Auf Adi Hütter wartet viel Arbeit, vor allem in der Defensive. Foto: Dirk Päffgen

Am 03. Juli wird Adi Hütter seine Arbeit am linken Niederrhein aufnehmen. Dabei hat der neue Trainer von Borussia Mönchengladbach viel Arbeit vor sich, vor allem in der Defensive müssen die Fohlen wieder stabiler werden. Gemeinsam mit der Schotes Firmengruppe schauen wir auf die aktuelle ‚Baustelle Borussia‘. Untermauert wird unsere Analyse mit Daten von CREATEFOOTBALL. 

Seit rund einer Woche hat Borussia Mönchengladbach Gewissheit: In der kommenden Spielzeit 2021/22 ‚müssen‘ sich die Fohlen voll auf die Bundesliga und den DFB-Pokal konzentrieren, der Europapokal wurde bekanntlich verpasst. Zwar hat Max Eberl dadurch in seiner Kaderplanung und bei möglichen wechselwilligen Spielern ein Argument weniger, stattdessen kann sich der Verein aber voll auf den Neustart konzentrieren. 

Denn nach dem Abgang von Marco Rose übernimmt Adi Hütter in der neuen Saison die Geschicke auf der Trainerbank am linken Niederrhein. Der Österreicher kommt für eine Ablöse von 7,5 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt und hat für die nächsten drei Jahre – ohne Ausstiegsklausel – unterschrieben. Ein Blick auf die Daten von CREATEFOOTBALL zeigt: Die Borussen haben sich in der abgelaufenen Saison, verglichen zum ersten Jahr unter Rose, in nahezu allen Bereichen verschlechtert. 

Viele Gegentore, hohe Konteranfälligkeit 

Adi Hütter hat also auf der ‚Baustelle Borussia‘ viel Arbeit vor sich, das fängt bereits in der Defensive an. 56 Gegentore kassierten die Fohlen in den vergangenen 34 Bundesliga-Spielen, verspielten dazu unzählige Führungen. Das trug maßgeblich dazu bei, dass Gladbach gemeinsam mit Mainz die viertmeisten Gegentreffer in der Liga hatte. Im Schnitt musste Yann Sommer pro Spiel 1,65 mal hinter sich greifen, im ersten Jahr unter Rose waren es nur 1,18 mal (drittbester Wert). Auch unter Dieter Hecking war die Fohlenelf in der Abwehr deutlich sattelfester (1,24 Gegentore pro Spiel). 

Hinzu kommt eine extrem hohe Anfälligkeit nach Kontern, hier kassierte Borussia sieben Gegentreffer (höchster Wert der Liga). Die Abwehrreihe um Matthias Ginter und Nico Elvedi konnte auch nur 57,6 Prozent der Zweikämpfe gewinnen, das macht in der Gesamtabrechnung der Liga lediglich einen Relegationsplatz (16.). Das Problem besteht allerdings nicht nur in der letzten Kette vor Yann Sommer, sondern fängt bereits im defensiven Mittelfeld an. 

Neuzugang Koné könnte bereits ein wichtiger Baustein werden 

Christoph Kramer, Florian Neuhaus und Denis Zakaria weisen alle lediglich Zweikampfwerte um die 60 Prozent auf. Letztlich verlor das Trio im direkten Duell mit dem Gegenspieler einfach zu häufig. Eine weitere Baustelle: Borussia verliert in der eigenen Hälfte zu häufig den Ball, im Durchschnitt 18 mal pro Spiel (16. in der Liga). Mit Kouadio ‚Manu‘ Koné bekommen die Fohlen im Sommer auf jeden Fall eine Verstärkung, die für Stabilität im Mittelfeld sorgen soll, wenngleich er eher offensiv unterwegs ist. Der Franzose ist zwar noch recht jung (20 Jahre), spielt aber jetzt schon beim französischen Zweitligisten FC Toulouse groß auf. 

Koné greift nämlich, ähnlich wie Zakaria, den Gegner bereits sehr früh an und führt mit Abstand die meisten Offensivzweikämpfe in seiner Liga (15,2 pro Spiel). 3,5 Balleroberungen pro Partie unterstreichen diese Fähigkeit nochmals, seine Stärken liegen eben besonders in der Offensive. Er trägt die Bälle mit raumgreifenden Läufen und Dribblings durchs Mittelfeld und versucht im Angriffsdrittel die Mitspieler einzusetzen. Durch seine offensive Spielweise und die frühen Tacklings könnte Koné eben dafür sorgen, dass die Abwehrreihe der Fohlen deutlich entlastet wird weil die Zweikämpfe viel früher stattfinden. 

Dieser Spielertyp kommt dem bisherigen Stil von Adi Hütter sehr entgegen, denn der 51-Jährige ließ in Frankfurt sehr hoch und vor allem aggressiv den Gegner anlaufen, um so Pressingmomente zu erzwingen. Hohes Anlaufen und ein aggressives Angrifsspressing sind typisch für die vergangene Spielzeit der Eintracht unter dem Österreicher. Sobald Hütter der Defensive wieder Stabilität eingehaucht hat, geht es an die nächste Baustelle: Die Offensive. 

Hütter muss die Effektivität vor dem Tor wieder steigern 

Allen voran Alassane Pléa hat unter Marco Rose in der Chancenverwertung deutlich abgebaut. Unter Dieter Hecking konnte der Franzose noch fast ein Drittel seiner Abschlüsse verwerten (32%), in der ersten Saison unter Rose fiel dieser Wert bereits um ganze zehn Prozent zurück (22%). In der abgelaufenen Saison erzielte der 28-Jährige in der Bundesliga nur sechs Tore, seine Chancenverwertung fiel nochmals auf 19 Prozent zurück. 

Damit war Pléa einer der ungenauesten Stammspieler im Sturm, was aber auch darauf zurückzuführen ist, dass ihn seine Mitspieler nicht immer in Position bringen konnten. Deshalb versuchte es der Franzose häufiger aus der Distanz, den Fohlen mangelte es in der gefährlichen Zone nämlich oftmals an Zielstrebigkeit und Kreativität. Generell machte die komplette Mannschaft im Vergleich zur Saison unter Dieter Hecking in der Chancenverwertung einen Rückschritt. 

In der Spielzeit 2018/ 19 wurden knapp ein Drittel aller Chancen noch verwertet (30%), unter Rose waren es in der letzten Saison 27 Prozent. Marcus Thuram konnte sich in dieser Wertung allerdings im Gegensatz zu seiner ersten Saison verbessern, steigerte seine Effektivität von 26 auf starke 33 Prozent. Zudem entwickelte sich der Franzose zu einem der besten Dribbler in der Bundesliga, sucht rund sieben mal pro Spiel das direkte Duell mit dem Gegenspieler und ist auch in über jedem zweiten Versuch erfolgreich. 

Fokus auf das Mannschaftspressing 

In allen Werten, die uns CREATEFOOTBALL zur Verfügung stellte, haben sich die Fohlen verschlechtert. Lediglich die Mannschafts-Pressingaktionen konnten gesteigert werden. Zwar konnte Borussia hier einen Wert von rund 20 Aktionen pro Spiel aufweisen, die Effektivität ließ aber etwas nach (von 44% auf 41%). Doch auch hierauf wird Adi Hütter seinen Fokus legen, denn in Frankfurt spielte die Mannschaft sehr geschlossen gegen den Ball. 

Der Österreicher hat auf der ‚Baustelle Borussia‘ also alle Hände voll zu tun, denn in allen Bereichen muss Hütter seinem neuen Team wieder frisches Leben einhauchen. Dabei kann es tatsächlich helfen, dass er sich nicht direkt einer #Dreifachbelastung’ ausgesetzt sieht und sich voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren kann. Bei aller Freude über die Champions League war das nämlich ein Punkt, den auch schon Marco Rose monierte: Die Fohlen kamen einfach nicht dazu, neue Inhalte einzustudieren und legten den Fokus fast ausschließlich auf die Belastungssteuerung. Wir sind allerdings davon überzeugt, dass ‚Baustellenleiter‘ Hütter gemeinsam mit ‚Architekt‘ Max Eberl auf das erfolgreiche Fundament der letzten Jahr aufbauen und die Fohlen wieder in Richtung Europa führen kann…