Borussia muss in der Defensive unter Adi Hütter zulegen. Foto: Dirk Päffgen

In der Abwehr machte Borussia Mönchengladbach unter Marco Rose einen echten Rückschritt. Die Fohlen entwickelten sich innerhalb von einem Jahr von der drittbesten zur viertschlechtesten Abwehr. Der neue Trainer Adi Hütter muss den Fohlen wieder die notwendige Stabilität geben, wahrscheinlich mit einer Dreierkette. 

Eine Legende geht 

Zu Beginn der Spielzeit 2019/20 bahnte sich bei Borussia Mönchengladbach auf der linken Abwehrseite eine Wachablösung an. Die Fohlen lockten vor rund zwei Jahren Ramy Bensebaini für rund 8,00 Millionen Euro Ablöse von Stade Rennes an den linken Niederrhein. Der Algerier überzeugte auf Anhieb, konnte den ‚Altmeister‘ Oscar Wendt aber nicht gänzlich von der linken Seite verdrängen. Das ist in der abgelaufenen Saison allerdings anders gewesen, denn der 26-Jährige absolvierte in allen drei Wettbewerben 33 Spiele. 

Oscar Wendt lief beim Auswärtsspiel in Bremen das letzte Mal für die Fohlenelf auf, stolze 305-Mal trug er in seinen zehn Jahren das Trikot mit der Raute auf der Brust. Wendt hat eine Ära am Borussia-Park geprägt, kein ausländischer Spieler hat jemals mehr Partien für die Fohlen absolviert als der 35-Jährige. Mit der Borussia schaffte Wendt sechsmal die Teilnahme am Europapokal, darunter dreimal die Champions League. Doch zum Ausklang seiner Karriere zieht es den Schweden in seine Heimat, zum IFK Göteborg. 

Neues System unter Hütter? 

In der neuen Saison ist Bensebaini also die klare Nummer eins auf der linken Abwehrseite, wer für ihn als Back-Up in Frage kommt, steht derzeit nicht fest. Ein möglicher Kandidat ist Andreas Poulsen, der bei seiner neusten Ausleihe zu Austria Wien allerdings nicht vollends überzeugen konnte. Fraglich also, ob der Däne für die Aufgabe Bundesliga gewappnet ist. 

Apropos: Wappnen müssen sich die Fohlen möglicherweise auf eine neues System unter Adi Hütter. Der Österreicher lässt vornehmlich mit einer Dreierkette in der Defensive spielen und muss den Fohlen dort wieder die notwendige Stabilität geben. Denn diese ließen die Borussen in der letzten Spielzeit deutlich vermissen. Mit 56 Gegentoren stellte die Elf vom Niederrhein gemeinsam mit dem FSV Mainz 05 die viertschlechteste Abwehr in der Bundesliga. Zum Vergleich: In der Saison 2019/ 20 hatten die Fohlen noch die drittbeste Defensive mit lediglich 40 Gegentoren. 

Fohlen kamen nicht in die Zweikämpfe – Ginter in der Luft stark

Eine Schwachstelle: Die Fohlen gewannen letztlich zu wenig Zweikämpfe in der gefährlichen Zone. Marcus Thuram stellt hier mit 333 gewonnenen direkten Duellen den Bestwert der Borussen, der Franzose spielt aber wohlgemerkt in der Offensive. Stefan Lainer war in dieser Wertung der beste ‚klassische‘ Defensivspieler der Fohlenelf, kam auf 314 gewonnene Zweikämpfe. Das Innenverteidiger-Duo Nico Elvedi (290) und Matthias Ginter (270) liegen im ligaweite Vergleich lediglich im Mittelfeld. 

Dafür zeigte der Schweizer Elvedi erneut seine Stärke im Aufbauspiel, denn mit einer Passquote von über 94 Prozent war er in dieser Statistik der erfolgreichste Spieler der Liga. Der Schweizer hatte nicht nur die beste Passquote ligaweit, sondern gehört mit 61 Prozent gewonnen Duellen auch zu den zweikampfstärksten Fohlen.

Matthias Ginter hingegen gehört bei der Laufdistanz zu den Top-10 der Bundesliga, kommt in seinen 34 Einsätzen auf über 354 gelaufene Kilometer. Und auch in der Luft ist der Nationalspieler nur schwer zu bezwingen. Er gewann 65 Prozent seiner Zweikämpfe, ligaweit die beste Quote. Beide Bundesliga-Tore 2020/21 per Kopf. Seine Kopfballstärke macht ihn zu einem sicheren Spieler in Luftduellen. Von 191 Kopfballzweikämpfen gewann Ginter 131 – Platz 3 in dieser Statistik.

Sprinter Lainer

Auch auf Stefan Lainer war auf der rechten Seite wie immer Verlass, der Österreicher spulte über 344 Kilometer ab. Dazu gehörte der Österreicher in der abgelaufenen Spielzeit  zu den Top-5-Spielern mit den meisten Sprints. Der 28-Jährige führte viele Defensiv-Zweikämpfe (335, nur Elvedi hatte mehr) und schlug die meisten Flanken aus dem Spiel bei den Fohlen (90, Rang sechs ligaweit). Mit 895 Sprints sichert sich der Österreicher zudem einen Platz im Ranking der Top-Sprinter der Bundesliga.

Rose kein großer Freund der Rotation in der Innenverteidigung 

Yann Sommer musste pro Spiel 1,65 mal hinter sich greifen, im ersten Jahr unter Rose waren es nur 1,18 mal (drittbester Wert). Auch unter Dieter Hecking war die Fohlenelf in der Abwehr deutlich sattelfester (1,24 Gegentore pro Spiel). Hinzu kommt eine extrem hohe Anfälligkeit nach Kontern, hier kassierte Borussia sieben Gegentreffer (höchster Wert der Liga). Die Abwehrreihe um Matthias Ginter und Nico Elvedi konnte auch nur 57,6 Prozent der Zweikämpfe gewinnen, das macht in der Gesamtabrechnung der Liga lediglich einen Relegationsplatz (16.). Das Problem besteht allerdings nicht nur in der letzten Kette vor Yann Sommer, sondern fängt bereits im defensiven Mittelfeld an. 

Positiv: Matthias Ginter war der Dauerbrenner im Trikot von Borussia Mönchengladbach. Der deutsche Nationalspieler und Weltmeister von 2014 stand in allen 34 Bundesliga-Partien über die kompletten 90 Minuten auf dem Rasen, das schafften neben ihm nur noch Christian Günter (SC Freiburg) und Marvin Friedrich (Union Berlin). Die zweite Reihe um Tony Jantschke und Jordan Beyer kam unter Ex-Coach Marco Rose kaum zum Zug. Jantschke schaffte ‚nur‘ acht Einsätze und letztlich 265 Spielminuten, Beyer machte lediglich vier Spiele und insgesamt 186 Minuten.