Jordan Beyer wartet bei Borussia noch auf seinen ersten Saisoneinsatz. Foto: Dirk Päffgen.

Seit fast sechs Jahren schnürt Jordan Beyer nun die Schuhe für Borussia Mönchengladbach. In dieser Zeit hat sich der gebürtige Niederrheiner aus dem Fohlenstall bis in den Profikader hochgearbeitet. Zwölf Bundesligaeinsätze stehen bisher auf der Habenseite. Doch der 20-Jährige will mehr. Im Interview mit unserer Redaktion spricht der Innenverteidiger unter anderem über seine derzeitige Situation, seine Corona-Infektion und seine Zukunftsplanung.

Fohlen-Hautnah: Jordan, Du hast in der Rückrunde 2020 beim Hamburger SV viel Spielzeit bekommen und kamst mit etwas Rückenwind zurück zu Borussia. Die Saison verlief bisher für Dich aber eher enttäuschend, bei den Profis hast Du noch keine Minute gespielt. Wie schwierig ist die Situation für Dich?

Jordan Beyer: Mein letztes Pflichtspiel im Profibereich liegt nun schon einige Zeit zurück, das stimmt. Das war im Juni des vergangenen Jahres mit dem Hamburger SV gegen Heidenheim. Natürlich ist das keine einfache Situation für mich. Aber ich muss einfach dranbleiben und im Training alles geben. Dann wird hoffentlich bald der nächste Einsatz dazukommen.

Fohlen-Hautnah: Im Winter stand ja auch eine erneute Ausleihe bei Dir im Raum. Gab es generell Gespräche mit anderen Vereinen und was hat Dich dann in den Gesprächen mit Marco Rose überzeugt, doch nicht zu wechseln?

Jordan Beyer: Ich glaube, der Trainer (Marco Rose, Anm. d. Red.) hat es auf einer Pressekonferenz sehr gut beschrieben: Beide Seiten konnten wenig dafür, dass es für mich mit Einsatzzeiten bisher nicht so geklappt hat. Ich war mit dem Corona-Virus infiziert und dadurch lange außer Gefecht. Dann haben wir überlegt, ob Borussia mich für die Rückrunde ausleiht, damit ich Spielpraxis sammeln kann. Wir sind dann aber relativ schnell übereingekommen es nicht zu machen, weil der Verein weiter mit mir plant. Natürlich kann ein Verein niemals per se eine Einsatzgarantie erteilen, die muss man sich als Spieler erarbeiten. Aber natürlich hoffe ich, dass es in der Rückrunde für mich besser läuft als in der Hinrunde.

Fohlen-Hautnah: Gab es denn generell Interesse von anderen Klubs? Beispielsweise ist Dein Förderer Dieter Hecking ja aktuell bekanntlich Sportvorstand beim 1. FC Nürnberg…

Jordan Beyer: Es gab Interesse von anderen Vereinen. Konkret wurde da aber nichts weil Borussia schnell gesagt hat, dass der Verein mit mir plant. 

Fohlen-Hautnah: Marco Rose hat im Januar deutlich gesagt, dass Du noch auf Spielzeit kommen kannst aber auch gefordert, dass Du Dich weiter reinhängst. Wie schwierig ist es im Training den Trainer von sich selbst zu überzeugen?

Jordan Beyer: Einfach ist das insofern nicht, weil wir in der Rückrunde sehr viele Engliche Wochen haben und somit weniger trainieren. Die Regeneration und das jeweilige Abschlusstraining stehen in der Woche im Vordergrund. Da kann ich mich natürlich nicht in der Form präsentieren, wie ich mir das wünsche. Aber so sind eben die Umstände. Ich muss trotzdem dranbleiben, in diesen Einheiten alles aus mir rausholen, auf mich aufmerksam machen und mich dem Trainer zeigen. Dann bekomme ich hoffentlich auch bald eine Chance in einem Spiel.

Fohlen-Hautnah: Sieht Du in diesem Zusammenhang noch Dinge, an denen Du verstärkt arbeiten musst, so dass Marco irgendwann nicht mehr an Dir vorbeikommt…

Jordan Beyer: Grundsätzlich gibt es immer Dinge, die man verbessern kann. Es ist schwierig, da jetzt eine Sache rauszupicken. Ich bin noch lange kein perfekter Spieler und kann überall noch eine Schippe drauflegen. Daran arbeite ich jeden Tag.

Fohlen-Hautnah: Zuletzt hast du bei der 1:5-Niederlage der U23 beim BVB II 64 Minuten gespielt. Wie wichtig sind solche Einsätze für Dich, auch wenn ihr verloren habt?

Jordan Beyer: Natürlich tun solche Einsätze insofern gut, als dass man Wettkampfpraxis bekommt. Sicherlich ist das ein anderes Niveau als das in der Bundesliga oder auch 2. Liga, aber es ist gut für mich, weil ich so in den Spielrhythmus kommen kann. Ich hoffe aber natürlich, dass das nicht der Alltag wird, sondern dass ich irgendwann auch wieder bei den Profis mitspielen kann.

Fohlen-Hautnah: Während der Englischen Wochen wurde in der Hinrunde ordentlich rotiert, lediglich in der Verteidigung sieht das etwas anders aus. Nico Elvedi sagte kürzlich im Interview mit unserer Redaktion, dass das Pensum als Verteidiger, vor allem als Innenverteidiger, ein völlig anderes ist. Denkst Du, es ist ein Stück weit schwieriger, als Verteidiger auf seine Spielpraxis zu bekommen, weil man da vielleicht eingespielter sein muss?

Jordan Beyer: Ja, absolut. Man muss aber auch dazu sagen, dass Nico Elvedi und Matthias Ginter zwei Weltklasse-Innenverteidiger sind, die überragend spielen und sehr wichtig für unsere Mannschaft sind. Das darf man nicht vergessen. Die beiden machen Woche für Woche einen überragenden Job. Dazu hat Nico Recht. Als Innenverteidiger hast du nicht ein solches Pensum, wie es zum Beispiel ein Offensivspieler hat. Deshalb kann man die Englischen Wochen als Innenverteidiger gut durchhalten und es ist da weniger von Nöten, jede Woche zu rotieren. Dennoch hoffe ich natürlich, dass es mal dazu kommt, damit ich spielen kann. Grundsätzlich ist das aber etwas schwieriger als im Offensivbereich. 

Fohlen-Hautnah: In diesem Zusammenhang. Siehst Du Dich in Zukunft eher in der Innenverteidigung oder als Rechtsverteidiger?

Jordan Beyer: In der Innenverteidiger fühle ich mich etwas besser aufgehoben. Ich denke, dass es mir zugutekommt, wenn ich in der Zentrale spiele. Natürlich ist es als Verteidiger immer gut, auf mehreren Positionen spielen zu können. Ich kann auch rechts spielen, aber wohler fühle ich mich in der Mitte. Ich würde aber natürlich nicht ‚nein‘ sagen, wenn ich als Rechtsverteidiger gebraucht werde. 

Fohlen-Hautnah: Welche Ziele hast Du persönlich noch für die Rückrunde?

Jordan Beyer: Ich werde weiter hart arbeiten und möchte mich dem Trainer empfehlen. Dann hoffe ich natürlich, dass ich noch auf den einen und anderen Einsatz in der Bundesliga komme. Ich möchte allen zeigen, dass ich ein guter Fußballer bin. Wichtiger ist aber in Bezug auf unsere Mannschaft, dass wir im DFB-Pokal so weit wie möglich kommen, die Champions-League-Spiele gegen Manchester City genießen und dort das Bestmögliche rausholen, und dass wir in der Bundesliga in der Tabelle am Saisonende soweit wie möglich oben stehen.

Fohlen-Hautnah: Du hast es schon angesprochen. Bundesliga, DFB-Pokal und auch Champions League – Borussia ist in allen drei Wettbewerben noch aussichtsreich vertreten, wenngleich die Aufgabe gegen Manchester City keine einfache ist. Was glaubst Du, ist in dieser Saison noch möglich?

Jordan Beyer: Wenn man nicht daran glaubt, gegen Manchester City eine Runde weiterzukommen oder auch das Pokalfinale zu erreichen, dann braucht man solche Spiele gar nicht erst spielen. Natürlich ist ManCity eine extrem schwierige Aufgabe, aber sie ist auch nicht unlösbar. Wir hatten Real Madrid zuhause und Inter Mailand auswärts am Rande einer Niederlage und haben dann am Ende leider jeweils Unentschieden gespielt. Es ist auch gegen ManCity kein Ding der Unmöglichkeit weiterzukommen. Im DFB-Pokal ist die Chance dieses Jahr auch groß, zumindest schonmal ins Endspiel zu kommen. Natürlich müssen auch die Spiele bis dahin erstmal gespielt werden, aber mit dem FC Bayern und Bayer Leverkusen sind zwei heiße Anwärter auf den Titel ausgeschieden. Wie gesagt: Es ist keine Utopie, dass wir auch da sehr weit, vielleicht sogar bis zum Titel, kommen können. Wir haben in dieser Saison schon einen guten Schritt gemacht und können mit Selbstvertrauen an diese Aufgaben rangehen.

Fohlen-Hautnah: Apropos Champions League. Aufgrund der Corona-Pandemie und der Einreiseproblematik von England nach Deutschland wird Borussia ihr Heimspiel nach Budapest verlegen müssen. Im Moment ist das relativ egal, weil keine Fans in den Stadien vertreten sind. Ist es dennoch ein Nachteil, wenn man sein Heimrecht abgeben muss?

Jordan Beyer: Natürlich ist es generell schöner, im Borussia-Park und da mit unseren Fans im Rücken zu spielen, weil es auch so ein Spiel einfach verdient hat und das natürlich auch einen Schub gibt. Aber die bekannten Umstände erlauben das zur Zeit nicht, das muss man akzeptieren. Wir sind froh, dass wir überhaupt Fußballspielen dürfen und die Freude überwiegt, dass wir im Achtelfinale der Champions League stehen.

Fohlen-Hautnah: Du warst ja auch mit dem Corona-Virus infiziert und relativ lange außer Gefecht. Wie ist es Dir in dieser Zeit ergangen und bist Du wieder vollständig genesen? Die Infektion hat Dich ja offenbar dich schon mitgenommen und zurückgeworfen.

Jordan Beyer: Ich bin Gott sei Dank vollständig genesen. Bis das der Fall war, sind aber knapp drei Monate vergangen. Das war insgesamt keine gute Zeit für mich – fußballerisch und gesundheitlich. Ich kann nur jedem raten, das Corona-Virus nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Infektion war schon deutlich schlimmer als eine herkömmliche Grippe. Es ist wirklich nicht schön, mit Covid-19 infiziert zu sein. Ich habe lange gebraucht, bis ich mich davon erholt habe. Es bleibt zu hoffen, dass man das Virus mit dem Impfstoff schnell in den Griff bekommt.

Fohlen-Hautnah: Das Virus ernst zu nehmen, da kann man sich Deinem Rat „nur“ anschließen. Da sollte und muss es auch Warnung genug sein, dass es eben auch einen so jungen Menschen und durchtrainierten Sportler wie Dich, in der Form treffen kann… 

Jordan Beyer: Absolut. Ich selbst gehe jetzt mit dem Thema auch nochmal viel sensibler um. Im vergangenen Sommer sah es ja danach aus, dass man das Virus nach dem ersten Lockdown mehr oder weniger im Griff hätte. Die Thematik war nicht mehr so allgegenwärtig und ich muss gestehen, dass dadurch auch etwas entspannter damit umgegangen bin. Zwar hat man jeden Tag in den Nachrichten die Infektionszahlen gesehen, aber es war eben nicht so richtig greifbar. Erst als ich dann selber infiziert war, wurde mir bewusst, dass es eben jeden, auch einen jungen Menschen und Profisportler wie mich, treffen kann. Spätestens seit diesem Zeitpunkt rate ich jedem, mit diesem Thema sehr sensibel umzugehen und sich strikt an die geltenden Regeln zu halten. So verhalte ich mich auch. Ich trage stets meine Maske, desinfiziere mir regelmäßig die Hände und halte ausreichend Abstand zu anderen Personen, denn ich möchte auf keinen Fall noch einmal mit dem Virus infiziert werden. Das wünsche ich auch keinem. 

Fohlen-Hautnah: Kommen wir mal wieder zum Sportlichen. Die Spiele gegen Bayern und Dortmund haben gezeigt, dass in der Mannschaft auch ein unglaublicher Spirit steckt. Wie wichtig ist es, dass alle an einem Strang ziehen und ein gemeinsames Ziel verfolgen?

Jordan Beyer: Natürlich ist es wichtig, dass wir uns innerhalb der Mannschaft untereinander vertrauen, uns gegenseitig unterstützen und an uns glauben. Die Mannschaft steht immer über jedem einzelnen Spieler. Denn wenn du elf Einzelspieler hast, die sich untereinander nicht verstehen, kannst du keinen Erfolg haben. Ich denke, für die Zuschauer und unsere Fans ist es schön anzusehen, wie wir uns als Mannschaft präsentieren, untereinander unterstützen und füreinander kämpfen. Wenn man dann einmal auf die Erfolgswelle kommt, macht es natürlich umso mehr Spaß. Wir hoffen natürlich, dass es so weitergeht und wir das bis zum Saisonende durchziehen können.

Fohlen-Hautnah: Du bist nun knapp sechs Jahre bei der Borussia. Was ist der Klub mittlerweile für Dich und was würdest Du einem jungen Spieler sagen, der auch die Möglichkeit hat, zum VfL zu wechseln beziehungsweise zu kommen?

Jordan Beyer: Dass er das machen soll. Borussia war und ist schon immer ein Teil von mir. Ich spiele zwar seit sechs Jahren bei Borussia, aber ich bin ja seit der Kindheit Fan vom Verein und bin früher mit meinen Kumpels in die Nordkurve gegangen. Ich glaube, so familiär und harmonisch wie hier, geht es in wenigen Vereinen zu. Man ist Teil einer großen Familie. Es macht einfach Spaß, hier Fußball zu spielen. Ich fühle mich hier sehr wohl, Borussia ist mein zweites Zuhause. Insofern würde ich es jedem raten, diesen Schritt zu gehen, wenn er die Möglichkeit hat, bei Gladbach zu spielen.

Fohlen-Hautnah: Du hast deine Leidenschaft zur Borussia durchklingen lassen. Kannst Du das Gefühl beschreiben wie es ist, nun selber in den Stadion auf dem Rasen zu stehen, in dem man früher in der Fankurve gestanden hat?

Jordan Beyer: So richtig kann man das gar nicht beschreiben. Früher war ich mit meinen Kumpels und der Familie im Stadion. Jetzt stehe ich auf dem Platz und sie immer noch in der Nordkurve. Sie drücken mir und uns die Daumen. Das ist schon ein extrem cooles Gefühl. Natürlich ist es ein Traum, für seinen Heimatverein zu spielen. Ich komme aus der Gegend (Kempen im Kreis Viersen, Anm. d. Red) und bin nur eine halbe Stunde vom Stadion entfernt geboren – besser geht es ja kaum.

Fohlen-Hautnah: Du hast noch einen Vertrag bis zum Sommer 2022. Hast Du Dir schon Gedanken über Deine Zukunft gemacht und kannst Du Dir vorstellen, bei Borussia zu verlängern?

Jordan Beyer: Natürlich habe ich mir schon ein paar Gedanken gemacht. Ich kann mir durchaus vorstellen, meinen Vertrag zu verlängern, gar keine Frage. Ob es dann so kommt und ob es für die weitere Karriere sinnvoll ist, wird man im Sommer sehen. Ich werde mich dann mit dem Verein zusammensetzen. Aber der Sommer ist noch weit weg. Bis dahin werde ich alles geben und möchte mit der Mannschaft das Bestmögliche erreichen.

Fohlen-Hautnah: Und was möchtest Du generell in Deiner Karriere noch alles erreichen?

Jordan Beyer: Mein Nahziel ist es, dass ich in der Bundesliga Fuß fassen kann und nach nicht so ganz einfachen Jahren richtig ans Spielen komme.

Fohlen-Hautnah: Abschließend. Welche Schlagzeile würdest Du gerne am Saisonende über Dich oder Borussia lesen wollen? 

Jordan Beyer: Eine gute Frage. „Borussia gewinnt das Triple“, das wäre natürlich optimal (Grinst).