Gelingen Alexander Blessin und seiner Mannschaft in Stuttgart der erste Sieg?! Foto: Dirk Päffgen
Sechs Spiele, sechs Niederlagen: Borussia Mönchengladbach steht vor dem Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart am Freitagabend (20:30 Uhr) gehörig unter Druck. Die Fohlen brauchen dringend Punkte, müssen in Stuttgart allerdings auf zahlreiche Spieler verzichten. Alexander Blessin weiß um die schwierige Ausgangslage, will seine Mannschaft deshalb aber keineswegs verstecken. Die personelle Lage ist nach wie vor angespannt, wie der 53-Jährige auf der Pressekonferenz erklärte.
Seit sechs Spielen ist Borussia Mönchengladbach punktlos. Mit sieben Spiele ohne etwas Zählbarem wäre der Vereinsnegativrekord in der Bundesliga eingestellt. Sieben Niederlagen in Serie gab es einmal im Jahr 1989 unter Coach Wolf Werner. Dieser musste nach der siebten Niederlage gehen, und es übernahm Gerd vom Bruch.
Natürlich wollen die Borussen in 2026 eine solche Negativserie vermeiden. Denn je länger man keine Punkte und keinen Sieg holt, desto schwieriger wird es, aus dem Keller zu kommen und die Brust wieder breiter werden zu lassen. Der VfB hat mit zwei Siegen und vier Niederlagen zwar auch keinen Raketenstart hingelegt, hat mit dem 1:1-Remis in der Champions League gegen Atletico Madrid dennoch seine Stärken und Qualitäten bewiesen.
Dementsprechend weiß Alexander Blessin, was seine Mannschaft erwartet und wie sie zudem agieren muss. »Stuttgart rotiert viel, hat aber klare Muster in seinen Abläufen. Wir müssen verhindern, dass der VfB seine Dynamik entfaltet und in seinen Rhythmus kommt«, erklärte Borussias Trainer und fordert: »Dafür brauchen wir klare Entscheidungen, Tempo und Schärfe im Kopf. Wir werden leiden und über unsere Grenzen gehen müssen. Viele werden davon ausgehen, dass ein Champions-League-Teilnehmer wie Stuttgart das Spiel klar gewinnt. Aber wir haben etwas dagegen und wollen es dem VfB so schwer wie möglich machen.«
»Wir müssen durch das Tal der Qualen gehen«
Damit das gelingt hat der 53-Jährige in der Trainingswoche hinter verschlossenen Türen mit seiner Mannschaft einen Matchplan erarbeitet und an den Defiziten der vergangenen Auftritte gearbeitet. Neben dem taktischen Verschieben und der Zweikampfführung stand vor allem die Intensität im Mittelpunkt. Der Coach sieht seine Mannschaft noch nicht dort, wo er sie mit Blick auf seine Spielidee haben möchte. »Wir haben noch ein paar Schritte zu gehen«, räumte er ein.
Gerne mit Blick auf die Spielidee des Trainers und das Spielverständnis gibt es noch einiges zu tun. »Ich bin nicht der Trainer, der sich duckt oder die Fehler bei anderen sucht. Wir müssen die Mannschaft sukzessive an meine Vorstellungen anpassen«, sagt Blessin. »Über allem steht die Intensität, die ich für meinen Fußball brauche. Das müssen wir möglichst schnell umsetzen, um konkurrenzfähig zu sein.«
Dabei gehe es nicht allein um taktische Abläufe. Auch das Selbstvertrauen müsse sich Borussia zurückholen – und zwar über die tägliche Arbeit. »Selbstvertrauen hole ich mir über die Basics«, betonte Blessin. Gewonnene Zweikämpfe, festgemachte Bälle und ein konsequentes Nachverteidigen seien dafür entscheidend. Ebenso wichtig sei es, sich nach Fehlern gegenseitig zu helfen. Gerade in den vergangenen Spielen habe es Situationen gegeben, in denen die Mannschaft besser hätte füreinander einstehen können.
Der Trainer will die Verantwortung dabei nicht auf einzelne Spieler abschieben. Vielmehr müsse die Mannschaft als Einheit auftreten und sich gemeinsam aus der schwierigen Lage arbeiten. »Wir müssen durch das Tal der Qualen gehen«, sagte Blessin. Dass die aktuelle Situation Spuren hinterlässt, ist ihm bewusst. Dennoch sieht er im Training die nötige Bereitschaft, an den Problemen zu arbeiten. Diese müsse nun auch im Spiel zu sehen sein.
Neun Ausfälle – Machino eine Option, Danfa auf der Bank
Erschwert wird die Aufgabe durch die angespannte Personalsituation. Insgesamt neun Spieler stehen Blessin aktuell nicht zur Verfügung. Isac Lidberg fehlt wegen muskulärer Beschwerden, Tim Kleindienst laboriert weiterhin an seiner Muskelverletzung. Auch für Nicolas Kühn und Jens Castrop kommt ein Einsatz noch zu früh. Enzo Leopold fällt nach seiner Kreuzbandverletzung weiterhin aus.
Bei Jan Leszczyński, der sich eine Kniestauchung zugezogen hat, ist Blessin vorsichtig optimistisch. Fritz Fleck könnte nach seiner schweren Zerrung bald zurückkehren. Ko Itakura und Franck Honorat stehen vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining. Trotz der Ausfälle ist Blessin überzeugt, in Stuttgart eine konkurrenzfähige Elf aufbieten zu können.
Vor allem im Angriff muss Blessin Lösungen finden. Neben Kleindienst und Lidberg fehlen ihm weitere Optionen, weshalb Shuto Machino erneut in den Fokus rückt. Nach seiner Einwechslung gegen Hoffenheim habe der Japaner versucht, Energie in die Mannschaft zu bringen. Deshalb sei er auch für das Gastspiel beim VfB eine Option. Zuvor hatte Blessin dem Japaner nach seinem Einsatz in Köln »eine Ansage gemacht«, dass es so nicht geht.
Auch Iaia Danfa wird wieder zum Kader gehören. Für einen Platz in der Startelf kommt der Youngster allerdings noch nicht infrage. Blessin machte deutlich, dass er keine Angst davor habe, junge Spieler ins kalte Wasser zu werfen. Neben einer klassischen Besetzung im Sturm sei auch eine falsche Neun denkbar. Welche Variante letztlich zum Zug kommt, ließ er wie gewohnt offen.
Ein Lichtblick ist Wael Mohya. Der 17-Jährige überzeugte zuletzt nicht nur mit seinem Treffer gegen Hoffenheim, sondern auch mit seiner Unbekümmertheit. »Er ist sehr offen und wirkt unbeschwert. Sein Auftreten ist klar, und er ist wissbegierig. Er hat sowohl mit als auch gegen den Ball Qualität«,, lobt Blessin seinen Schützling. »Im Nacharbeiten ist er sehr umtriebig, dazu kann er sich im Eins-gegen-eins behaupten und für Entlastung sorgen. Diese Unbekümmertheit tut uns gut. Es wäre falsch, die gesamte Last auf ihn abzuwälzen. Wir brauchen eine geschlossene Mannschaftsleistung.«
Außenseiterrolle als Chance?
In der Tat. Auf dem Papier scheint die Ausgangslage klar. Stuttgart ist der klare Favorit, denn die Zahlen sprechen nicht unbedingt für die Borussen. Stuttgart gewann bislang 46 Bundesliga-Duelle gegen die Fohlen und blieb gegen sie bereits 36-mal ohne Gegentor. Blessin will sich davon jedoch nicht beeindrucken lassen.
Für Borussia wird es in Stuttgart darauf ankommen, die Forderungen des Trainers endlich auf den Platz zu bringen – und das über 90 Minuten. Mut, Intensität und gegenseitige Unterstützung sollen dabei helfen, den Negativlauf zu beenden. Dass die Aufgabe schwierig wird, weiß auch Blessin. Wichtig ist jedoch generell, dass man nicht die Flinte ins Korn wirft.
Dementsprechend gibt Borussias Coach die Parole aus: »Ich glaube weiterhin an die Mannschaft. Wir können nicht darauf warten, dass das Glück irgendwann zurückkommt, sondern müssen uns alles hart erarbeiten«, so Blessin. »Vielleicht können wir mit der Außenseiterrolle etwas unbeschwerter in das Spiel gehen und sagen: Wir können Stuttgart wehtun. Dafür müssen wir unsere 100 Prozent abrufen. Wenn wir an unsere Grenzen gehen, haben wir eine Chance.«

