Schröder wie einst Eberl: Die Ideen hinter den Gladbach-Tranfers

Rouven Schröder hat viele Ideen und viele telefoniert – und schnell gehandelt. Foto: Dirk Päffgen

Wöchentlich kann Borussia Mönchengladbach neue Transfers verkünden, der Kaderumbau ist im vollen Gange. Welche Ideen hinter den Transfers steckten und welche Möglichkeiten sich in Zukunft ergeben. 

Permanent klingelte das Telefon von Rouven Schröder, Borussias „Head of Sports“, in den vergangenen Wochen. So darf man zumindest annehmen. Denn: Vier Transfers hat Schröder bereits verkündet, seitdem die Saison 2025/26 zu Ende ist, und Nummer fünf und sechs werden wohl zeitnah bekanntgegeben. Das erinnert an die Zeit, als Max Eberl noch in Diensten des Klubs vom linken Niederrhein stand.

Batz gibt Gladbach Gelassenheit 

Schließlich ähneln die Transfers einander in ihren Kernmerkmalen. Kein Spieler kostet mehr als vier Millionen Euro, es ist kein ausschließliches Talent dabei, aber auch keiner, dessen Karriere auf die Zielgerade läuft. Mit Ausnahme des 35-jährigen Ersatztorhüters Daniel Batz, doch sind die Anforderungen an seine Position sicherlich andere als an die der Feldspieler, und auch Batz wird Borussia noch mindestens zwei Jahre mit seiner Erfahrung weiterhelfen. 

So könnte er im Falle eines erst späten Wechsels von Stammtorhüter Moritz Nicolas noch wichtiger werden. Dass Batz auch selbst die Nummer eins sein kann, hat er in der vergangenen Saison bei Mainz 05 bewiesen, wo Robin Zentner verletzungsbedingt lange fehlte. Zum einen nähme Batz seinem Sportchef den Druck, eine neue Nummer eins um jeden Preis verpflichten zu müssen und zum anderen könnte er einen noch entwicklungsfähigen Torhüter mitaufbauen, der für vergleichsweise geringes Geld verpflichtet werden könnte. Ein Deal mit vielen Vorteilen.

Ist Uno der neue Reitz?

Das gilt auch für Enzo Leopold, der sogar ablösefrei von Hannover 96 kam. Mit 25 Jahren ist Leopold im besten Fußballeralter und er schließt nicht nur die Lücke, die Ex-Kapitän Rocco Reitz oder Yannick Engelhardt im Gladbacher Mittelfeld hinterlassen. Denn durch den Leopold-Transfer kann sich Borussia weiterhin der Flexibilität von Jens Castrop bedienen, der auch auf den Außenpositionen sowie in der Offensive funktioniert hat. Denkbar ist jedoch auch, dass Leopold und Castrop gemeinsam die Doppelsechs bilden, sodass Philipp Sander weiterhin in der Innenverteidigung zum Einsatz kommen kann. 

Dafür spricht auch, dass in Zento Uno bereits der nächste Sechser zu den Borussen stoßen wird. Uno könnte noch eher als Reitz-Vertreter gelten. Denn sein Profil kommt dem des Ex-Kapitäns am nächsten: Beide sind 1,76 Meter groß und kombinieren Physis mit Stärken im Spiel nach vorne. So wird Gladbachs Doppelsechs in der neuen Saison vermutlich Uno und Leopold heißen – zumindest dann, wenn ihm die Umstellung von der japanischen Liga zur deutschen Bundesliga gelingt.

Außenverteidigung keine Baustelle mehr

In abgeschwächter Form betrifft das auch Yukhym Konoplya, der als Rechtsverteidiger von Shakhtar Donezk kommt. Wie Leopold ist auch Konoplya ablösefrei, hat bereits Einsätze in der Champions-League gesammelt und schließt die Vakanz, die mit einem Abgang von Joe Scally einhergehen würde. Der US-Amerikaner betonte zwar, gerne in Gladbach zu sein, doch steht er einem Wechsel offen gegenüber – die WM in seinem Heimatland könnte sich für Scally als Bühne erweisen. 

Die möglichen Transfereinnahmen könnte Schröder durch den Konoplya-Transfer dann in andere Mannschaftsteile stecken, wobei durch David Herold auch die linke Defensivseite bereits verstärkt wurde. Mit seinen gerade einmal 22 Jahren kommt auch Herold mit Entwicklungspotential, aus dem sich in Zukunft möglicherweise Erlöspotential ergibt. Auch hier war Schröder schneller als die Konkurrenz und hat die Baustelle „Außenverteidigung“ bei den Borussen erstmal geschlossen. 

Schröder auf Eberls Spuren

Sogar die Frage nach einem Ersatz für Haris Tabakovic ist geklärt, schließlich wird Isac Lidberg vom SV Darmstadt zu Gladbach wechseln. 32 Tore erzielte der Schwede in 64 Pflichtspielen für die Lilien, bringt mit 1,87 Meter Körpergröße beste Voraussetzungen für das Sturmzentrum mit. Auch Lidberg ist mit einer Ablöse von vier Millionen Euro inklusive Boni ein Schnäppchen. Mit 27 Jahren bringt er eine Mischung aus Erfahrung und Frische mit, die Gladbach dringend benötigt. 

Zugleich dürften die Transfers auch neben dem Platz für Hoffnung sorgen. Eine Transferphase wie diese haben die Fans zuletzt in Eberls Wirkungszeit erlebt – Schröder hat schon jetzt Wort gehalten, dass er einen Umbruch gestalten wird. Auch bei den Abgängen hat er in Winsley Boteli, Jonas Omlin und dem bevorstehenden von Shio Fukuda schon für Kaderluft gesorgt. Weitere dürften folgen. Dabei hat der Transfersommer noch nicht einmal begonnen…