ANDREAS POULSEN IST DERZEIT BEI AUSTRIA WIEN. FOTO: DIRK PÄFFGEN, FOHLEN-HAUTNAH.DE

Der Corona-Virus hat das Leben derzeit voll im Griff und lässt das Leben in ganz Europa zum Teil komplett stillstehen. Auch der Ball rollt derzeit bis auf Weiteres natürlich nicht. Das trifft auch auf die Bundesliga in Österreich zu. In diese hatte Borussia Mönchengladbach Andreas Poulsen im Januar ausgeliehen. Spielpraxis sammeln sollte der junge Däne. Zunächst ist das Vorhaben auch aufgegangen, bis die Corona-Pandemie auch den 20-Jährigen ausbremste.

»Es geht mir sehr gut. Ich bin fit und halte die Stimmung hoch«, schickt Andreas Poulsen in diesen Tagen die wichtigste Nachricht im Gespräch mit unserer Redaktion vorweg. Seit Anfang Januar befindet sich Borussias Däne in Österreich. Bei Austria Wien sollte Poulsen Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln. Vor allem, um in seiner Entwicklung Schritte nach vorne zu machen. Zunächst gelang das auch ganz gut, doch dann bremste der Corona-Virus auch die Alpenrepublik und somit auch den Fußball aus.

Seit dem 12. März setzt die österreichische Bundesliga aus, seit dem 15. März ist zudem bei allen Klubs der Trainingsbetrieb eingestellt. Es gelten wie in Deutschland Ausgangsbeschränkungen, die zunächst bis zum 13. April datiert sind. Wie in Deutschland sind Geschäfte und Hotels geschlossen und die Regierung appelliert an die Bevölkerung, nur raus zu gehen, wenn sie einkaufen, arbeiten oder anderen Menschen helfen müssen.

Während im Nachbarland auch bei den Klubs für die Spieler Kurzarbeit beantragt wurde, so war Borussia Mönchengladbach der erste Klub in der Bundesliga, bei dem die Spieler freiwillig auf Teile ihres Gehalts verzichteten, um vor allem auch die Jobs der Mitarbeiter zu schützen. »Ich habe das mitbekommen und unterstütze das natürlich. Das ist eine tolle Aktion und zeigt den Zusammenhalt bei Borussia«, sagt Poulsen. »Ich denke, es ist eine sehr schwierige Situation für alle Fußballklubs. Deshalb ist das eine tolle Sache.«

Fußball im Moment zweitrangig

Andreas Poulsen ist wie alle Fußball-Profis aktuell an seine eigenen vier Wände gebunden. »Ich finde das nicht so schlimm. Natürlich würde ich gerne mal ausgehen und in ein Restaurant gehen, aber die aktuelle schlimme Situation erfordert diese Maßnahmen«, weiß der 20-Jährige. Auch mit der Tatsache, dass er aktuell eben auch nicht seiner Leidenschaft beziehungsweise seinem Beruf nachgehen kann, geht der Abwehrmann professionell und mit gesundem Menschenverstand um. »Ich denke, jeder Fussballer möchte Fussballspielen. So wie es im Moment ist, macht es natürlich alles andere als Spaß«, sagt Poulsen, hinterlässt aber keinerlei Zweifel: »Aber im Moment haben wir auf der Welt eine katastrophale Situation, die es hoffentlich schnell in den Griff zu bekommen gilt. Das ist wichtiger im Moment als Fußball.«

Apropos Fußball. Man muss kein großer Prophet sein um zu wissen, dass auch Andreas Poulsen das runde Leder vermisst. »Natürlich vermisse ich den Fussball. Das ist mein Leben und ist das, woran ich am meisten Spaß habe.« Andreas Poulsen hat sich gut eingelebt in der österreichischen Hauptstadt. Was auch daran liegt, dass die Sprache keine allzu große Hürde darstellt. »Nur mit dem Dialekt habe ich noch etwas Probleme«, schmunzelt Poulsen, der schon ein mehr als ordentliches Deutsch spricht.

»Ich habe Wien schon etwas erkundet. Vor allem den Stephansplatz finde ich toll«, so Poulsen. »Auch mit meinem Freund Morten Hjulmand, der bei Admira Wacker Mödling spielt, bin ich oft unterwegs. Er ist ein sehr guter Freund von mir, wir haben viel Kontakt miteinander.«

 Poulsen fühlt sich wohl bei der Wiener Austria

Und gerade auch beim 24-maligen Meister Austria Wien ist Poulsen gut angekommen. Für den 20-Jährigen kein allzu großes Wunder. »Es war die richtige Entscheidung. Ich bin wirklich zufrieden. Wien ist eine tolle Stadt und die Austria ein Traditionsverein. Die Mannschaft hat sehr gute Fußballer, ist charakterlich top und hat mich super aufgenommen«, strahlt der Däne. »Vom ersten Training an war alles sehr gut. So war es einfach, anzukommen. Und ich hatte gute Gespräche mit dem Trainer, er ist ein sehr sympathischer Typ«.

Und was unterscheidet den »sympathischen Typ« Ilzer vom Borussen-Coach Marco Rose? »Ich denke, beide haben eine ähnliche Philosophie. Beide wollen einen offensiven Außenverteidiger. Ich möchte auch viel nach vorne spielen. Bei beiden Trainern habe ich die Möglichkeit dazu«, freut sich der 20-Jährige. »Und beide sind gleichermaßen tolle Menschen und Trainer, die dich verbessern wollen. Das ist wichtig für einen jungen Spieler.«

»Bis hierhin bin ich zufrieden« – Viel Kontakt mit Polanski

Austria-Coach Christina Ilzer hat sofort auf den dänischen Nationalspieler gesetzt. Bisher hat Poulsen alle vier Ligaspiele von Beginn an und über die volle Distanz absolviert. Genau das also, was sich Max Eberl und die Borussen von dem Ausleihgeschäft versprochen hatten. »Es fühlt sich sehr gut an, jede Woche spielen zu können. Ich denke, dass ich gute Spiele absolviert habe. Bis hierhin bin ich zufrieden«, sagt Poulsen.

Das dürfte man also auch am linken Niederrhein sein. Schließlich war genau das der Plan. Jedenfalls hat man den Dänen natürlich auch aus der Ferne genau im Blick. Neben Max Eberl und Borussias Scouts für Österreich schaut vor allem auch genau Eugen Polanski genau hin, was Poulsen in Österreich macht. Der 34-Jährige ist sei letzten Sommer Verantwortlicher für den Übergangsbereich und kümmert sich vor allem auch um die Top-Talente wie neben Andreas Poulsen. »Ich spreche viel mit Eugen, er hilft mir viel und gibt mir Tipps, wie ich mich noch mehr verbessern kann«, verrät Poulsen.

Aktuell aber, steht das Leben eben auch in Österreich still und der Ball ruht. Wie lange das sein wird, kann noch keiner so richtig vorhersagen. Zunächst bis Anfang Mai wird es auf jeden Fall keine Spiele geben. Ob und wie es dann weitergeht, steht noch in den Sternen. »Ich hoffe natürlich, dass wir weiterspielen und die Saison zu Ende spielen können. Die Spielpraxis hat mir wirklich gut getan«, so der Däne. »Wenn es gesundheitlich vertretbar und möglich ist, werden die Verantwortlichen sicher eine Lösung finden. Aber im Moment ist das wirklich schwer zu sagen.«

Bis dahin bleibt Poulsen nur die Möglichkeit, sich zuhause die Zeit zu vertreiben und fit zu halten. »Ich spiele viel Computer- oder Videospiele online mit Freunden, das hält meine Stimmung hoch«, sagt Poulsen, der unweit der Austria Generali-Arena eine Wohnung bezogen hat und sich in dieser einen kleinen Kraftraum eingerichtet hat. So kann er sich täglich fit halten und den erhaltenen Trainingsplan durchführen. Auch die Kommunikation innerhalb der „Veilchen“ bleibt nicht auf der Strecke. »Wir haben eine WhatsApp-Gruppe. In der sind der Trainer und alle Spieler, so bleiben wir immer in Kontakt.«

Engen Kontakt hält Poulsen auch zu seiner Familie in Dänemark, wo der Corona-Virus auch Einzug erhalten hat. »Ich habe viel Kontakt mit meinen Eltern in Dänemark. Es geht ihnen gut«, zeigt sich Poulsen erleichtert. »Sie befinden sich derzeit auch im Homeoffice. So wir haben viel Zeit zu telefonieren.«

Poulsen will sich erst in Wien weiterentwickeln, dann bei Borussia durchsetzen

Telefonieren, Computer- oder Videospiele mit Freunden und Kraftraum – so gestaltet sich im Moment der Alltag von Andreas Poulsen. So wie der von vielen Fußball-Profis in diesen Tagen und Wochen – in der Hoffnung, dass sich das Blatt bald zum Guten wendet und zumindest wieder ein bisschen Normalität eintritt und der Ball wieder rollen kann. »Dann möchte ich weiter so viel wie möglich spielen, gute Leistungen zeigen und mich mit der Austria für Europa qualifizieren«, hat Poulsen ein klares Ziel vor Augen.

Wie übrigens auch für die Zeit nach Austria Wien, wann auch immer die mit Blick auf die Corona-Pandemie enden wird: »Dann werde ich zu 100 Prozent in Gladbach spielen, das ist mein großes Ziel für die Zukunft. Borussia ist ein sehr großer Klub. Es wäre ein Traum für mich, im Borussia-Park auflaufen zu können.«

Genau dafür empfiehlt sich Andreas Poulsen, der bei den Borussen noch bis Sommer 2023 unter Vertrag steht, aktuell in Österreich. Um dann den Kampf aufzunehmen mit Ramy Bensebaini und womöglich auch Oscar Wendt, dessen Vertrag allerdings am 30.06.2020 ausläuft. Ob Max Eberl diesen nochmal verlängert, steht aktuell ebenso in den Sternen wie die Wiederaufnahme der Profi-Ligen in Europa. »Ramy und Oscar sind zwei sehr gute Spieler mit viel Qualität, das weiß ich. Aber ich denke, ich habe auch meine Qualitäten«, zeigt sich der Däne selbstbewusst. »Ich werde 100 Prozent geben und kämpfen und dann hoffe ich, dass ich meine Chancen bekomme.«