Marco Rose kann mehr als zufrieden auf seine erste Saison bei Borussia zurückblicken. Foto: Poolfotos/Dirk Päffgen

Im Endspurt um die Champions League musste Borussia Mönchengladbach zwar auf drei Säulen verzichten, dank einer starken Teamleistung spielen die Fohlen aber zum dritten Mal in der Königsklasse. Diese Mannschaft wächst gerade erst so richtig zusammen und könnte, sofern alle an Bord bleiben, noch sehr viel Freude bereiten. Der geplante Umbruch ist bisher jedenfalls gelungen. 

Mit dem Rücken zur Wand und doch ganz vorne 

Am 31. Spieltag schien für Borussia Mönchengladbach im Kampf um die Champions League fast schon alles vorbei. Zwar waren die Fohlen immer noch mit nur einem Punkt Rückstand auf Tuchfühlung zu Rang vier, doch moralisch war man irgendwie etwas am Boden. Trotz eines starken Auswärtsspiels in München und zumindest einer überragenden Halbzeit in Freiburg fuhr man in beiden Partien mit leeren Händen zurück an den Niederrhein.

Dazu kamen noch die Ausfälle von Denis Zakaria, Marcus Thuram und Alassane Pléa. Vor allem in der Offensiv war Gladbach arg gebeutelt, sodass Marco Rose etwas ‚basteln‘ musste. Doch in der Krise zogen alle an einem Strang, um die Segel wieder in Richtung Königsklasse zu setzen. »Wir sind ein cooler Haufen und wir wissen, was wir können. Auch die Widerstände, denen wir in der Bundesliga begegnen, waren für uns alle nachvollziehbar«, sagte Marco Rose nach der Saison. Die vermeintliche zweite Garde hat er gerichtet und darf als Belohnung in diesem Herbst in den schönsten Städten Europas auf große Tournee gehen. 

Apropos Widerstände: Schon in seiner Anfangsphase hatte Rose mit ein paar Hindernissen zu Kämpfen, das erste trug den Namen Wolfsberg. Allerdings hatten die Fohlen nach jedem Rückschlag, egal ob in der Europa League oder in der Bundesliga, immer eine passende Antwort parat und zeigten eine unglaubliche mannschaftliche Geschlossenheit. Diese zeigte sich einmal mehr im Schlussspurt, als eben drei Säulen wegbrachen. 

Embolo, ein Glücksgriff 

In den letzten Partien sprangen allen voran Lars Stindl als Kapitän und auch Breel Embolo in die Bresche. Dass der Schweizer nach all den glücklosen Jahren auf Schalke direkt auf Anhieb seine stärkste Saison in Deutschland spielt, konnte man hoffen, aber alles andere als erwarten. »Es war für beide Seiten ein gutes Jahr: Wir wussten was Breel kann und deshalb haben wir ihn geholt. Er war mit dem Standing und den Einsatzzeiten bei seinem alten Verein nicht zufrieden«, so Rose zum letztjährigen Neuzugang. Bisher hat sich 23-Jährige »sehr gut entwickelt«, auch wenn da laut Borussias Trainer »noch mehr geht«. 

»Er hat sich in der schwierigen Konstellation im Offensivbereich immer wieder reingebissen und Schmerzen in Kauf genommen. Hut ab, in den letzten drei Wochen hat er, genau wie viele andere Jungs, sehr viel geleistet«, gab es von Rose lobende Worte für Embolo. Die vielen anderen Jungs waren eben auch junge Spieler wie Mamadou Doucouré, Keanan Bennetts und Torben Müsel, die alle kürzlich ihr Debüt in der Bundesliga gaben. 

Erste Etappe ist geschafft 

»Die Jungs haben das alle prima gemacht, über die ganze Saison war es eine unglaubliche Teamleistung. Jeder hat in dieser Saison in bestimmten Phasen dazu beigetragen, dass wir diesen großartigen Erfolg feiern dürfen. Das spricht fürs Team, das Team drumherum und den Verein«, so Rose. Aber auch der 43-Jährige selbst hat natürlich einen riesengroßen Anteil daran, dass seine erste Saison am Niederrhein gleich von so großem Erfolg gekrönt war. 

Max Eberl und Borussia wollten im letzten Jahr den Umbruch einleiten und haben jetzt den ersten Schritt gemacht. Für diesen Mut gebührt Eberl größten Respekt, denn er hat Borussia aus einer gewissen Komfortzone gebracht und auch die eigenen Ansprüche wieder nach oben geschraubt. Während in den vergangenen Spielzeiten die Ziele eher defensiv formuliert wurden, war jetzt relativ schnell klar, dass die Champions League wie eine Meisterschaft wäre. Diese gewisse Offenheit und Lockerheit tut Borussia richtig gut, genau das hat in den vergangenen Jahren oftmals gefehlt. 

Hier kann etwas Großes entstehen 

Man kann nur hoffen dass dieser ‚Haufen‘, wie Marco Rose seine Mannschaft liebevoll nennt, noch möglichst lange zusammenbleibt. Gerade kann nämlich am linken Niederrhein etwas Großes entstehen, vor allem mit Hinblick auf die Champions League. Wir wollen jetzt nicht direkt den ‚Henkelpott‘ ausrufen, aber wieso sollen die Fohlen nicht mal die Gruppenphase überstehen und für etwas Furore sorgen? Zumindest sollte es das Ziel sein, ohne die Gruppe jetzt schon zu kennen, europäisch zu überwintern. 

Utopie ist das gewiss nicht, denn diese Mannschaft präsentiert sich als echte Einheit und viel wichtiger noch: Auch die Ersatzspieler haben sich mit ihren Rollen abgefunden und äußern zumindest öffentlich nicht ihren Unmut. Ein Beweis dafür, welch gutes Händchen Rose und sein Staff haben und vor allem wie gut der 43-Jährige einen Kader moderieren und die Spieler bei Laune halten kann. Jeder bekommt seine Einsatzzeit und seine Chance. Ähnlich wie bei den Spielzeiten mit Marc-André ter Stegen, Marco Reus, Juan Arango und Co. hat man aktuell das Gefühl, es könnte eine neue Ära entstehen. 

Ob Top-Spieler wie Denis Zakaria, Marcus Thuram und Alassane Pléa wirklich langfristig an den Verein gebunden werden können weiß aktuell niemand. Mit den Vertragsverlängerungen von Yann Sommer, Christoph Kramer und Florian Neuhaus hat Max Eberl aber ein wichtiges Signal an die Konkurrenz gesendet. Denn sollten die Fohlen auch in Zukunft in der Champions League regelmäßiger Gast werden, spricht absolut nichts dagegen, dass Leistungsträger nicht direkt die Biege machen…