Die neue Saison im Blick: Rouven Schröder hat einiges zu tun und muss viel telefonieren. Foto: Dirk Päffgen
Es wird bereits vor dem nächsten Abstiegskampf gewarnt, der Borussia Mönchengladbach in der neuen Saison drohen könnte. Dabei stehen viele Fragezeichen über dem zukünftigen Gladbach. Unser Prüfstand, präsentiert vom Autohaus Waldhausen + Bürkel aus Mönchengladbach.
Die Saison ist noch nicht einmal beendet, und dennoch werden schon die Sorgen laut, Borussia Mönchengladbach könnte auch in der neuen Spielzeit wieder in Abstiegsnöte geraten. Schließlich lautet die nüchterne Bilanz nach diesem Jahr: Acht Siege, elf Unentschieden und 14 Niederlagen, wobei die Partie gegen die formstarke TSG Hoffenheim wohl wenig an der Sieg-Statistik ändern dürfte.
Honorat liebäugelte bereits mit Wechsel
Und die 1:3-Niederlage beim FC Augsburg lässt nicht viel Fantasie übrig, dass die Borussen sich mit dem noch bestmöglichen Ergebnis in die Sommerpause verabschieden wollen. Franck Honorat wurde – nicht zu Unrecht – hart kritisiert für seine Lustlosigkeit, die in einer Auswechslung nach 45 Minuten mündete. Der Franzose könnte gegen Hoffenheim also von der Bank aus zusehen, womit einer weiteren Thematik Sorge getragen würde: Seiner Verletzungsfreiheit.
So ist Honorat einer von vielen Kandidaten, die sich im Sommer einen neuen Verein suchen könnten. Er selbst bekräftigte das zuletzt. »Ich habe meine Zeit hier verbracht, habe so ziemlich alles gesehen. Wenn ich drei Monate lang alles gebe und ein Verein aus der Champions League oder Europa League anklopft – warum nicht?«, sagte er im März gegenüber Foot Mercato aus Frankreich. Dass er sich gedanklich wohl schon verabschiedet hat, kann anhand seiner Leistung aus dem Augsburg-Spiel zumindest unterstellt werden.
Auch bei Elvedi gibt es keine Klarheit
Womit ein grundsätzliches Problem klar wird: Wie gut ist eine Mannschaft einzuschätzen, die schon in ein paar Monaten ganz anders zusammengestellt sein könnte? Nicht nur Honorat ist ein Wechselkandidat, auch der Abgang von Kapitän Rocco Reitz wird eine Lücke im Mittelfeld hinterlassen, die erst einmal geschlossen werden muss. Auch bei Yannik Engelhardt, Reitz’ Mittelfeld-Partner, sieht es derzeit nicht nach einer weiteren Saison am linken Niederrhein aus – zu teuer dürfte er sein.
Das wären schon drei Stammspieler, die bald nicht mehr da sind. Bei Joe Scally könnte ein nächster Schritt anstehen, zudem ist eine Fest-Verpflichtung von Haris Tabakovic derzeit ebenso schwer vorstellbar. Doch wird der wieder genesene Tim Kleindienst diese Position ohnehin besetzen. In der Abwehrzentrale hat Leistungsträger Nico Elvedi seine Zukunft zuletzt ebenfalls offen gelassen. Für den 29-Jährigen könnte sich auch mit Blick auf die WM eine große Chance auftun, noch einmal für einen europäisch vertretenen Klub zu spielen.
Wie verkraftet Gladbach den Aderlass?
Sollte in Moritz Nicolas dann auch noch derjenige gehen, der diese Saison mit Abstand am meisten überzeugen konnte, wäre ein Aderlass von sieben Stammkräften zu bewältigen. Dabei scheint auch die wohl wichtigste Position unklar zu sein, nämlich die des Trainers. Aus den vergangenen Leistungen sowie dem fehlenden, klaren Bekenntnis Rouven Schröders zu Eugen Polanski, wird klar, dass dieser zumindest zur Debatte steht.
Das neue Gladbach könnte also mit einem neuen Trainer und einer grundveränderten Startelf auftreten, Chance und Risiko geben sich hier die Hand. In David Herold vom Karlsruher SC ist immerhin ein Neuzugang für die erste Elf fix, wobei Herold keine der eigentlich vakanten Positionen besetzt, vielmehr stellt er Lukas Ullrich vor Probleme. Weitere Transfers dürfte sich angesichts der WM erst spät ermöglichen – es wird ein arbeitsreicher Sommer für Sportchef Rouven Schröder und sein Team. Bis dahin geht Borussia mit vielen Unbekannten in die Sommerpause.


