Jens Castrop war zuletzt einer der Aktivposten. Foto. Dirk Päffgen
Bei den Bayern möchte Borussia am Freitagabend an die gute Leistung der Vorwoche anknüpfen. Dass der Rekordmeister enorme Qualitäten hat, ist auch bei den Fohlen unbestritten. Eugen Polanski will die Münchner dennoch »ärgern«.
Nach zuletzt sieben Spielen ohne Sieg fühlte sich der Erfolg für Borussia Mönchengladbach gegen Union Berlin fast schon wie ein Befreiungsschlag an. Aber auch nur fast, denn die Konkurrenz landete ebenfalls entsprechende Ergebnisse. Borussia war also unter Druck und hielt diesem vorerst Stand. »Wir müssen uns bewusst machen, dass wir im Abstiegskampf bestehen können – wie wir es zuletzt gegen Union gezeigt haben: Druck ausgehalten, Stand gehalten und immer weiter gemacht«, sagte Rouven Schröder.
Borussias Sportchef weiß aber auch, dass die Borussen gegen den FCB nochmals eine Schippe drauflegen müssen und es eines »überragenden Tages« bedarf. Diesen hatten die Fohlen vor über drei Jahren, als es den letzten ‚Dreier‘ in der bayrischen Landeshauptstadt gab. »Man kann nur dann etwas mitnehmen, wenn über 90 Minuten alles passt. Die Bayern sind herausragend, aber gerade in solchen Situationen liegen unsere Chancen. Wenn wir an uns glauben, clever spielen und die Gelegenheiten nutzen, können wir das Spiel offen gestalten. Es ist entscheidend, dass wir als Mannschaft zusammenhalten und nicht vor Ehrfurcht erstarren«, forderte Schröder.
Polanski fordert, selbst aktiv zu sein
Zwar gewann die Fohlenelf 28 der bislang 115 Duelle mit den Bayern – und damit so viele wie kein anderer Bundesligist – doch es braucht schon fast ein kleines Fußballwunder. »Wir kennen die herausragenden Qualitäten der Bayern. Es geht darum, als Mannschaft dorthin zu fahren und sich so zu präsentieren, dass wir den Glauben haben, bestehen zu können. Dafür brauchen wir absolute Leistungsbereitschaft. Wir müssen konzentriert, aggressiv in den Zweikämpfen und gleichzeitig klug mit Ball agieren«, nahm Polanski seine Mannschaft in die Pflicht, auch selbst aktiv zu sein. Von daher möchte er »die Bayern ärgern, indem wir sie möglichst nicht in ihren Rhythmus kommen lassen.«
In der Analyse auf den kommenden Gegner hat Polanski »unterschiedliche Ansätze betrachtet. Wichtig ist, dass wir sehr klar herausstellen, was wir selbst gut können. Gegen Bayern hat man weniger Zeit, Räume zu nutzen, und muss extrem schnell im Kopf sein. Der Ausfall von Harry Kane spielt keine große Rolle, denn bei den Bayern agiert ohnehin auf jeder Position ein Top-Spieler.«
Ausfälle und verschiedenen Optionen
Borussia muss selbst auch auf zahlreiche Spieler verzichten. In den vergangenen Tagen sorgte die Nachricht um die erneute Verletzung von Robin Hack für einen Schock. Dem 27-Jährigen droht nach seinem Faserriss in den Adduktoren das Saisonaus. Hinzu kommt der Langzeitverletzte Tim Kleindienst, der sich weiterhin in Reha befindet. Polanski zum weiteren Kader: »Yannik Engelhardt fehlt gelb-gesperrt. Wir haben jedoch die Möglichkeit, flexibel zu reagieren und taktisch zu variieren, ohne die Stabilität des Teams zu gefährden. Kota Takai plagen derzeit muskuläre Probleme, Nathan Ngoumou ist nach langer Pause wieder teilintegriert ins Training zurückgekehrt, benötigt aber noch Zeit.«
Zumindest auf der linken Seite ergaben sich zuletzt neue Optionen. Jens Castrop zeigte gegen Union eine starke Leistung und brachte laut Polanski »ein anderes dynamisches Element ins Spiel, das speziell gegen aggressiv spielende Gegner hilfreich ist. Er hat defensiv sehr gut gearbeitet, die Räume eng gehalten und auf seiner Seite die Aufgaben erfüllt. Jens ist ein sehr flexibler Spieler, der im Kader viele Positionen übernehmen kann, was für uns als Mannschaft extrem wertvoll ist.«
Ob Wael Mohya nach seinem Startelf-Debüt erneut eine Chance bekommt, steht noch nicht fest. Polanski versteckte seine Zufriedenheit über den Einsatz des erst 17-Jährigen aber nicht. »Wael hat bei seinem ersten Startelf-Einsatz im Profifußball eine hervorragende Leistung gezeigt. Man darf nicht vergessen, dass er noch sehr jung ist und körperlich einiges adaptieren muss, um auf diesem Niveau zu bestehen. Trotzdem hat er die Belastungen sehr gut weggesteckt. Er hat sich nach einer kleinen Phase der Anpassung sehr gut entwickelt. Wael kommt jeden Tag mit einem Lächeln auf den Platz, zeigt Einsatzbereitschaft und Freude am Spiel. Das ist genau die Art von Einstellung, die wir von ihm sehen wollen.«
Und eine entsprechende Einstellung ist auch von allen Fohlen am Freitagabend gefordert. Ganz egal, wie das Spiel auch ausgeht.

