Die Offensive um Alassane Plea konnte bisher noch nicht überzeugen. Foto: Dirk Päffgen

Ein Grund für den durchwachsenen Saisonstart bei Borussia Mönchengladbach ist zweifelsohne die Offensive. Die Fohlen haben die viertschlechteste Torausbeute in der Bundesliga, gepaart mit einer unterdurchschnittlichen Chancenverwertung. Gemeinsam mit der Schotes Firmengruppe aus Mönchengladbach blicken wir auf die Bereiche, in denen sich die Fohlenelf dringend steigern muss. 

»Wir hatten keine Ideen, wie wir dieses Bollwerk durchbrechen können. Ich glaube, wir hatten keinen richtigen Torschuss im ganzen Spiel. Das war viel zu wenig von uns«, traf Yann Sommer nach der Auswärtsniederlage beim FC Augsburg den Nagel auf den Kopf. Nach fünf Spieltagen in der Bundesliga hat die Fohlenelf bereits drei Niederlagen einstecken müssen. Lediglich gegen die Arminia aus Bielefeld konnten die Fohlen als Sieger den Platz verlassen, nach einer starken Vorstellung gegen Bayern München gab es immerhin noch einen Punkt. 

Unterdurchschnittliche Chancenverwertung 

Dennoch, und das muss man in dieser frühen Phase der Saison bereits konstatieren, läuft es am linken Niederrhein alles andere als rund und der erhoffte, positive Effekt des Trainerwechsels bleibt vorerst aus. Stattdessen sind es die Spieler, die nun in der Pflicht sind, denn beim FCA zeigte sich vermehrt das ‚alte‘ Bild aus der abgelaufenen Spielzeit unter Marco Rose. 

Bereits neun Gegentreffer kassierten die Borussen, hinzu kommen lediglich fünf geschossene Tore. Nur vier Mannschaften in der höchsten deutschen Spielklasse haben noch weniger Tore geschossen (Bochum, Bielefeld, Fürth und Augsburg). Laut der Statistik von ‚CREATEFOOTBALL‘ liegt die magere Torausbeute allen voran an der schlechten Chancenverwertung, diese liegt derzeit bei 15 Prozent. Nur Leipzig, Fürth, Bielefeld und Augsburg liegen hinter den Borussen, die allerdings selbst dem Liga-Schnitt (25 Prozent) weit hinterherlaufen. 

Kaum Risiko, zu viele Querpässe 

Auch in Augsburg wurde ein weiteres Problem ziemlich offensichtlich: Zwar hatte die Fohlenelf 71Prozent Ballbesitz, wusste aber tatsächlich nichts mit der Kugel anzufangen. Anstelle von direkten Bällen in die Spitze landete der Ball ziemlich oft beim Nebenspieler, teilweise sogar bei Yann Sommer, sodass die Borussen das Risiko scheuten. In diesem Fall kann die Elf vom Niederrhein auch nicht von der starken Passquote (87 Prozent, zweitbester Wert der Liga) profitieren. Eben auch, weil die Gegner um die Aufbaustärke der Fohlenelf weiß und deshalb sehr spät ins Gegenpressing geht. Bedeutet für die Borussen eben, dass sie nicht mit viel Tempo anlaufen können, sondern vielmehr eine Abwehrkette überspielen müssen, was nicht vollends gelingt. 

Mit insgesamt 57,8 Prozent Ballbesitz hat die Mannschaft von Adi Hütter sogar den vierthöchsten Wert der Liga und kann sich dadurch sogar 6,6 Torchancen pro Spiel erarbeiten. Hinzu kommt eine durchschnittliche Anzahl von Schüssen auf das Tor (11,72 pro 90 Min), es hapert allerdings an der schlechten Schussgenauigkeit von lediglich 30,6 Prozent. Auch in dieser Statistik sind nur drei Teams schlechter als die Fohlenelf. Außerdem ist Borussia die aktuell schlechteste Mannschaft nach Standardsituationen, was ebenfalls in Augsburg (sechs Ecken) ersichtlich war. 

Marcus Thuram wird schmerzlich vermisst 

Das Aufbauspiel der Fohlen ist allerdings wie schon in den letzten Jahren die Stärke des Teams, allerdings mit zum Teil zu wenig nach vorne gerichtet Bällen (zu viele Querpässe) und mit zu wenig Tempo im Spiel ausgestattet. Sicherlich ist der Ausfall von Marcus Thuram ein Faktor, denn der Franzose schaffte es immer, seine Wucht und auch den ein oder anderen Überraschungsmoment ins Spiel zu bringen. Dennoch müssen die übrigen Spieler, vor allem in der Offensive, in der Lage sein, ‚Tikus‘ ein Stück weit zu kompensieren. 

Mit Jonas Hofmann und Lars Stindl haben allerdings nur zwei Offensivspieler bisher mehr als 2,5 Schüsse pro Spiel, beide bringen aber 50 Prozent ihrer Versuche direkt aufs Tor. Auch wenn im letzten Drittel über rechts oder durchs Zentrum viele Flanken, Dribblings und auch Schnittstellenpässen kreiert werden, mangelt es letztlich immer wieder an der Chancenverwertung. Allerdings fehlt es oftmals auch an einem genauen Zuspiel, sodass Lars Stindl oder auch Alassane Pléa nicht entsprechend mit genug Bällen ‚gefüttert‘ werden. 

Parallelen zur Zeit in Frankfurt? 

In diesen Tagen wird sich Adi Hütter allerdings stark an seine Anfangszeit bei Eintracht Frankfurt im Sommer 2018 zurückerinnern. Auch dort gelang dem 51-Jährigen kein perfekter Start, damals flog er sogar in der ersten Runde des DFB-Pokals beim SSV Ulm raus. Schaut man allerdings etwas genauer hin stellt man fest, dass er zumindest statistisch bei den Fohlen etwas besser in Fahrt kommt, auch wenn es derzeit nicht danach aussieht. 

Bei der Eintracht verbuchte der Österreicher zu Beginn seiner Trainerstation nämlich deutlich weniger und vor allem auch schlechtere Pässe, als das aktuell der Fall ist. Zudem drangen die Frankfurter weniger in den gegnerischen Strafraum ein (12x) als jetzt (16x). Was allerdings Mut macht ist die Tatsache, dass Hütter nach ein paar Problemen bei seiner letzten Station immer besser in Fahrt kam und die ‚Adler‘ letztlich sogar bis in die Europa League führte. 

Ein Wettbewerb, auf den die Fohlenelf sicherlich auch große Lust hat, die Leistung dazu aber unbedingt konstant auf den Platz bringen muss. Zwar kommt mit der ungeliebten Namenscousine aus Dortmund am Samstagabend ein äußerst unangenehmer Gegner in den Borussia-Park, doch die besondere Konstellation mit der Rückkehr von Marco Rose an die alte Wirkungsstätte wäre doch sicherlich ein guter Startschuss für eine kleine Serie…