Gladbach nach Mainz unter Druck: »Müssen die Tabelle im Auge behalten«

Geknickte Borussen nach dem Remis gegen Mainz. Foto: Dirk Päffgen

Der Last-Minute-Ausgleich gegen Mainz 05 hat die Gemüter bei Borussia Mönchengladbach merklich schockiert. Während Moritz Nicolas mit der Ratlosigkeit ringt, zeigte sich Rocco Reitz enttäuscht von den Pfiffen. Rouven Schröder will das Spiel schnellstmöglich abhaken. 

Es war die Szene, die zum Elfmeter führte, die im Nachgang an das Unentschieden zwischen Borussia Mönchengladbach und Mainz 05 im Mittelpunkt der journalistischen Fragen stand. Yannik Engelhardt verfolgte den aus dem Strafraum laufenden Phillipp Mwene – und leitete damit den Last-Minute-Ausgleich der Gäste ein. Team-Kollege Philipp Sander schätzte die Aktion nach dem Spiel ein. »Ich glaube, in der Situation darf er nicht so draufstürzen. Am Ende hätte das jedem anderen aber genauso passieren können. In der Situation war es aber schon unnötig«, befand er. 

»Weiß, dass er einen Fehler gemacht hat«

Vielmehr bemängelte Sander, dass die Borussen zuvor einige Chancen vertan haben. »Wir sind im Abschluss zu langsam gewesen im Kollektiv, um dann wirklich Druck auszuüben«, sagte er – und überraschte mit seinem Gesamtfazit zum Spiel. »Grundsätzlich kann ich der Mannschaft hier keinen Vorwurf machen. Es haben genau 30 Sekunden gefehlt, um am Ende einen Dreier mitzunehmen. Aber die paar Konterchancen die wir hatten, müssen wir besser ausspielen.«

Auch Rocco Reitz stimmte Sander zu, dass es Engelhardt zu ungestüm in die Aktion gegangen sei. »Yannik weiß, dass er da einen Fehler gemacht hat. Aber das müssen wir abhaken, den Punkt nehmen wir mit«, blickte er auf das Spiel. Dennoch habe er »keine Lust zu rechnen. Du musst gegen Wolfsburg drei Punkte holen und dann sieht die Welt anders aus, dann stehen wir hier mit einem anderen Gesicht.« Generell sei es keine leichte Situation für die Borussen. »Du liest und hörst alles mit. Es ist klar, dass wir keinen Zauberfußball spielen. Aber klar ist, dass du solche Spiele wie heute dann gewinnen musst.«

Reitz von Pfiffen der Fans enttäuscht

Auf die Pfiffe der Fans reagierte Reitz mit Enttäuschung. »Die haben mich schon getroffen. Ich weiß jetzt nicht, ob ich das verdient habe, ich spiele meine ganzes Leben hier. Aber jeder darf natürlich seine Meinung äußern, ich akzeptiere das natürlich. Aber es ist nicht schön«, stellte er klar. Dennoch konzentriere er sich auf das Sportliche. »Nächste Woche wird es umso wichtiger«, weiß Reitz. Und auch Sander blickte voraus: »Wir wissen, was wir zu tun haben, wir wissen, dass wir Punkte brauchen. Von daher gilt auch jetzt schon wieder der Fokus voll auf Wolfsburg.«

Weniger vorausschauend, sondern mehr mit Sorge auf den Tabellenstand zeigte sich Torhüter Moritz Nicolas. »Wir schaffen es nicht, Ballbesitz zu haben, das Spiel auch mal in die Hälfte des Gegners zu verlagern. Es sind jetzt wieder fünf Punkte vor St. Pauli, wir müssen die Tabelle die ganze Zeit im Auge haben. Am Ende des Tages müssen wir aber auf uns schauen, dass wir die Spiele gewinnen«, bemühte er sich um Optimismus. 

Bei Gladbach »geht es nicht mehr um schön spielen«

Den hatte Sportchef Rouven Schröder dafür – obwohl auch er mit dem Spiel haderte. »Es gab eine große Enttäuschung in der Kabine. Wir haben fünf Punkte mehr und das bessere Torverhältnis, und trotzdem hätten wir uns heute absetzen können. Aber ab morgen früh geht der Kopf auch wieder hoch«, versuchte er, die Situation einzuordnen. Die Art und Weise, wie Borussia die Klasse hält, ist für Schröder jedoch zweitrangig. »Es wird zäh bis zum Saisonende. Aber im Endeffekt geht es um Punkte und darum, über den Strich zu kommen. Da geht es gar nicht mehr um schön spielen sondern Borussia in der Liga zu halten.«

Wie es danach weitergeht, konnte der Sportchef nicht sagen. »Die Gedanken zur Nachsaison werden wir uns dann machen. Es ist ja auch klar, dass wir erfolgreichen Fußball spielen wollen«, blickte er auf die langfristige Zukunft. Kurzfristig sei der Zusammenhalt am wichtigsten – inklusive Trainer Eugen Polanski, auch das stellte Schröder fest. Zumindest bis zum Saisonende.