Die Borussen kamen angesichts der fünf Treffer aus dem Feiern nicht mehr raus. Foto: Dirk Päffgen

Borussia Mönchengladbach hat den FC Bayern in der zweiten Runde des DFB-Pokals regelrecht demontiert und in alle Einzelteile zerlegt. An diesen Abend sollte man sich als Fan der Fohlenelf noch lange erinnern, es war ein historischer Sieg. Ein Sieg der eben auch zeigt, welch großes Potenzial in dieser Mannschaft schlummert. 

‚Rasiert‘ wurden nur die Bayern 

Zugegeben: Die Ausgangslage vor dem DFB-Pokalspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern München war alles andere als goldig. Borussia zeigte in Berlin keine allzu schlechte Leistung, ging aber wieder einmal als Verlierer vom Platz. Und die Bayern? Die hangelten sich von Sieg zu Sieg und untermauerten in der Bundesliga ihre Vormachtstellung. 

Hinzu kam noch die fragwürdige Berichterstattung rund um das Pokalspiel: Es machte relativ schnell die Runde, dass Adi Hütter angeblich Lars Stindl und Breel Embolo zunächst auf die Bank setzt. Was Borussias Trainer auf der Pressekonferenz zu diesem Thema ablieferte, war allerdings mindestens genauso sensationell wie der gestrige Abend. Der 51-Jährige stellte sich wie ein schützender Löwe vor seine Mannschaft und machte klar: Zwischen uns passt kein Blatt Papier. Hütter zeigte mit seiner ruhigen, aber dennoch bestimmenden Art, was er von dieser Form der Berichterstattung hält; nämlich nichts! 

Dass nun ausgerechnet Breel Embolo an allen Toren beteiligt war und er die Bayern ‚rasiert‘ hat, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Was der Schweizer und auch alle anderen Borussen am Mittwochabend auf den Rasen zauberten, war einfach nur historisch und ziemlich beeindruckend. 

Was für eine Machtdemonstration! 

Wohl nur die wenigsten von uns hätten der Elf vom Niederrhein solch einen dominanten Auftritt gegen den schier übermächtigen Rekordmeister zugetraut. Von der ersten bis zur letzten Minute ließen die Fohlen keine Zweifel aufkommen, wer den Platz als Sieger verlässt. Nichts zu spüren von einer gewissen Unsicherheit nach Führungen, Borussia demontierte die Bayern in all ihre Einzelteile und nahm ihnen die Luft zum Atmen. 

Nahezu überfallartig fielen die Gladbacher über die Münchener her und zwangen sie zu ungewohnt vielen Fehlern. Jedes Tor war Balsam für die Seele, denn bisher lief die Saison eher nicht nach Plan. Doch das machten die Borussen am gestrigen Abend vergessen und zeigten vielmehr, welch großes Potenzial diese Mannschaft besitzt und wozu sie fähig ist. Man spricht oft davon, dass an einem ‚guten Tag alles passieren kann und man jedes Team schlagen kann‘, dieser Pokalabend war wohl einer dieser Tage. Es gilt, nun endlich mal eine gewisse Konstanz hereinzubringen. Apropos: Konstant ist der Weg von Adi Hütter und von diesem lässt er sich auch nicht abbringen. 

Hinzu kam auch der passende Rahmen, denn seit Beginn der Pandemie waren nicht mehr so viele Zuschauer im Borussia-Park wie am Mittwochabend (48.500). Die Nordkurve war, angesichts des Spielstandes, bestens aufgelegt. Nicht nur die Kurve, sondern teilweise auch das ganze Stadion. Dieser 5:0-Sieg gegen den deutschen Rekordmeister sollte uns allen noch lange in bester Erinnerung bleiben und findet sicherlich den Platz in den Geschichtsbüchern unseres geliebten Vereins. 

Ein ganz besonderer Abend und Rahmen 

Denn bis dato schafften es die Fohlen noch nie, gegen die Bayern im DFB-Pokal zu gewinnen. Dass der Premierensieg in solch einer dominanten Art und Weise vonstatten ging, ist einfach nur sensationell. Emotional kann man diesen Erfolg sicherlich auf eine Stufe mit dem Sieg im Relegations-Hinspiel gegen Bochum einordnen. Nicht umsonst hallte vor dem Schlusspfiff ‚die Seele brennt‘ durch den Borussia-Park. Ein Lied, das von den Ultras nur spärlich eingesetzt wird und eben nur zu besonderen Spielen angestimmt wird. Ja, da darf man als Fan durchaus mal emotional werden. 

Toll waren auch die Szenen nach Schlusspfiff: Mannschaft und Fans lagen sich gleichermaßen in den Armen und die Abstandsregelungen wurden, mit Ausnahme der Hintermannschaft des FCB, völlig ad acta gelegt. Dass die Mannschaft den verletzten Tony Jantschke würdigt und sein Trikot mit in die Kurve bringt zeigt, dass innerhalb der Fohlenelf ein starker Zusammenhalt herrscht. 

Diesen gilt es nun beizubehalten und an die Leistung anzuknüpfen, sodass die Borussen auch hoffentlich am Sonntag gegen Bochum noch auf dieser Welle der Euphorie surfen. Der Fluch, dass nach einem Sieg gegen die Bayern erstmal ein paar Niederlagen folgen, sollte nun endlich mal gebrochen werden…