Oscar Wendt traf gegen Schalke zum 2:1 und damit zum zweiten Mal in Folge. Foto: team2sportphoto

Daran, dass Borussia Mönchengladbach im Heimspiel gegen den FC Schalke schlussendlich verdient mit 4:1 die Oberhand behielt, hatte auch Oscar Wendt seinen Anteil. Der Schwede traf vor der Pause zum 2:1 und ebnete damit den vierten Sieg der Bundesliga-Saison. Das angesprochene Sieger-Bier hatte sich der 35-Jährige hinterher redlich verdient.

Spricht man von Oscar Wendt, kommt man um ein bekanntes Sprichwort nicht herum: „Alter Schwede.“ Worte, die auch ein Erstaunen über eine gewisse Sache und/oder eine gewisse Person ausdrücken. Auf Oscar Wendt trifft das durchaus zu. Der Schwede, seit 2011 bei den Borussen, gehört im Kader der Fohlenelf mit seinen 35 Jahren zwar zum „alten Eisen“, ist aber keineswegs „abgenutzt“. Ganz Im Gegenteil. Dass Gladbacher Urgestein ist wertvoller Bestandteil der Fohlenelf. »Er ist ein sehr schlauer Fußballer, der viel Erfahrung mitbringt und über einen fantastischen linken Fuß verfügt. Er ist ein sehr guter Fußballer und ein richtig guter Typ«, erklärte Marco Rose, warum die Borussen den Vertrag des Schweden im Juni bis Sommer 2021 verlängert hatten.

Und die ist vollkommen gerechtfertigt. Es ist schon bemerkenswert, wie der Abwehrmann im Herbst seiner Karriere noch daherkommt. Wendt achtet akribisch auf seinen Körper und die Ernährung und ist beispielhaft für eine professionelle Einstellung. Vergleiche mit Cristiano Ronaldo sind zwar sehr weit hergeholt, aber ebenso wie der gleichaltrige und nach wie vor starke Portugiese geht Wendt sorgfältig mit seinem Körper um. Der 35-jährige achtet auf seine Ernährung und weiß, wie er Belastung und Regeneration so steuern muss, damit er fit bleibt.

Verletzungen sind rar beim Schweden

Schwere Verletzungen und lange Ausfallzeiten sind rar bei Borussias Abwehrmann in den letzten Jahren. Zuletzt musste der ehemalige schwedische Nationalspieler Anfang 2018 aufgrund eines Muskelfaserrisses einige Wochen passen. Seitdem ist der Schwede verletzungsfrei und da, wenn man ihn braucht.

Eine Tatsache, die auch Marco Rose an seinem Routinier zu schätzen weiß. Der 44-Jährige, der Wendt nicht von ungefähr in den Mannschaftsrat berufen hat, setzt auf Wendt und weiß, dass man sich auf ihn stets verlassen kann, wenn seine Dienste gefragt sind. So wie im Spiel gegen den FC Schalke. Da absolvierte Wendt sein insgesamt 229. Bundesligaspiel für die Fohlenelf. Womit er auf Platz 30 unter den aktuellen Bundesligaspielern steht.

Der bis dato siebte Bundesliga-Einsatz der laufenden Spielzeit war der fünfte von Beginn an für den Schweden. Und dabei gelang ihm Historisches: Erstmals schoss Wendt ein Tor in zwei Pflichtspielen in Folge. Zuvor hatte Wendt im Champions-League-Spiel gegen Schachtar Donezk getroffen. Zuletzt gelangen ihm in der letzten Bundesliga-Saison zwei Treffer in Serie.

Trifft Wendt, gewinnt Borussia

Kurz vor dem Seitenwechsel netzte der 35-Jährige aus leicht spitzem Winkel zum 2:1 ein. Vorausgegangen war einer dieser schönen Spielzüge à la Marco Rose. Marcus Thuram machte die Kugel im Mittelfeld fest und schickte Florian Neuhaus auf die Reise. Der Nationalspieler steckte perfekt durch in die Box zu Wendt, der den Ball aus leicht spitzem Winkel in die Maschen haute. Wendt nutzte den sich bietenden Raum perfekt, hängte den heraneilenden Steven Skrzybski ab und blieb dann vor dem Tor von cool. Auch sonst lieferte er eine solide Abwehrleistung ab. Der Routinier spulte gegen Königsblau 11,03 Kilometer ab und liegt in dieser Statistik auf dem dritten Platz der Fohlenelf. Zudem hatte er mit 70 Ballkontakten die viertmeisten bei der Fohlenelf. 

Mit dem ersten Saisontreffer des Schweden war die Partie eigentlich schon gelaufen zugunsten der Borussen. Zumindest, wenn man zur Pause einen Blick auf die Statistik geworfen hatte. Denn in jedem Spiel, in dem Wendt in seiner Bundesliga-Karriere getroffen hat, haben die Fohlen eine Niederlage vermieden. Ein Lauf von 15 Spielen, darunter bemerkenswerte 14 Siege und nur ein Unentschieden. Dass es dann auch so kam, lag eben auch am Treffer von Wendt und an der Tatsache, dass die Borussen nach dem Seitenwechsel dann auch in den richtigen Momenten noch zweimal zuschlugen.

»Kleines Bier« nach Schlusspfiff und Fokus auf Dienstag

So konnte auch Oscar Wendet nach dem Schlusspfiff strahlen. »Natürlich habe ich mich über mein Tor gefreut. Es war ein wichtiges Tor für uns, weil die Anfangsphase schwierig für uns war. Schalke hatte sich vor dem Spiel viel vorgenommen und hat gut angefangen, der Gegner war aggressiv und hat gut gespielt«, gab das Urgestein hinterher zu Protokoll. »Wir hatten noch etwas das Match vom vergangenen Mittwoch gegen Donezk in den Beinen. Nach einer halben Stunde sind wir dann aber immer besser ins Spiel gekommen und haben am Ende verdient gewonnen.«

Woran es keine Zweifel gibt. Viel Zeit bleibt dem Schweden und seinen Teamkollegen nicht, um diesen Sieg auszukosten. Bereits am kommenden Dienstag wartet in der Champions League Inter Mailand. Der Tabellenzweite der Serie A kommt mit einem 3:0-Sieg gegen US Sassulo in den Borussia-Park und benötigt einen Sieg, um überhaupt noch Chancen auf das Achtelfinale  zu haben. Die Fohlenelf hingegen kann das Ticket bereits mit einem Remis buchen.

Natürlich wird man sich darauf nicht einlassen, sondern die Fohlenelf wird versuchen, das Spiel zu gewinnen – wie immer. Gegen Schalke 04 ist das gelungen. »Wenn wir alles abliefern was wir können, sind wir sehr gut,« sagt Oscar Wendt.

Der 35-Jährige gibt dann auch die Marschroute für die drei Tage bis zum Matchday vor: »Jetzt freuen wir uns ein bisschen, trinken ein kleines Bier, regenerieren gut und konzernieren uns dann auf Dienstag.« Für Ramy Bensebaini kommt die Partie am Dienstag nicht infrage. Der Algerier wird in den kommenden Tagen seine Quarantäne nach Covid-19-Infektion beenden und dann langsam wieder an die Mannschaft herangeführt. Somit sind weiter die Dienste von Oscar Wendt gefragt – und dann wird man sich wieder auf den ‚Alten Schweden‘ verlassen können…