ORDAN BEYER GEHÖRT BEI BORUSSIA DIE ZUKUNFT. AKTUELL SAMMELT ER BEIM HAMBURGER SV ERFAHRUNG. FOTO: DIRK PÄFFGEN, FOHLEN-HAUTNAH.DE

Seit Januar diesen Jahres spielt Jordan Beyer auf Leihbasis beim Hamburger SV. Unter Ex-Borussen-Coach Dieter Hecking sollte der „Sprössling“ von Borussia Mönchengladbach vermehrt Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln. Ein Plan, der bisher voll aufgegangen ist. Im Interview mit unserer Redaktion spricht der 19-Jährige unter anderem über seine bisherige Zeit bei den ‚Rothosen‘, das Verhältnis zu Dieter Hecking und über seine Zukunftsplanung.

Fohlen-Hautnah: Jordan, zunächst die gerade in diesen Tagen wichtigste Frage: Wie geht es Dir?

Jordan Beyer: Mir geht es ganz gut. Natürlich ist die Situation derzeit alles andere als schön und auch etwas komisch, aber ich versuche das Beste daraus zu machen. 

Fohlen-Hautnah: In Deutschland steht das Leben nahezu still. Eine völlig neue Situation auch für Dich. Wie gehst Du damit um?

Jordan Beyer: Es gab für mich ja bisher Gott sei Dank nichts Vergleichbares, an dem man sich orientieren kann. Deshalb ist das schwer zu beantworten. Ich nehme die Situation an und halte mich an die Weisungen der Bundesregierung. Das sollten wir auch alle tun, damit hoffentlich bald wieder bessere Zeiten kommen.

Fohlen-Hautnah: Wie sah bisher in diesen Tagen Dein Alltag aus, um vor allem Langweile zu vermeiden?

Jordan Beyer: Meine Freundin lebt jetzt auch bei mir in Hamburg, was mich sehr freut. So bin ich nicht mehr alleine und kann viel Zeit mir ihr verbringen. Ansonsten lese sich viel und spiele auf der PlayStation.

Fohlen-Hautnah: Wie verarbeitest Du es mental, nicht wie gewohnt rausgehen zu dürfen und was vermisst Du am meisten?

Jordan Beyer: Ich vermisse einfach den ganz normalen Alltag. Rausgehen zu können, wie ich es gewohnt bin, mal ins Restaurant gehen, sich einfach mal in die Stadt in ein Café setzen – das fehlt einfach. Aber die Maßnahmen müssen jetzt so sein, wie sie sind.

Fohlen-Hautnah: Verfolgst Du jeden Tag in den Medien, was rund um den Corona-Virus passiert?

Jordan Beyer: Man wird ja jeden Tag in den Medien damit konfrontiert. Ich schaue mir jetzt nicht jede Sondersendung an, aber wenn es neue Entwicklungen gibt, informiere ich mich natürlich darüber. 

Fohlen-Hautnah: Wie habt ihr während der „Homeoffice-Zeit“ untereinander Verbindung gehalten?

Jordan Beyer: Wir haben von unserem Athletiktrainer Trainingspläne bekommen, vom Trainer haben wir diverse Videos zugeschickt bekommen. Zudem hatten wir auch Videokonferenzen mit der Mannschaft und dem Trainer.

Fohlen-Hautnah: Kommen wir mal zum Sportlichen. Mittlerweile wird beim HSV wieder trainiert. Eine Tatsache, die endlich wieder Abwechslung bringt und die Dich erfreuen dürfte. Wie ist es, wieder auf dem Platz stehen zu können und wie hast Du Dich bisher für den Tag X fit gehalten? Dieter Hecking hat von einer App gesprochen…

Jordan Beyer: Wir haben Lauf und Trainingspläne bekommen, nach denen wir zuhause gearbeitet haben. Die Ergebnisse haben wir dann in eine spezielle App hochgeladen, damit unser Athletiktrainer sie überprüfen konnte. Generell war es aber schwierig, sich fit zu halten, weil keiner auf so eine Situation vorbereitet war. Aber wir haben das alle ganz gut hinbekommen. Dass wir jetzt zumindest in kleinen Gruppen und unter Einhaltung von Auflagen wieder auf dem Platz stehen dürfen, ist natürlich super. Das ist schonmal ein kleiner Schritt zurück in den Alltag. Es tut gut, mal wieder aus den eigenen vier Wänden rauszukommen und was zu machen.

Fohlen-Hautnah: Hattest Du schon die Möglichkeit, die wirklich tolle Stadt Hamburg zu genießen und zu erkunden?

Jordan Beyer: So richtig noch nicht. Da habe ich im letzten Sommer, als ich mit meinen Eltern zwei Tage in Hamburg zu Besuch war, wesentlich mehr gesehen als in der aktuellen Zeit. Ich muss aber auch sagen, dass es alleine nicht so viel Spaß macht. Jetzt ist meine Freundin ja da und dann werde ich mit ihr die Stadt erkunden, wenn es wieder möglich ist. 

Fohlen-Hautnah: Hamburg ist eine Millionenstadt und das Leben dort sicherlich „schneller“ als in Mönchengladbach – Wie hast Du dich eingelebt und wie groß war die Umstellung für Dich?

Jordan Beyer: Am Anfang war es schon eine Umstellung, weil ich noch nie so weit weg von meinem gewohnten Umfeld und meiner Familie gewohnt habe. Das hat sich aber mittlerweile eingespielt. Ich hatte zuvor noch nie in einer Großstadt gewohnt. Ich komme aus der Kleinstadt Kempen (Kreis Viersen, Anm. D. Red.). Und wenn man wie ich vom Land kommt, dann ist es schon etwas anderes, inmitten so einer Großstadt zu wohnen. Aber es hat schon was. Hamburg ist eine tolle Stadt. 

Fohlen-Hautnah: In Deutschland war Borussia der erste Klub, bei dem die Profis und auch Verantwortliche auf Gehalt verzichtet haben, auch die Fans unterstützen den Klub. Auch beim HSV ist ein Gehaltsverzicht eine Option…

Jordan Beyer: Natürlich habe ich das mitbekommen. Das ist ein tolles Zeichen und starkes Signal, das in diesen für alle schweren Zeiten gesendet wurde. Hier beim HSV stehen wir einem Gehaltsverzicht ebenfalls von Anfang an offen gegenüber und befinden uns im engen Austausch mit dem Vorstand und den Verantwortlichen. Wenn wir als Spieler dem Verein und den Mitarbeitern helfen können, tun wir das sehr gerne. 

Fohlen-Hautnah: Apropos HSV. Im Trainingslager der Borussia in Jerez sah es noch nicht so aus, als würdest Du verliehen werden. Wie kam dann genau der Wechsel zustande?

Jordan Beyer: Zuerst sollte ich bei Borussia bleiben. Dann haben wir uns aber nochmal zusammengesetzt und die Dinge besprochen. Dieter Hecking hat zudem mit Max Eberl gesprochen, wie er sich das mit mir vorstellt. Dann ging alles sehr schnell. Ich bin sonntags mit Borussia aus Spanien gekommen. Montags habe ich dann mit Marco Rose gesprochen und es war für mich schnell klar, dass der HSV für meine Entwicklung als Spieler eine sehr gute Option ist. Zwölf Stunden später war ich dann beim HSV im Trainingslager in Portugal.

Fohlen-Hautnah: Inwieweit hat Dieter Hecking bei der Ausleihe eine Rolle gespielt?

Jordan Beyer: Natürlich hat er eine große Rolle gespielt. Dieter Hecking ist der Trainer, der mir zum Bundesliga-Debüt und dazu verholfen hat, dass ich im Profi-Fußball richtig starten konnte. Dafür bin ich ihm dankbar. Und gerade im Winter ist es natürlich wichtig, dass so ein Wechsel schnell fruchtet, weil man nicht viel Zeit zur Vorbereitung und Eingewöhnung hat. Ich kenne den Trainer und seine Abläufe. Das hat die Sache natürlich erleichtert. So hat sich das beim HSV bisher bestätigt, was wir uns alle erhofft haben.

Fohlen-Hautnah: Man muss kein großer Hellseher sein um zu wissen, dass Dein Verhältnis zu Dieter Hecking sehr gut ist…

Jordan Beyer: Absolut, das ist top. Man kann immer auf ihn zugehen, jederzeit mit ihm reden und er unterstützt dich in allen Situationen. Das ist gerade auch für einen jungen Spieler wichtig. Er ist immer ehrlich, gibt dir viele Tipps und es ist klar, was er von einem sehen will. 

Fohlen-Hautnah: Was macht Dieter Hecking anders als Marco Rose oder was vereint sie vielleicht auch?

Jordan Beyer: Das ist schwer zu sagen. Beide sind Top-Trainer. Jeder hat seine Herangehensweise und Philosophie. Beide Trainer wollen einen offensiven Außenverteidiger, was heutzutage generell gefordert ist. Bei mir merkt man vielleicht, dass ich aus der Innenverteidigung komme. Ich bin eher der, der die Seiten zumacht, der aber auch den Weg nach vorne findet. Aber ich laufe jetzt nicht konstant die Linie rauf und runter.

Fohlen-Hautnah: Ist so ein Leihgeschäft eher Druck oder Motivation? Du willst dich ja bei Borussia anbieten…

Jordan Beyer: Ein Leihgeschäft kann für beide Seiten immer eine gute Lösung sein. Man kann regelmäßig Spielpraxis sammeln, die man vielleicht bei seinem Stammverein nicht in der Form bekommen hätte und man kann auf sich aufmerksam machen. Das versuche ich beim HSV. Ich hoffe, dass mich diese Leihe zu einem erfahreneren und besseren Spieler macht. Wenn eine Leihe gut läuft, ist sie immer von Vorteil. 

Fohlen-Hautnah: Apropos. Bisher lief es beim HSV genauso wie gewünscht. Bis auf eine Ausnahme hast Du bisher alle Spiele über die volle Distanz absolviert. Du dürftest also zufrieden sein…

Jordan Beyer: Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. In zwei Spielen habe ich nicht das abgeliefert, was ich eigentlich kann. Aber das gehört zu einer Saison dazu, dass man nicht immer auf seinem Top-Niveau spielt. Grundsätzlich bin ich natürlich sehr glücklich darüber, dass ich bis jetzt alle Spiele spielen durfte. Ich hoffe, dass es so weitergeht. 

Fohlen-Hautnah: Spielst Du beim HSV der Position, auf der Du Dich selbst auch am ehesten siehst?

Jordan Beyer: Ich bin eigentlich gelernter Innenverteidiger. Aber Rechtsverteidiger liegt mir auch. Generell spiele ich eh da, wo ich gebraucht werde. Hauptsache, ich darf spielen. 

Fohlen-Hautnah: Wie wurdest Du von der Mannschaft aufgenommen?

Jordan Beyer: Die Mannschaft hat es mir leicht gemacht, mich einzuleben. Ich hatte vom ersten Tag an ein sehr gutes Gefühl. Ein paar Jungs kannte ich schon von den Jugend-Nationalmannschaften, das hat auch geholfen.

Fohlen-Hautnah: Hast Du eigentlich auch ein Vorbild?

Jordan Beyer: Ich habe zwei Vorbilder. Sergio Ramos und Christiano Ronaldo. Ronaldo, weil er ein herausragender Fußballer und Profi ist. Ihm zuzuschauen, ist eine Augenweide. Gerade bei Manchester United und Real Madrid fand ich ihn klasse. Er ist einfach ein klasse Fußballer und guter  Typ. Er macht vor allem auch viele gemeinnützige Dinge, das finde ich super. Und Sergio Ramos hat diese Mentalität als Verteidiger, die ich herausragend und erstaunlich finde. 

Fohlen-Hautnah: Hast Du noch Kontakt zur Borussia und hast du das Geisterderby gegen Köln verfolgt? Es könnten ja weitere Spiele ohne Zuschauer hinzukommen…

Jordan Beyer: Ich tausche mich regelmäßig mit Borussia aus, wie die Situation gerade ist. Zudem spreche und telefoniere ich viel mit Eugen Polanski. Er beobachtet meine Spiele sehr intensiv, bespricht sie dann mit mir und gibt mir Tipps, was ich noch besser machen kann. Das Geisterderby habe ich gesehen. Es war schon komisch. Vor dem Fernseher ist es natürlich nochmal etwas anderes, als wenn man selbst im Stadion ist oder als Spieler auf dem Feld steht. Es fehlte einfach was. Es hatte einen Hauch von einem gefilmten Trainingsspiel oder einem Abschlusstraining im leeren Stadion. Es kamen keine richtigen Emotionen rüber. Aber in der jetzigen Zeit sind Spiele ohne Zuschauer absolut unumgänglich und alternativlos. Ich wünsche mir natürlich und hoffe, dass wir alsbald wieder in vollen Stadien spielen können.

Fohlen-Hautnah: Wenn Du die Stadien schon ansprichst. Wie erlebst Du die Stimmung beim HSV und wie ist sie im Vergleich zum Borussia-Park?

Jordan Beyer: Beide Klubs sind Traditionsvereine mit einer großen Fanszene. Ich kenne nun beide Stadien und kann sagen, dass in beiden Stadien eine geile Stimmung herrscht. Ich bin Gladbach-Fan, aber die Stimmung im Volkspark ist auch klasse. Vor allem beim Derby gegen St. Pauli – wie laut es da am Anfang war, das war schon klasse. Vergleichbar mit der Stimmung im Borussia-Park beim Derby gegen Köln.

Fohlen-Hautnah: Die Liga pausiert zunächst bis Anfang Mai. Hast Du Hoffnung, dass die laufende Spielzeit noch irgendwie zu Ende gespielt werden kann und wie wichtig wäre das generell?

Jordan Beyer: Wir wünschen uns alle, dass die Saison noch zu Ende gespielt werden kann. Das wäre enorm wichtig für die Vereine. Und auch wir Spieler wollen natürlich noch mal auf den Platz.  Aber ob und wie, liegt nicht in meiner oder unserer Verantwortung. Ich weiß nicht, wie schnell das realisierbar und vor allem gesundheitlich vertretbar ist. Da muss man die Entwicklung abwarten, was die Bundesregierung und die DFL entscheiden. Es wäre schön, wenn wir bald generell wieder spielen könnten. Aber die Gesundheit steht an erster Stelle.

Fohlen-Hautnah: Wäre es auch eine Option, beim Aufstieg länger beim HSV zu bleiben oder steht das in keinster Weise zur Diskussion?

Jordan Beyer: Darüber haben wir bisher nicht gesprochen, weil keiner so richtig weiß, wann und wie die Saison weitergeht. Aktuell hoffen wir alle, dass wir bald wieder Fußball spielen können. Alles andere wird sich dann ergeben.

Fohlen-Hautnah: Gehen wir davon aus, Du kommst zurück. Wie siehst Du dann nächste Saison Deine Chancen bei Borussia? Muss Borussia in drei Wettbewerben spielen, damit Du auf Einsatzzeit kommst?

Jordan Beyer: Ich hoffe natürlich, dass die Aussichten besser wären, als letztes Jahr und dass ich trotzdem auf Einsatzzeiten kommen würde, auch wenn es keine drei Wettbewerbe sind. Die Hinrunde mit so wenigen Spielen war schon schwer für mich. Aber ich denke positiv und werde weiterhin alles geben.

Fohlen-Hautnah: Dein Vertrag läuft zwar noch bis 2022. Kannst Du Dir vorstellen, darüber hinaus bei Borussia zu bleiben und Deinen Vertrag vorzeitig zu verlängern?

Jordan Beyer: Das würde ich sehr gerne. Aber das entscheide nicht nur ich. Da gehört auch Borussia zu. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, über 2022 hinaus zu bleiben. Da bin ich sehr offen für. Ich verbinde sehr viel mit Borussia.

Fohlen-Hautnah: Was denn genau?

Jordan Beyer: Ich komme aus der näheren Umgebung und war früher schon oft im Stadion. Dann selber für den Verein zu spielen, von dem man auch Fan ist, ist schon ein Traum. Es war ein geiles Gefühl, als ich das erste Mal auf dem Platz stand. Das Spiel gegen Leverkusen werde ich nie vergessen.

Fohlen-Hautnah: Wie sehen abschließend Deine Pläne für die Zukunft aus?

Jordan Beyer: Es gilt jetzt erstmal die Corona- Krise zu überstehen, dass alle gesund bleiben und hoffentlich bald wieder zur Normalität übergehen können. Dann können wir hoffentlich bald auch wieder Fußball spielen. Ich möchte ich mit dem HSV unser Ziel erreichen und gute Spiele absolvieren. Alles andere wird dann die Zukunft zeigen.