit dem letzten Schuss das 1:1 erhalten«, haderte Polanski. Allerdings bewahrte Moritz Nicolas die Fohlen schon vorher vor einem Rückstand. »Wenn man in der letzten Minute das 1:1 bekommt, dann fühlt sich das wie eine Niederlage an, extrem bitter«, brachte Tabaković die Gefühlslage auf den Punkt. Auch Rocco Reitz haderte: »Vom Spielverlauf her fühlt es sich schon wie zwei verlorene Punkte an.«

Trotzdem überwog bei aller Enttäuschung auch die Erkenntnis, dass die Mannschaft einen Schritt nach vorne gemacht hat – zumindest gegen den Ball. »Unsere Zweikampfführung im Defensivverbund war sehr gut, das war ein Schritt nach vorne», befand Reitz. Der Trainer ordnete das Ergebnis nüchtern ein: »Insgesamt gesehen ist es eine verdiente Punkteteilung. Aber wenn man bis zur letzten Minute führt, will man natürlich auch die drei Punkte mitnehmen.»

Wenig Hoffnung auf Besserung

Unterm Strich steht ein Punkt, der sich schlecht anfühlt, aber Mut machen kann. Die defensive Basis stimmte zumindest an der Weser.. Jetzt liegt der Fokus klar auf der Offensive: mehr Präzision, mehr Zielstrebigkeit, mehr Coolness im letzten Drittel. Denn all das fehlte abermals.

So gaben die Borussen zwei Punkte aus der Hand, die extrem wichtig gewesen wären, gerade mit Blick auf die kommenden Aufgaben gegen Leverkusen und den beiden aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen gegen Frankfurt und Freiburg. Nach den Ergebnissen am Samstag sind es nur noch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Dass sich dieser vergrößern kann, da fehlt im Moment der Glaube – weil die Borussen insgesamt sehr harmlos und dermaßen verunsichert wirken. Kaum Ballsicherheit und keine Ideen im Spiel nach vorne. Und zu schwankend sind die Leistungen der Spieler. All das muss sich schnellstmöglich verbessern, damit die Gefahrenzone weiter hinter sich gelassen werden kann. Und alleine das zählt in den restlichen Spielen…