Yannik Engelhardt: »Genieße es gerade, meinen Traum leben zu dürfen«

Yannik Engelhardt fühlt sich wohl bei Borussia. Foto: Alexander Plum

Nach fünf Monaten am linken Niederrhein zieht Yannik Engelhardt, von Como 1907 ausgeliehen, ein erstes Fazit seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach. Im Gespräch mit unserer Redaktion spricht der Mittelfeldspieler über seine Eingewöhnung, die Unterschiede zwischen der Serie A und der Bundesliga, seine persönliche Entwicklung unter Trainern Cesc Fàbregas und Eugen Polanski sowie die aktuellen Herausforderungen und Ziele mit der Fohlenelf.

Fohlen-Hautnah: Yannik, du bist nun seit fünf Monaten bei Borussia Mönchengladbach. Wie fällt dein bisheriges Fazit deiner Zeit am Niederrhein aus? Ist alles so gekommen, wie du es dir erhofft hast?

Yannik Engelhardt: Ich bin sehr gut angekommen und fühle mich im Verein sehr wohl. Meine Frau und ich haben uns auch wieder gut in Düsseldorf eingelebt, was uns leichtfiel, da ich die Stadt schon kannte. 

Fohlen-Hautnah: Warum hast du dich im letzten Sommer generell für einen Wechsel und Borussia entschieden?

Yannik Engelhardt: Ich wollte eine Leihe in die Bundesliga machen, da regelmäßige Einsatzzeiten in Como vielleicht schwierig geworden wären. Als dann das Interesse von Borussia kam, war für mich klar, dass ich das mit der Wucht dieses Vereins gerne machen möchte.

Fohlen-Hautnah: Du hast bisher in allen Spielen auf dem Platz gestanden. Wie bist du persönlich mit deiner Leistung zufrieden und/oder was kannst du noch verbessern?

Yannik Engelhardt: Es gibt viel, was ich noch verbessern möchte und kann. Man kann und sollte immer an sich arbeiten, egal wie alt man ist. Mit meiner Spielzeit bin ich zufrieden, ich glaube, dass ich dem Team helfen konnte. Das möchte ich auch im weiteren Verlauf der Saison tun.

Fohlen-Hautnah: Zuvor hast du in Como Serie A gespielt. In wie weit musstest du dich auf die Bundesliga umstellen bzw. was unterscheidet die Serie A von der Bundesliga

Yannik Engelhardt: Beides sind sehr gute Ligen. Der größte Unterschied sind definitiv die Stadien und die Fans – die Wucht in Deutschland ist noch einmal eine andere. Da ich Deutschland aber in- und auswendig kenne, fiel mir die Anpassung leicht. Die Bundesliga war einfach der nächste logische Schritt für mich.

Fohlen-Hautnah: Du hast bei Como unter Cesc Fàbregas gearbeitet. Wie ist es, unter so einem ehemaligen Weltstar zu trainieren/zu spielen, was ist der für ein Typ und wo hat er dich weiterentwickelt?

Yannik Engelhardt: Er hat mich sehr weiterentwickelt und war ein Hauptgrund für meinen Wechsel nach Como, weil er eben diese Vita auf einer ähnlichen Position hat. Er ist extrem detailverliebt und lebt eine absolute Siegermentalität vor. Außerhalb des Platzes ist er sehr entspannt, aber auf dem Feld zählt für ihn nur der Fußball und der Sieg. Diese Mentalität habe ich mir abgeschaut und viel von ihm gelernt. Auch deswegen war es ein sehr lehrreiches Jahr.

Fohlen-Hautnah: Und wie sieht das auf der anderen Seite bei Eugen Polanski aus?

Yannik Engelhardt: Ich glaube, Eugen hat eine engere, menschlichere Beziehung zu den Spielern. Cesc Fàbregas sucht da vielleicht etwas mehr Abstand und pflegt ein klassischeres Trainer-Spieler-Verhältnis. Beide haben auf hohem Niveau gespielt, aber die menschliche Nähe ist eine der größten Stärken von Eugen.

Fohlen-Hautnah: Generell dürften von dir aber gleich zwei Träume in Erfüllung gegangen sein, weil in gleich zwei europäischen Top-Ligen zum Einsatz gekommen bist…

Yannik Engelhardt: Ich war nie jemand, der unbedingt ins Ausland wollte. Trotzdem bereue ich die Zeit in Italien überhaupt nicht, weil sie mir viel gegeben hat. Aber mein primäres Ziel war immer in der Bundesliga zu spielen und deshalb genieße es gerade, meinen Traum leben zu dürfen.

Fohlen-Hautnah: Wie du bereits erwähnt hast, hast du in Düsseldorf deine Zelte aufgeschlagen. Was ist anders im Alltag im Vergleich zur dann doch eher beschaulichen Stadt Como?

Yannik Engelhardt: Como ist wirklich eine wunderschöne Stadt. Es lohnt sich auf jeden Fall, da ein paar Tage zu verbringen. Gerade mit der Nähe zu Mailand ist es ein sehr gutes Reiseziel. Es ist ein bisschen wärmer, dazu die italienische Art zu leben. Aber meine Frau und ich mögen auch sehr gerne Düsseldorf und deshalb war die Entscheidung auch schnell klar für uns, dass wir uns dort niederlassen. 

Fohlen-Hautnah: Como ist nach 23 Spieltagen in der Serie A auf Europapokalkurs. Überrascht dich das und wäre eine Qualifikation für das internationale Geschäft ein Argument, wieder nach Italien zurückzukehren oder kannst du dir auch vorstellen, weiter in Gladbach zu spielen?

Yannik Engelhardt: Ich bin davon überhaupt nicht überrascht, denn der Verein hat im Sommer klar das Ziel Europa ausgegeben und entsprechend investiert. Ich habe im Training schon gesehen, was für eine Qualität in der Mannschaft steckt. Es ist schön zu sehen, wie sie teilweise auch Top-Teams dominieren. Eine Qualifikation fürs internationale Geschäft wäre aber nicht automatisch ein Argument für eine Rückkehr. Wir werden die Situation im Sommer neu bewerten, sowohl mit Como als auch mit Gladbach. Ich fühle mich wohl hier. Aber was im Sommer passiert, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Fohlen-Hautnah: Was ist denn Borussia mittlerweile für dich?

Yannik Engelhardt: Borussia ist mein Verein. Auch wenn ich nur ausgeliehen bin, will ich zu 100 Prozent da sein. Es ist wirklich ein toller Verein mit viel Tradition. Ich genieße es, in der Bundesliga und bei Borussia zu spielen und die Nähe zur Familie und Freunden zu haben.

Fohlen-Hautnah: Am Wochenende gab es ein 1:1-Remis gegen Bremen. Wie ordnest du dieses Remis ein?

Yannik Engelhardt: Das Gegentor so kurz vor Schluss zu bekommen, war schon bitter. Ich glaube, dass wir defensiv ein solides Auswärtsspiel gemacht haben. Aber wir wissen, dass wir uns mit dem Ball noch steigern müssen. 

Fohlen-Hautnah: Im November gab es eine gute Phase mit 4 Siegen und einem Unentschieden. Seit dem gab es nur den Sieg gegen Augsburg, ansonsten vier Niederlagen und zwei Unentschieden. Was ist nach der guten Serie passiert und worin siehst du die Gründe für diese Leistungsschwankungen?

Yannik Engelhardt: Das ist Bundesligaalltag. Wir müssen an unserem Weg festhalten, die Dinge akribisch analysieren und an den kleinen Stellschrauben drehen. Ein wichtiger Punkt ist sicher, dass wir in unserem Spiel mit dem Ball einfach besser werden müssen.

Fohlen-Hautnah: Die kommenden Aufgaben haben es jetzt in sich. Nach dem Heimspiel gegen Leverkusen geht zweimal auswärts ran – in Frankfurt und in Freiburg. Drei dicke Brocken, die ihr da vor der Brust habt…

Yannik Engelhardt: Wir müssen jedes Spiel für sich betrachten. Natürlich sind es keine leichten Spiele, aber die gibt es in der Bundesliga sowieso nicht. Grundsätzlich ist für jede Mannschaft in jedem Spiel was drin.

Fohlen-Hautnah: Stimmst du zu, dass gerade offensiv eine gehörige Schippe draufgelegt werden muss, um wieder erfolgreich sein zu können?

Yannik Engelhardt: Wir müssen es mit dem Ball einfach besser machen. Gegen Bremen zum Beispiel war es defensiv gut. Im Ballbesitz dagegen nicht. Das ist dann aber nicht Position A oder B, sondern es ist das Gesamtkonstrukt. Und daran arbeiten wir. 

Fohlen-Hautnah: Mal etwas Kulinarisches: Pizza/Pasta oder Rheinischer Sauerbraten? 

Yannik Engelhardt: Den Rheinischen Sauerbraten habe ich noch nie probiert, deshalb eher Pizza und Pasta (lacht). Aber ich werde ihn mal probieren. 

Fohlen-Hautnah: Italienischer Wein oder Altbier? 

Yannik Engelhardt: Ich bin eher ein Weingenießer. 

Fohlen-Hautnah: Und deine Musikrichtung: Eros Ramazzotti, Tote Hosen oder doch was anderes?

Yannik Engelhardt: Durch meine Zeit bei Fortuna Düsseldorf sind mir die Toten Hosen näher. Grundsätzlich höre ich aber einen bunten Mix, bin aber kein großer Musikexperte und höre selten die ganz modernen Songs.

Fohlen-Hautnah: Du bist auch auf Instagram aktiv, Ist es dir wichtig, die Fans an deinem Leben teilhaben zu lassen?

Yannik Engelhardt: Mir ist es nicht ganz so wichtig. Da gibt es Fußballer, die deutlich aktiver sind in dem Bereich als ich. Aber es gehört heutzutage ein bisschen dazu. Ich gebe jetzt nicht gerne so viel preis von mir, aber ab und zu versuche ich schon, da aktiv zu sein. 

Fohlen-Hautnah: Was ist Yannik Engelhard außerhalb des Platzes für ein Typ und was macht er gerne?

Yannik Engelhardt: Ich verbringe viel Zeit mit meiner Frau, wir kochen gerne zusammen oder gehen essen. Wir hatten in letzter Zeit auch einige Spieleabende mit Mannschaftskollegen. Außerdem spiele ich gerne Billard – wir haben sogar einen Tisch zu Hause. Ich glaube und hoffe, ein ganz geselliger Typ zu sein. Das würde ich jedenfalls gerne hören, wenn jemand anderes über mich redet (lacht).

Fohlen-Hautnah: Du bist noch recht jung. Was hast du dir für deine Karriere noch vorgenommen bzw. was für Ziele hast du?

Yannik Engelhardt: Die genauen Ziele behalte ich für mich, aber ich will mich in der Bundesliga komplett etablieren. Natürlich strebt man immer nach dem Höchsten. Am liebsten gemeinsam mit dem Verein. Das Wichtigste ist aber, gesund zu bleiben.

Fohlen-Hautnah: Was würdest du gerne am Ende der Saison über dich und Borussia lesen?

Yannik Engelhardt: Dass wir uns als Mannschaft absolut stabilisiert haben und wir am Ende gemeinsam mit den Fans auf eine coole Zeit und schöne Momente zurückblicken können.