»Haben die Schnauze ziemlich voll« – Gladbachs Mitgliederversammlung 2026

Am Montag fand Borussias Mitgliederversammlung 2026 im Borussia-Park statt. Foto. Dirk Päffgen

Auf der Mitgliederversammlung von Borussia Mönchengladbach gab es in diesem Jahr einige unangenehme Themen zu besprechen. Warum Gladbachs Minus 2025 größer als 2024 ausfällt und wie Aufsichtsratsvorsitzender Hollmann die sportliche Leistung kritisiert. 

Die Mitgliederversammlung von Borussia Mönchengladbach war in diesem Jahr begleitet von einigen Nebengeräuschen: Bereits vor Beginn der Mitgliederversammlung verteilte der FPMG Supporters Club in Kooperation mit Sottocultura ein Flugblatt – mit der Forderung, das Präsidium um Rainer Bonhof von seinen Aufgaben zu entheben und komplett neu aufzustellen. Es sei nicht im Sinne der Fans, »verdiente Vereinslegenden wie Ex-Weltmeister Bonhof zu demontieren«, doch die Sorge sei da, dass der Verein in der neuen Saison in die zweite Liga absteigt. 

Stegemann muss vier Millionen Euro Minus präsentieren 

Bonhof selbst durfte ein paar eröffnende Worte an die Anwesenden richten. Er habe »gedacht, wir sind stabiler. Das ist leider nicht eingetreten«, kommentierte er das »Scheißjahr.« Für die Fans brach der Präsident eine Lanze und betonte, dass der Verein alles für sie tun müsse, damit er nicht absteigt. Umso stolzer sei Bonhof gewesen, dass er beim Jubiläum Präsident war: »Unsere Legenden haben das genossen, auf dem goldenen Teppich an euch Fans vorbeizugehen und noch mal zu erleben, was Borussia eigentlich bedeutet.«

Nach Bonhof präsentierte CEO Stefan Stegemann den Geschäftsbericht für das Jahr 2025. Bezüglich der Borussia VFL 1900 Mönchengladbach GmbH musste Stegemann ein noch größeres Minus als 2024 präsentieren: Damals waren es 2,4 Millionen Euro, im vergangenen Jahr ist das Minus auf vier Millionen Euro angewachsen, was auch auf geringere Einnahmen aus der TV-Geld-Sparte zurückzuführen ist. Hat Borussia in 2024 rund 65 Millionen Euro durch TV-Geld eingenommen, waren es 2025 nur noch knapp 59,4 Millionen Euro. Vor allem aber seien ausbleibender sportlicher Erfolg und verpasste Transfererlöse bei ablösefreien Abgängen verantwortlich für die Zahlen. 

Schröder: »Da war eine absolute Leere und Enttäuschung«

Immerhin: Die Lizenz für die neue Saison hat Borussia ohne Auflagen erhalten. Und mit einem positiveren Grundtenor trat schließlich Head of Sports Rouven Schröder an die Fans heran. »Der Verein, das seid ihr«, hagelte es Applaus. Dann blickte Schröder auf seinen Beginn am linken Niederrhein zurück: »Da war eine absolute Leere in der Kabine und Enttäuschung«, sagte er, um danach jedoch zu würdigen, dass der Verein nun in einer sportlich akzeptableren Position sei. »Wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, bei aller Bewertung der Entwicklung: Sechs Punkte und das bessere Torverhältnis, das hätte zu dem Zeitpunkt jeder unterschrieben«, befand er 

Im Sommer erwartet Schröder ein Geduldspiel, was Transfers betrifft, und gibt als Marschroute heraus, die Kaderkosten zu senken, und gleichzeitig an Qualität dazuzugewinnen. Talentförderung sei da ein wichtiger Baustein. »Den Mutigen gehört die Welt«, blickte er auf die kommenden Jahre, und machte gleichzeitig klar, dass dieser Mut zur Veränderung beitragen solle. Für ihn gibt es Applaus von den Anwesenden, ehe Michael Hollmann, Aufsichtsratsvorsitzender, das Wort ergreift – und mit deutlichen Worten beginnt.

Gladbachs Aufsichtsrat hat »die Schnauze voll«

Auch er und seine Kollegen hätten »die Schnauze ziemlich voll. Vom Tabellenplatz, aber auch von der Art und Weise, wie wir uns da hinein manövriert haben.« Für Rouven Schröder war er voll des Lobes, da dieser sich »Gedanken gemacht« habe. Doch auf das sportliche bezogen hagelte es seitens Hollmann nur Kritik: »Es muss einen klaren Schnitt geben und es muss eine andere Gangart herrschen. Wir müssen wieder ein Team haben«, lautete seine Forderung. Rückendeckung für Trainer Eugen Polanski hört sich anders an. 

Um den Wandel einzuleiten, werde der Aufsichtsrat in Zukunft »lauter werden«. Es sei jedoch nun an der Zeit, nicht weiter zu meckern, sondern zu machen – »Ich bin sicher, wir werden uns verbessern und wieder nach vorne kommen«, sagte Hollmann zum Schluss. Polanski selbst begründete die Leistung auch mit einer fehlenden Gier in der Mannschaft. »Wir haben sehr liebe Spieler in der Mannschaft. Wir brauchen ein paar Arschlöcher, um in der Bundesliga Spiele zu gewinnen«, sagte er.