Jordan Beyer hatte seinen ersten Arbeitstag als offizieller Bundesligaspieler am Samstagabend gegen 21:30 Uhr beendet. Da erschien er geduscht in der Mixed Zone, nachdem er zuvor ebenso wie Jonas Hofmann zur Dopingprobe antreten musste.

Dort hatte Beyer zuvor rund eine Stunde Zeit, die Ereignisse, die sich seit 18:30 Uhr abgespielt hatten, zu verarbeiten. Doch so richtig im Hier und Jetzt war Beyer noch nicht. Das sah man dem 18-jährigen, der sich gerade seinen Traum erfüllt hatte, an. »Man ist es gewohnt in der U19-Bundesliga vor 100 Leuten zu spielen. Jetzt spielt man hier vor 54.000 tollen Fans. Das ist unglaublich. Ich habe es noch nicht wirklich realisiert und kann es immer noch nicht in Worte fassen«, gestand er. 

»Kann mich bei den Fans nur bedanken« 

Für seine Gefühle vor dem Anpfiff fand er allerdings die passende Umschreibung. »Also im Spielertunnel, das muss ich sagen, wäre ich fast zusammengebrochen. Als das Spiel dann losgegangen ist und mir die erste Aktion gelungen ist und das von den Fans beklatscht wurde, ging es einfacher. Die Nervosität ist auch durch meine Mitspieler, die mich da mitgerissen haben, relativ schnell verflogen«, so der gebürtige Kempener, der von seinen Jungs aus der Heimat und der Familie im Stadion unterstützt wurde. »Die meisten waren im Stadion. Meine ganze Familie und die Großeltern waren da.« Der Rest des Publikums beklatschte jede gelungene Aktion des Debütanten und gab Beyer somit mehr und mehr Selbstvertrauen. »Ich kann mich bei den Fans für so eine tolle Unterstützung direkt im ersten Spiel nur bedanken. Das hat mir auch einiges erleichtert«, sagte Beyer.

Hecking: »Er hat eine sehr stabile Form gezeigt« 

Auf der rechten Abwehrseite bekam er es vor allem mit Bailey und Wendell zu tun. Bis auf die Großchance von Bailey, der den Ball gegen die Latte köpfte und sich im Rücken von Beyer davonschleichen konnte, spielte Beyer einen sehr souveränen und abgeklärten Part. »Er hat es dem Gegenspieler gegen den Ball sehr schwer gemacht. Er war immer dran, immer da, auch wenn nicht immer alles geklappt hat. Das ist bei der Qualität der Gegenspieler aber normal. Mich hat sehr gefreut, dass er bei eigenem Ballbesitz die Ruhe am Ball hatte. Er hat eine sehr stabile Form gezeigt«, lobte Hecking seinen Schützling nach der Partie. 

»Ein super Privileg«

Über seine prominenten Gegenspieler sagte Beyer selbst folgendes: »Letztendlich sind wir alle Fußballer. Aber klar haben die eine andere Klasse als andere Spieler. Es ist ein super Privileg, gegen diese Spieler spielen zu dürfen, aber an solchen Aufgaben wächst man ja auch.« Beyer zeigte keine Scheu und wurde von seinen Mitspielern immer wieder gesucht. »Es wurde von allen Seiten gesagt, dass ich zeigen soll, was ich kann und volle Rückendeckung habe. Da fühlt man sich natürlich auch befreiter, vor allen Dingen, wenn die Mitspieler einen immer wieder versuchen ins Spiel einzubinden. Dann ist es für mich auch einfacher, meine Qualitäten zu zeigen. Ich hoffe, dass ich der Mannschaft heute helfen konnte, diesen 2:0 Sieg einzufahren«, bilanzierte Beyer.

Eines seiner beiden Trikots hat er bei seiner Bundesliga-Premiere übrigens nicht mit einem Leverkusener getauscht. »Das eine habe ich Uwe Kamps gegeben, er hatte mich gefragt. Und das hier ist für meine Eltern, das kommt nach Kempen«, verriet Beyer im Kabinengang. Dann verabschiedete er sich von den Journalisten, um die Treppen hoch zum VIP-Bereich zu nehmen. Dort warteten seine neun Kumpels bereits, die ihn der Reihe nach abklatschten, um ihn zu beglückwünschen.