Zwischen zwei Champions League-Spielen hat Borussia den Liga-Alltag gemeistert. Foto: team2sportphoto

Borussia hat sich letztlich souverän und hochverdient gegen Schalke 04 durchgesetzt. Dennoch taten sich die Fohlen in der ersten Halbzeit extrem schwer, was sicherlich auch dem aktuellen Spielrhythmus geschuldet ist. In den entscheidenen Momenten aber war der VfL da und konnte sich auf die eigenen Qualitäten verlassen. Ein Faustpfand, das man sich hart erarbeitet hat. 

»Man sieht, wie wir in der Champions League auftreten, das sind für uns absolute Highlight-Spiele«, sagte der aktuell bärenstarke Florian Neuhaus nach der Partie gegen Schalke am ‚Sky‘-Mikrofon. Hinter seiner Aussage stecken jedoch zwei Botschaften: Zum einen ist Borussia Mönchengladbach in der Champions League in einer Verfassung, die wohl nur die wenigstens Kritiker den Fohlen vor der Saison zugetraut haben. Am Dienstagabend kann Borussia die Ausgangslage veredeln und ins Achtelfinale in der Königsklasse einziehen. 

Spagat zwischen Königsklasse und Bundesliga 

Zum anderen macht Neuhaus mit seiner Aussage aber auch klar: Der Alltag in der Bundesliga fällt Borussia möglicherweise noch schwer. Aktuell geht es nämlich zwischen all den Spielen auf internationaler Bühne darum, den Spagat zur Liga hinzubekommen. Denn bei aller Freude über die spektakulären Spiele in Europa darf nicht vergessen werden, dass eine erneute Teilnahme an der Champions League vermeintlich nur über die Qualifikation in der Bundesliga führt. 

Auch deshalb sprach Marco Rose vor dem Spiel erneut davon, dass die Ergebnisse auch mal über einen längeren Zeitraum stimmen müssen; Konstanz heißt das Zauberwort. Rechnet man all die verschenkten Punkte in der Bundesliga zu den bereits gesammelten 15 Zählern, dann wären die Fohlen vermutlich Tabellenführer. Doch das ist nur Theorie, die Praxis hieß am Samstagabend Schalke 04. 

Die Handbremse gelöst 

Und in der ersten halben Stunde sah es ein Stück weit danach aus, als würden die Fohlen den Gelsenkirchenern zum zweiten Sieg im Kalenderjahr 2020 verhelfen. Den bis dato einzigen Sieg in diesem Jahr feierten die ‚Königsblauen‘ nämlich ausgerechnet gegen den VfL. Natürlich schmeckte Marco Rose die Anfangsphase der Partie nicht, das gab er nach Spielende auch offen und ehrlich zu. Borussias Trainer schaffte es aber auch seine Mannschaft in der Kabine wachzurütteln. 

Denn die zweite Hälfte konnte Borussia dominieren und letztlich auch die vielen Fehler in der Defensive der Schalker gnadenlos ausnutzen. Sicherlich ist das Ergebnis im Endeffekt deutlicher als das Spiel zu Beginn war, aber die Fohlen brachten all ihre (individuelle) Qualität auf den Platz und überfielen die Abwehr der Gäste ein ums andere Mal überfallartig. 

„Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss“ lautet ein altes Sprichwort. Borussia verließ sich nämlich in den entscheidenden Momenten auf die eigene Qualität und behielt recht. Die Fohlen wussten genau wann und in welchen Situationen sie die Zügel etwas enger ziehen mussten und drehten auf. Eine Tatsache, die man sich über die letzten Monate erarbeitet hatte und ein bisschen an den großen FC Bayern erinnert. Deshalb muss es Borussia ehren, in einem Atemzug mit dem Rekordmeister in Verbindung gebracht zu werden. So geschehen in der Sky-Analyse nach dem Spiel. 

Fokus auf Mailand 

Großen Anteil am aktuellen sportlichen Erfolg hat natürlich Marco Rose. Und auch Max Eberl, der den 44-Jährigen von Salzburg an den Niederrhein locken konnte. Mit 1,9 Punkten pro Bundesligaspiel stellt Rose bis dato alle bisherigen Trainer in Mönchengladbach in den Schatten und ist aktuell, zumindest punkttechnisch, der beste Übungsleiter der 120-jährigen Vereinsgeschichte. 

Außerdem sind die Gladbacher seit 10 Pflichtspielen zu Hause unbesiegt, die Festung Borussia-Park steht also wieder. Ein Fakt, den sicherlich auch Inter Mailand wahrgenommen hat. Die Italiener kommen am Dienstagabend zum fünften Champions League-Spieltag an den Niederrhein und sind aktuell Tabellenletzter in Gruppe B. Eine gefährliche Situation, denn die ‚I Nerazzurri‘ kommen sicherlich mit Wut im Bauch nach Mönchengladbach und wollen die letzte Chance aufs Weiterkommen irgendwie nutzen. 

Borussia ist aber, das haben die letzten Spiele gezeigt, bereit, um den Einzug ins Achtelfinale perfekt zu machen…