Erleichterung nach erstem Saisonsieg: »Es ist ein geiles Gefühl«

Wael Mohya war der ‚Man of the Match‘ beim Sieg in Stuttgart. Archivfoto: Dirk Päffgen

Erleichterung bei Borussia Mönchengladbach. Endlich gelang der langersehnte erste Sieg, keine negative Eintragung in die Geschichtsbücher der Bundesliga. Beim VfB Stuttgart warfen die Fohlen alles rein und holten sich am Ende verdient den ersten Dreier. Mann des Abends war Wael Mohya. Man muss kein allzu großer Prophet sein um zu erahnen, wie sehr sich hinterher alle in den Armen lagen.

Als Schiedsrichter Dr. Matthias Jöllenbeck die Bundesliga-Partie zwischen dem VfB Stuttgart und Borussia Mönchengladbach nach 94 Minuten abgepfiffen hatte, kannte der Jubel im VfL-Lager keine Grenzen. Alle lagen sich in den Armen und ließen ihrer Freude über den ersten Saisonsieg freien Lauf. Es fiel buchstäblich ein tonnenschwerer Rucksack von allen ab.

Im Vorfeld hatten wohl nur die kühnsten Optimisten überhaupt einen Pfifferling auf die Borussen gesetzt. Ohne zehn Feldspieler, acht davon mit Stammplatz-Potenzial und eine Mannschaft, die nach sechs Niederlagen in Folge alles andere als nur so vor Selbstvertrauen strotzt. Doch an diesem Abend war eben alles anders.

»…du denkst dir, das geht schon wieder los«

Zunächst sollten sich aber diejenigen bestätigt fühlen, die Bitterböses ahnten. Gerade einmal fünf Minuten dauerte es, ehe der VfB die Führung erzielte. Moritz Nicolas sah beim Treffer von Ermedin Demirović alles andere als gut aus. Allerdings hätte es in der Entstehung schon verhindert werden müssen. »Ich muss ganz ehrlich sagen, es war wieder eine Verkettung«, haderte Alexander Blessin und erklärte: »Es gab einen Kopfball, wo der zentrale Innenverteidiger nicht raus muss. Philipp hat überragend gespielt, aber in dem Moment ist Hashi da. Philipp ist dann zu gierig und dann ist der Raum frei. Ulle kann natürlich den Raum schließen, aber dann trifft Ermedin den Ball natürlich auch unglaublich gut. Er ist auch schwierig zu halten, das ist dann bitter.«

Ähnlich wie Rouven Schröder ging es wohl den meisten, die es mit den Borussen halten. »Das erste Tor ist wieder so wie die letzten Wochen passiert. Der Gegner hat keine so richtige, aber dann passiert einfach das Tor und du denkst dir, das geht schon wieder los«, gab Borussias Sportchef Einblicke in seine Gefühlswelt.

»Wir sind dran geblieben und verdient das 1:1 gemacht«

Die Borussen hatten dran zu knabbern und die Gefahr war da, sich weitere Gegentreffer einzufangen. Eigentlich hatte man als Beobachter förmlich auch darauf gewartet, aber dieses Mal brachen sie nicht komplett ein. »Dann hat die Mannschaft so nach 20, 25 Minuten einfach ein bisschen das Gefühl bekommen, wenn wir weiter drauf marschieren, wie Alex das möchte, pressen und nachschieben, dann kriegen wir unsere Torchancen«, sagte Schröder.

»Wir sind dran geblieben, haben dann und mehr und mehr Vertrauen und geile Ballgewinne gehabt und haben auch eine gute Struktur gefunden. Ich finde, dann haben wir auch verdient das 1:1 gemacht«, freute sich Blessin.

Joe Scally traf sieben Minuten vor der Pause zum Ausgleich in einer Phase, in der die Borussen es wirklich gut gemacht hatten und das Spiel im Griff hatten. »Wir müssen dann sogar noch eigentlich in den letzten fünf, zehn Minuten sogar noch das 2:1 machen«, befand Borussias Coach. Womit er absolut Recht hatte. Seine Mannschaft war im Flow und „musste“ dann aber unterbrechen. »Die Pause kam in dem Moment eigentlich sehr, sehr ungünstig«, gab der 53-Jährige zu.

Starker Auftritt nach Wiederanpfiff

Doch seine Mannschaft machte nach Wiederanpfiff da weiter, wo sie vor der Pause aufgehört hatte. Sie ist hat weiter mit Mut und Selbstbewusstsein Gas gegeben.  »Dann muss man sagen, sind wir auch zum ersten Mal auch richtig gut aus der Halbzeit gekommen. Das war auch unser Thema in den letzten Wochen«, sagte Schröder und Blessin stimmte zu: Da hat jeder alles reingeworfen.

Shuto Machino traf zur erstmaligen Führung. Die Fohlen hatten zum dritten Mal ein Spiel gedreht. Und das Positivste: Im Gegensatz zur jüngsten Vergangenheit gab man dieses Mal das Spiel nicht mehr aus der Hand. Der ‚Man of The Match’ Wael Mohya traf zum vorentscheidenden 3:1, Demirović konnte sieben Minuten vor Schluss nur noch Ergebniskosmetik betreiben.

‚Man of the Match Mohya‘ on Fire

Gerade Moyha hat an diesem abermals gezeigt, was in ihm steckt und dass er den Unterschied machen kann. Der Youngster war ein ständiger Unruheherd und hat alles reingeworfen. Zwanzig Minuten vor Schluss musste der Wirbelwinds dann aber angeschlagen runter, um hinterher Entwarnung zu geben. Das war zum Glück nur ein Eisbein. »Da wollte ich lieber vorsichtig sein«, erklärte er.

»Wael ist 17. Ma muss man sich mal überlegen, wie der hier aufdribbelt, wie er Eins-gegen-Eins spielt, wie er das zweite Tor vorbereitet hat, wie frech er ist und hinterhergeht. Da kann man nur sagen, Hut ab!«, schwärmte Schröder. »Das ist auch eine Belohnung für den ganzen Club und die Akademie. Er ist ein Vorreiter und hoffentlich folgen noch mehrere junge Spieler nach.«

»Ich habe ihm gleich nach dem Spiel gesagt, dass nicht nur seine Vorlage und sein Tor unbeschreiblich gut waren, sondern er ist geblieben, hatte Balleroberungen gehabt und hat wahnsinnig viel gemacht«, lobte Blessin seinen Schützling. »Er hat sich taktisch wirklich sehr, sehr gut verhalten, hat nachgearbeitet, hat das Zentrum dann auch mit geschlossen. Ich hebe ja normalerweise ungerne Spieler heraus, aber das war schon top, top, top.«

Unter dem Strich ein verdienter Sieg

Top war auch die Leistung seiner Mannschaft, die allen Vorhersagen zum Trotz, in Stuttgart den ersten Dreier holte. Und das am Ende verdient. Das erkannte auch VfB-Coach Sebastian Hoeneß neidlos an.

Ein Gefühl, dass man bei den Borussen zuletzt am letzen Spieltag der letzten Saison erlebt hat. Damals gab es einen 4:0-Sieg gegen Hoffenheim. »Das ist ganz ungewohnt. Da fällt einiges ab. Ich glaube, die Jungs haben sich maximal belohnt«, zeigte sich auch Schröder erleichtert. »Wir haben heute auch nicht unverdient gewonnen, weil ich finde, wir haben mehr investiert, wir waren leidenschaftlich.«

»Es ist ein geiles Gefühl, dass wir uns endlich mit dem ersten Dreier belohnt haben. Wir hatten uns vor dem Spiel vorgenommen, hier etwas Zählbares mitzunehmen, und dass uns das gelungen ist, freut mich riesig«, strahlte Mohya über beide Ohren. »Dass ich der Mannschaft mit einem Assist und einem Tor helfen konnte, ist doppelt schön.«

»So muss es weitergehen«

Dieser Abend hat gezeigt, dass die Mannschaft noch lebt. Und in Anbetracht der vielen personellen Ausfälle ist dieser Sieg umso höher zu bewerten. Ein Anfang ist gemacht, nun muss es aber weitergehen. Schon am nächsten Wochenende muss im Heimspiel gegen den SC Paderborn nachgelegt werden.

In diese Kerbe schlugen auch die Borussen. »Es kann nur ein Start sein. Wir haben jetzt drei Punkte, sind aber immer noch Letzter. Das darf man nicht vergessen«, hob Schröder auch den Finger. »Aber heute dürfen wir es mal genießen und einfach das Gefühl eines Sieges mit nach Hause nehmen, auch für die Fans.«

»Wir wollen nach dem Spiel sagen, wir haben alles abgerufen. Und das hat heute jeder super gemacht. Wichtig war, dass wir angefangen haben zu punkten und dass jeder sieht, dass die Mannschaft lebt und dass wir noch einiges reißen wollen«, resümierte Blessin. »Aber es kann jetzt auch nicht sein, dass wir uns irgendwo ausruhen, sondern so muss es weitergehen. Das Selbstvertrauen kommt nach so ein Spiel natürlich wieder gestärkt zurück. In Stuttgart zu gewinnen ist schon schön.«

»Der Trainer gibt uns immer mit, dass wir kämpfen und als Mannschaft alles investieren sollen. Heute haben wir gesehen, dass sich dieser Einsatz auszahlt,«, sagte Mohya »Daran müssen wir anknüpfen und den positiven Schwung mit in die nächsten Spiele nehmen…«