Nico Elvedi und die Borussen laufen wie auch gegen Bayer den Ansprüchen hinterher. Foto: Hufnagel PR

Allerspätestens nach der Niederlage gegen Bayer Leverkusen muss man konstatieren: Borussia Mönchengladbach befindet sich in einer handfesten Krise und ist auf dem ‚besten Weg‘, ins Mittelmaß abzurutschen. Max Eberl lässt sich von außen nicht beeinflussen und hält weiter an Marco Rose fest. Ob die Entscheidung richtig war, wird sich zeigen. 

Seit sieben Pflichtspielen sieglos, gegen Leverkusen die 5. Pflichtspiel-Niederlage in Folge, die vierte Heimniederlage in Folge und seit zwei Pflichtspielen ohne Torerfolg. All das sind Statistiken eines Klubs, der sich im unteren Mittelfeld der Tabelle befindet. Genau das tun die Borussen. Aktuell belegt man Platz 10 mit sechs Punkten Rückstand auf den Europa League-Platz. Das ist die schlechteste Platzierung seit dem 4. Spieltag. Zum damaligen Zeitpunkt stand man auf dem 7. Tabellenplatz. In der aktuellen Rückrundentabelle belegen die Fohlen den 15. Tabellenplatz. Nach Abschluss des 18. Spieltags belegte man Platz 5 mit 33 Punkten und lag in Tuchfühlung zu Platz 2. Sechs Spieltage weiter hat man lediglich zwei Punkte mehr auf der Habenseite und belegt eben Platz 10.

Was ist also passiert? Die Borussen sind stark ins neue Fußball-Jahr gestartet, holten vier Siege und zwei Remis aus den ersten sechs Spielen und haben dabei auch Ligaprimus FC Bayern München (3:2) und Borussia Dortmund (4:2) geschlagen. Zwar hat man in dieser Phase auch nicht immer geglänzt, aber man eben Spiele gewonnen und Punkte geholt. Gerade beim Sieg gegen den BVB zeigte man Moral, schlug mit Entschlossenheit zurück und war besser als die Namencousine. Man war wieder dran an Platz vier und stand vor dem BVB.

Sches Wochen später hat sich das Blatt total gewendet. Während Dortmund von den folgenden sechs Ligaspielen wenigstens drei gewann, das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gewann und ins Halbfinale des DFB-Pokals einziehen konnte, so gewannen die Gladbacher Borussen in der Folge kein Spiel mehr. Aus im DFB-Pokal, so gut wie raus aus der Königsklasse und in der Bundesliga im freien Fall.

Der positive Trend mit den tollen Siegen gegen zwei Spitzenklubs der Liga verpuffte peu á peu. Aber warum ist das so? Es ist offensichtlich, dass der bevorstehende Abgang von Marco Rose der Mannschaft nicht gutgetan hat. Denn spätestens seit der offiziellen Bekanntgabe am 15. Februar 2021 geht es mit den Borussen steil bergab. An Rosenmontag war es, als Marco Rose seinen längst vermuteten Wechsel zum BVB bestätigte.

Gerade hatten die Borussen in Wolfsburg Remis gespielt. Aufgrund der anderen Ergebnisse war man da noch dran an den begehrten Töpfen. Wer dann auf eine ‚jetzt erst Recht‘-Reaktion der Borussen in Mainz gesetzt hatte, wurde enttäuscht. Einmal mehr enttäuschten die Borussen spielerisch und verloren am Ende gegen die Rheinhessen.

Auch in den folgenden Spielen hagelte es Niederlagen, in denen es eine starke Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit gab. Es herrscht ein Tief im Westen. Marco Rose ist ohne Zweifel ein herausragender Trainer, der eine Mannschaft mitreißen und ‚abholen’ kann und der begeisternden Offensiv-Fußball spielen lässt. Die Frage stellt sich derzeit, ob der 44-Jährige gerade die erstgenannten Punkte noch erfüllen kann. Gewisse Zweifel daran darf man durchaus haben. Offensiv-Fußball à la Marco Rose gibt es eh nur noch in Ansätzen. Alle Seiten betonen, dass das Binnenverhältnis weiterhin stimmt und alle hinter dem Trainer stehen. Max Eberl bestätigt das. Der Manager wird es wissen. Ist er doch tag täglich nah an der Mannschaft.

Auf dem Platz hinterlassen die Borussen allerdings keinen guten Eindruck. Man versucht es, aber es klappt eben nicht vollends. »Wir tun uns schwer mit der Lockerheit, sind ziemlich verkrampft. Ich glaube, das sieht man. Uns fehlt ein bisschen der Spaß, die Freude am Fußball, weil wir einfach die Ergebnisse nicht bekommen in letzter Zeit«, sagte Hannes Wolf nach der Niederlage gegen Leverkusen.

Wir sind uns alle einig: Der Verein Borussia Mönchengladbach steht über allem. Spieler und Trainer gehen, der Verein bleibt. Was aktuell zu befürchten ist, ist, dass eine erneute Qualifikation für Europa in weite Ferne gerückt ist. Das wäre ein herber Dämpfer. Erstens muss das der Anspruch sein und zweitens ist das für den Klub wirtschaftlich und auch sportlich wichtig – damit man auch eine Chance hat, umworbene Säulen der Mannschaft halten zu können. Und auch die von Eberl stets ausgegebene Einhelligkeit ist aktuell nicht gegeben.

Manchmal ist es nicht das Verkehrteste, einen neuen Impuls zu setzen und so zu versuchen, den Turnaround zu schaffen. Eine Garantie dazu gibt es allerdings auch nicht. Die bekannten Mechanismen wird es am linken Niederrhein in der aktuellen Situation nicht geben. Max Eberl und den gesamten Klub zeichnet aus, stets die Ruhe zu bewahren und eben nicht auf Druck von außen zu handeln. Das werden der 47-Jährige und die Verantwortlichen auch diesmal nicht tun. »Da gehen wir weiter durch”, sagt Eberl und fügte an: »Ich bin relativ breit und habe breite Schultern. Dem Druck halte ich stand.«

Eberl hat in den letzten Jahren sehr viele richtige Entscheidungen getroffen und wurde dafür abgefeiert, zu Recht. Ob man mit der Entscheidung, bis zum Ende an Marco Rose festzuhalten richtig gelegen hat, wird die Tabelle nach dem 34. Spieltag zeigen. Es ist auf jeden Fall mutig. Entweder es gelingt, oder eben nicht. Bis dahin sind es noch zehn Spieltage, in denen Marco Rose gefordert ist und liefern muss und in der sich vor allem auch die Mannschaft, die hinter ihrem Trainer steht, am Riemen reißen, ihre absolut vorhandenen Qualitäten zu 1900 Prozent abrufen und das Ruder auf dem Platz rumreißen muss. Alle müssen zeigen, dass sie an einem Strang ziehen und müssen alles geben, damit die Saison irgendwie doch noch ein ordentliches Ende nimmt. Es bleibt die kleine Hoffnung, dass das unter dieser Konstellation gelingt.