Conor Noß möchte bei Borussia den Durchbruch schaffen und sich bei den Profis etablieren. Foto: Dirk Päffgen

Erst kürzlich hat Conor Noß seinen Vertrag bei Borussia bis 2024 verlängert und sich damit langfristig zur Fohlenelf bekannt. Der 20-Jährige spielt bereits seit seinem achten Lebensjahr bei den Fohlen und hat ein klares Ziel: Am linken Niederrhein zum Profispieler werden. Im Interview mit unserer Redaktion spricht Noß über seine Chancen, den neuen Trainer Adi Hütter und seine Ziele in der Karriere. 

Fohlen-Hautnah: Conor, kürzlich hast Du bei Borussia Deinen ersten Profivertrag unterschrieben. Wie fühlt sich das an und warum hast Du dich generell entschieden, bei Borussia den nächsten Schritt zu machen? 

Conor Noß: Borussia ist für mich ein sehr großer Verein, bei dem ich mich sehr wohl fühle und ich auch schon lange spiele. Deshalb war es eine leichte Entscheidung für mich. Ich habe das Vertrauen bekommen, hier den nächsten Schritt zu machen. 

Fohlen-Hautnah: Spielte bei der Vertragsverlängerung auch eine Rolle, dass in Zukunft wieder verstärkt die Jugend eine Chance bekommen soll?

Conor Noß: Die Situation mit Corona ist bei vielen Vereinen ähnlich, sodass man wieder verstärkt auf die Nachwuchsspieler setzen muss. Das betrifft nicht nur mich, sondern alle Jugendspieler, die mit dabei sein können, das ist eine große Chance. Transfers sind aktuell schwierig, deshalb wird verstärkt auf die Jugend gesetzt. Das ist für die jungen Spieler wie mich ein positiver Aspekt. 

Fohlen-Hautnah: Was sind Deine langfristigen Ziele mit Borussia? Oder generell, was möchtest Du in deiner Karriere noch erreichen? 

Conor Noß: Ich möchte mich bei Borussia als Spieler des Profikaders etablieren und mich festspielen. In der Bundesliga oder im Pokal möchte ich Spielpraxis sammeln, es ist nach wie vor mein großer Traum für die erste Mannschaft in der Bundesliga zu spielen. Generell möchte ich gerne Titel gewinnen und Erfolge feiern. Ich möchte eine möglichst lange und erfolgreiche Karriere haben, dafür arbeite ich bereits seit meiner Kindheit. 

Fohlen-Hautnah: Du sprichst an, dass Du dich gerne festspielen möchtest. Strebst Du das in der nächsten Saison an, oder wie sieht Deine Planung aus? 

Conor Noß: Wenn man selbst zu viel Druck ausübt, kann man sehr schnell verkrampfen. Ich sehe das zwar alles relativ entspannt, bin aber dennoch sehr ehrgeizig und möchte bei den Profis bleiben. Ich mache mir aber nicht zu viele Gedanken und versuche frei aufzuspielen und in jedem Training alles zu geben, mehr kann ich nicht machen. Die Entscheidung, ob ich spiele oder nicht, liegt letztlich beim Trainer. 

Fohlen-Hautnah: Du bist seit 2009 und somit seit über zwölf Jahren im Verein und hoffentlich noch lange nicht satt. Was bedeutet Dir Borussia persönlich? 

Conor Noß: Borussia ist für mich eine große Familie. Die Menschen und die Fans machen den Verein aus, das durfte ich schon in jungen Jahren erleben. Fußballerisch bin ich hier aufgewachsen, nahezu alles habe ich hier bei Borussia gelernt. Auch menschlich habe ich mich über die Jahre hier entwickeln können bei all den Trainern. Es war immer eine sehr vertraute und familiäre Atmosphäre. Es ist ein schönes Gefühl schon so lange hier zu sein. Borussia ist ein großer Verein in Deutschland und mein Ziel ist es, mit dem Verein international zu spielen. Ich bin sehr froh, ein Teil dieses Vereins zu sein. 

Fohlen-Hautnah: In der Offensive bist du flexibel einsatzbar, allerdings ist der Konkurrenzkampf auch sehr groß. Was fehlt Deinem Spiel noch, um dich nachhaltig für die erste Mannschaft zu empfehlen? Wo kannst Du noch etwas zulegen? 

Conor Noß: Körperlich kann ich mich noch verbessern. Hier kann man aber sehr individuell daran arbeiten, sodass ich noch stärker werden und mich im Zweikampf mehr behaupten kann. Das fußballerische war nie das Problem, das hat immer gut funktioniert, aber körperlich merkt man schon den Sprung aus der Jugend in die U23. Das Spiel ist physisch viel anspruchsvoller, hier kann ich noch zulegen. Man kann aber glücklicherweise viel und gezielt trainieren. 

Fohlen-Hautnah: Auch in der vergangenen Saison hast Du schon mit den Profis trainiert, aber noch keinen Einsatz in der Bundesliga absolvieren können. Mit Adi Hütter ist jetzt ein neuer Trainer gekommen, ist das gleichzeitig auch eine neue Chance für Dich? 

Conor Noß: Ich betrachte das einfach als neue Chance und versuche einen guten Eindruck beim neuen Trainer zu hinterlassen. Ich kann nur alles geben im Training und die Entscheidung, ob ich spiele, liegt nicht bei mir. Aber für uns junge Spieler ist das eine gute Chance sich zu präsentieren. 

Fohlen-Hautnah: Viele Spieler sprechen in diesem Zusammenhang von einer sehr guten Kommunikation mit Adi Hütter. Wie ist Dein Eindruck vom neuen Trainer? 

Conor Noß: Ich habe einen sehr positiven Eindruck von Adi Hütter. Er ist sehr kommunikativ und spricht auch viel mit uns jungen Spielern und unterstützt uns sehr viel. Er coacht uns sehr gut und auch die Trainingseinheiten machen viel Spaß. Wir trainieren viel mit dem Ball und üben kleine Spielformen, beginnen jetzt aber langsam mehr an der Taktik zu arbeiten. Die ersten Wochen mit ihm als Trainer fand ich persönlich sehr gut, das Training macht viel Spaß. 

Fohlen-Hautnah: Wie ist die Stimmung im Trainingslager und wie sehr unterscheidet sich ein Trainingslager vom normalen Trainingsbetrieb?

Conor Noß: Die Stimmung bei uns ist sehr gut. Im Trainingslager ist man permanent zusammen, auf und neben dem Platz. Das schweißt uns zusammen, denn man verbringt auch seine Freizeit miteinander: Man spielt Karten oder schaut auch mal gemeinsam eine Serie. Das überträgt sich dann natürlich auch auf den Platz, wenn man sich innerhalb der Mannschaft gut versteht. 

Fohlen-Hautnah: Du hast sowohl die deutsche, als auch die irische Staatsbürgerschaft. Aktuell trägst Du das Trikot von Irland. Wenn Du in Bezug auf das A-Team wählen könntest – für wen würdest Du dich entscheiden? 

Conor Noß: Das kann ich so gar nicht sagen. Die Spiele bei der irischen U21-Nationalmannschaft habe ich sehr genossen und mir hat es großen Spaß gemacht. Das ganze Trainerteam ist super und ich habe mich dort sehr wohl gefühlt. Über diese Konstellation habe ich mir aber noch nicht viele Gedanken gemacht und bin aktuell bei der irischen Nationalmannschaft sehr glücklich. 

Fohlen-Hautnah: Da Du ja auch Wurzeln auf der ‚Insel‘ hast, wäre die Premier League deshalb auch mal eine reizvolle Aufgabe für Dich? Oder ist das noch zu viel Zukunftsmusik? 

Conor Noß: Ich versuche von Tag zu Tag und von Trainingseinheit zu Trainingseinheit zu denken. Ich möchte mich in Gladbach beweisen und zeigen. Dennoch ist die Premier League eine der besten Ligen der Welt. 

Fohlen-Hautnah: Gibt es eine Art Vorbild oder einen Spieler, auf den Du schaust? 

Conor Noß: Als ich klein war, war mein Lieblingsspieler Cristiano Ronaldo, vor allem zu seiner Zeit bei Manchester United. Ich bin auch heute noch ein großer Fan von ihm. Man kann sich bei ihm viel abschauen, auch wenn wir nicht die gleichen Spielertypen sind. Bei uns in der Mannschaft ist Florian Neuhaus ein echtes Vorbild für mich. Er spielt eine ähnliche Position wie ich und von ihm kann ich mir sehr viel abschauen. Pedri fand ich bei der Europameisterschaft sehr stark, er ist ein ähnlicher Spielertyp wie ich. Ich finde er ist ein sehr guter Spieler, obwohl er jünger ist als ich. Ich versuche mir von vielen guten Spielern etwas abzuschauen um das anschließend auf mein Spiel zu übertragen.

Fohlen-Hautnah: Viele Spieler verfolgen natürlich primär immer das Ziel Profi zu werden. War das bei Dir auch so, oder gab es auch einen Plan B in der Tasche?

Conor Noß: Mein Traum war es immer Fußballprofi zu werden. Als ich im Alter von acht Jahren zu Borussia gewechselt bin, war das in meinem Kopf noch nicht fest verankert. Zu der Zeit wollte ich einfach Spaß am Fußball haben. Über die Jahre hat sich das aber als großes Ziel entwickelt, worauf man täglich hinarbeitet. Dass ich mir das jetzt mit der Unterschrift realisieren konnte, ist ein großer Traum, der in Erfüllung geht. Dennoch muss ich weiter hart an mir arbeiten, um Spielpraxis zu bekommen und mich weiterzuentwickeln. 

Für mich stand aber nie zur Debatte, dass ich alles auf Fußball setze. Es war immer klar, dass ich mein Abitur mache. Ich finde beim Fußball kann durch Verletzungen oder etwas ähnliches immer so viel passieren, deshalb ist ein Plan B sehr wichtig. Momentan mache ich noch ein Fernstudium und versuche mir neben dem Fußball etwas aufzubauen und denke schon an die Zeit nach meiner Karriere. 

Fohlen-Hautnah: Was hast Du für eine Richtung im Fernstudium eingeschlagen und wie funktioniert das Lernen neben dem regelmäßigen Training? 

Conor Noß: Ich mache ein Fernstudium im Sportmanagement. Natürlich ist das stressig, aber da das Fernstudium online stattfindet kann ich mir die Inhalte sehr gut einteilen. Dadurch bin ich an keine Fristen oder Abgabetermine gebunden und neben dem Training harmoniert alles ganz gut.

Fohlen-Hautnah: Was bist Du für ein Typ auf und außerhalb des Fußballplatzes? Bist Du da eher ein Sprachrohr und kannst mal lauter werden, oder doch eher zurückhaltender? 

Conor Noß: Ich bin eher ein zurückhaltender Typ, auf und neben dem Platz. Wenn es auf dem Platz aber mal zur Sache geht, ziehe ich natürlich mit. Es ist wichtig, dass man auf dem Platz ein Zeichen setzt. Wenn ich mich auf oder neben dem Platz in der Gruppe wohl fühle, mache ich aber auch Witze und habe Spaß mit den Kollegen. 

Fohlen-Hautnah: Was machst Du, wenn Du gerade mal nicht auf dem Fußballplatz stehst oder für Dein Fernstudium lernst? 

Conor Noß: Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Freundin und meiner Familie. Wenn wir kein Training haben, nutze ich die Zeit zum Entspannen oder fahre auch gerne mal in die Stadt. In meiner Freizeit bin ich ein entspannter Typ. 

Fohlen-Hautnah: Conor, die Saison hat noch nicht begonnen und niemand weiß wohin die Reise geht. Was möchtest Du dennoch gerne im Mai 2022 für eine Schlagzeile über Borussia und über Dich selbst lesen? 

Conor Noß: Borussia schafft es nach Europa. Am liebsten die Champions League, das wäre ein großes Ziel. Für mich persönlich möchte ich lesen, dass ich einen bleibenden Eindruck hinterlassen habe und ein paar Spiele absolviert habe. Außerdem wäre es schön, wenn ich aus dem Kader nicht mehr wegzudenken bin, das wäre eine tolle Schlagzeile.