Fohlen sprachen schon vor dem Spiel von einem »dreckigen Sieg« 

Borussias 1:0 gegen Union war die Definition eines Arbeitssieges. Foto: Dirk Päffgen

Die Freude und vor allem die Erleichterung bei Borussia nach dem Sieg gegen Union war riesengroß. Beim knappen 1:0-Erfolg landeten die Fohlen, angesichts der Konkurrenz-Ergebnisse, regelrechte ‚Big-Points‘. Dennoch war längst nicht alles rosig, denn die Chancenverwertung war stark ausbaufähig. Wie die Verantwortlichen den Sieg einordneten, verraten wir in unserem Nachbericht. 

Für Schwache Nerven war die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und Union Berlin am Samstagnachmittag definitiv nicht geeignet. Der Borussia-Park entwickelte sich zum Schauplatz eines Krimis, der alles bot, was inzwischen zu einem modernen Fußballspiel gehört: Spannung, Chancenwucher und zwei VAR-Einsätze. Doch am Ende belohnte sich die Fohlenelf für harte Arbeit und verließ nach sieben sieglosen Spielen endlich mal wieder als Sieger den Platz. 

Spiel an Dramatik kaum zu überbieten 

Als sich Kevin Diks kurz vor Schluss den Ball zurechtlegte und zum Elfmeter antrat, erreichte der Krimi seinen Höhepunkt. »Der Druck war schon sehr groß, aber ich bin gut damit zurecht gekommen«, verriet der Torschütze in einem kurzen Social-Media-Clip Borussias. Es war das zweite Tor des Indonesiers, doch nur der Strafstoß zählte. »Ich habe seit zwei Jahren kein Tor mehr aus dem Spiel heraus geschossen, also war ich im ersten Moment nach dem Treffer überglücklich. Aber dann kam der VAR, und es war Abseits. Aber ich habe gelernt, dass du solche Rückschläge schnell wegstecken und dich wieder pushen musst. Deswegen war ich auch wieder voll da, als ich den Elfmeter geschossen habe«, verriet Diks. Kurzzeitig schnappte sich vor dem entscheidenden Tor sogar Rocco Reitz die Kugel, doch Borussias Kapitän wollte laut eigener Aussage nur etwas Verwirrung stiften. 

Laut Diks war der Sieg »ganz wichtig. Die letzten vier Wochen waren schwierig, der Druck nach den ausbleibenden Ergebnissen groß. Es war klar, dass es ein richtig hartes Stück Arbeit wird gegen Union Berlin – und das war es auch. Aber wir haben heute alles auf dem Platz gelassen und am Ende den Lohn dafür geerntet.« Die Aussage kräftigt auch ein Blick in die Statistiken: Die Fohlen liefen mehr als der Gegner (114 km), hatten satte 23 Flanken mehr und mit 60 Prozent auch deutlich mehr Ballbesitz. Was man den Borussen jedoch erneut ankreiden musste, war die mangelhafte Chancenverwertung. Mit einem xGoal-Wert von drei und 21 Torschüssen hätte deutlich mehr als nur ein Tor herausspringen können. 

Borussia erntet den Lohn harter Arbeit

Trotz allem überragte die Freude und das darf sie nach der langen Negativ-Serie auch mal für einen kurzen Moment. »Dieser Sieg tut extrem gut. Vor allem vor eigenem Publikum. So wie das Spiel insgesamt gelaufen ist, haben wir es uns am Ende auch verdient, durch so einen Lucky Punch zu gewinnen. Es war extrem dramatisch. Heute musste alles stimmen: Der Einsatz, die Aufteilung in den Räumen, das Spiel mit dem und gegen den Ball. Am Ende sind wir mit dem Sieg belohnt worden«, schilderte Reitz. 

Philipp Sander, der eine starke Partie zeigte, hatte »nichts anderes als ein hartes Stück erwartet. Wir haben uns vor dem Spiel gesagt: Das gibt heute einen dreckigen Sieg! Trotzdem sind die drei Punkte in meinen Augen hochverdient. Wir waren die Mannschaft, die während des Spiels mehr versucht hat. Wir haben heute einfach nicht aufgesteckt, auch nach vergebenen Chancen oder dem zurückgenommenen Tor nicht.« 

Premiere für Mohya 

Grund zur Freude hatte auch Wael Mohya. Der erst 17-Jährige kam gegen Union zu seiner Startelf-Premiere für Borussia. Dabei machte er seine Sache mehr als ordentlich und war ein belebender Faktor im Spiel der Fohlen. Dass ihm dabei längst nicht jede Aktion gelang, ist völlig normal. Trotz allem zeigte der noch junge Kicker, welch großes Potenzial in ihm steckt. »Zum ersten Mal als Teil der Startelf aufzulaufen, war einfach ein tolles Gefühl. Die Jungs haben mich heute super unterstützt«, sagte der Youngster. Mit der Aufstellung hatte Eugen Polanski also alles richtig gemacht. 

Ohnehin stand der 39-Jährige in seiner noch jungen Trainerkarriere aufgrund der Tabellensituation gehörig unter Druck, hielt diesem aber mit seiner Mannschaft stand. »Wir mussten heute sehr lange ein hartes Brett bohren, und das hieß Union Berlin. Am Ende haben wir es zum Glück durchgebohrt bekommen. Das war ein Spiel das in so einer Phase, in der wir uns befinden, schnell in eine Richtung gehen kann, dass es ein reines Kampfspiel wird. Und dann hätten wir gegen Union vielleicht den Kürzeren gezogen. Dementsprechend bin ich froh, dass die Mannschaft auch den spielerischen Ansatz gezeigt hat, ohne das Kämpferische zu vernachlässigen«, zeigte sich Polanski erleichtert. 

Die große Bedeutung eines Tores 

Wie wichtig dieser Sieg einzuordnen ist, zeigte sich bei den Ergebnissen der anderen Teams. Mainz, Bremen und auch St. Pauli punktete alle im Abstiegskampf, von daher war die Fohlenelf fast schon zum siegen verdammt. »Wenn man sieht wie die Konkurrenz in der Tabelle gespielt hat, war es um so wichtiger heute zu punkten. Aber jetzt schauen wir wieder nur auf uns und versuchen weiter, so viele Punkte wie möglich zu sammeln«, blickte Reitz auf die nächsten Aufgaben. 

Um im Sprachjargon von Polanski zu bleiben, wartet am Freitagabend das nächste harte Brett auf Borussia. Die Fohlen reisen zu keinem geringeren als den deutschen Rekordmeister Bayern München. Doch mit dem Erfolg im Rücken und eigentlich keinen hohen Erwartungen, kann Borussia im nächsten Spiel nur gewinnen.