Dreierpack – Nico Elvedi feierte eine perfekte Englische Woche. Foto: Dirk Päffgen

Nico Elvedi war mit seinen beiden Treffern im Spiel gegen Dortmund der Matchwinner. Dabei erzielte der Schweizer nach eigenen Angeben erstmals einen Doppelpack in seiner Profi-Karriere. Borussias Innenverteidiger verkörpert zudem die aktuelle Stärke bei Standardsituationen, hier ist Gladbach ligaspitze. Eine Vertragsverlängerung von Elvedi bei der Fohlenelf ist noch längst nicht vom Tisch. 

Keiner ist so gefährlich nach Standards wie Borussia

So langsam aber sicher wird sich Nico Elvedi an die vielen Interviews gewöhnen (müssen). Schon nach dem Spiel von Borussia Mönchengladbach gegen Werder Bremen war der Schweizer ein gefragter Gesprächspartner, am Freitagabend nach dem 4:2-Heimsieg gegen Dortmund war er wieder in aller Munde. Das hatte Elvedi selbst zu verantworten, denn der 24-Jährige ebnete mit seinem Doppelpack den Weg auf die Siegerstraße. 

Dabei schoss der gebürtige Zürcher nach eigenen Angaben erstmals zwei Tore in einem Spiel in seiner Profi-Laufbahn. »Heute hat es einfach perfekt gepasst, ich stand immer am richtigen Ort«, sagte Borussias Innenverteidiger ganz trocken. Dennoch steckte hinter seinen beiden Treffern ein Stück Arbeit, wenngleich er das Lob auch an seine Kollegen weitergab. 

»Die Freistöße waren gut getreten. Beim ersten musste ich nur noch den Kopf hinhalten, beim zweiten Standard von Lars habe ich bewusst auf den Abstauber gelauert«, beschrieb der 24-Jährige seinen enorm wichtigen Doppelpack gegen den BVB. Den ersten Treffer bereitete noch Jonas Hofmann vor, der damit seinen siebten Assist in der laufenden Bundesliga-Saison lieferte.

Elvedi überzeugt nicht nur mit Toren 

Zwar zappelte der Ball im Netz, doch die einzig wahre Borussia musste zum zweiten Mal an diesem Abend um einen Treffer bangen. Denn Manuel Gräfe bekam vom VAR ein Signal, dass Elvedi möglicherweise im Abseits stand. Wie sich später herausstellte, war das eben ganz und gar nicht der Fall. »Ich bin froh, dass beide Tore kein Abseits waren, es war sehr knapp. Vor allem beim ersten Tor haben wir zittern müssen«, gab Elvedi zu. Insgesamt erzielten die Fohlen jetzt nach Standardsituationen schon 16 Tore, das ist Bestwert in der Bundesliga.

Ohnehin war es ein kurioser Abend: Für Borussias Tore waren gegen Dortmund fast ausschließlich Verteidiger zuständig, denn auch Ramy Bensebaini erzielt ein Tor. Mit Marcus Thuram gelang ‚nur‘ einem Angreifer ein Tor. Elvedi war aber nicht nur wegen seinem Doppelpack präsent, sondern machte auch seinen eigentlichen Job als Innenverteidiger mit einer Zweikampfquote von 75 Prozent sehr gut. Zudem war der Schweizer gewohnt passsicher, seine Bälle fanden in 91 Prozent der Fälle den Weg zum Mitspieler. 

Diese Werte halfen eben auch dabei, den Vorsprung gegen die Dortmunder souverän über die Zeit zu bringen. Schon gegen Bremen hielt Borussia dem Druck stand und kassierte nicht, wie so oft in dieser Saison, einen Treffer in den Schlussminuten. »Ich denke, dass wir die späten Gegentore abstellen können. Das 4:2 hat uns sehr gut getan, danach haben wir es souverän herunter gespielt und es sehr gut verteidigt«, freute sich der 24-Jährige über die drei ‚Bigpoints‘ gegen den BVB. 

Sonderlob von Rose 

Doch nicht erst seit seinen Toren gegen Bremen und Dortmund ist der Schweizer am linken Niederrhein nahezu unersetzlich, Elvedi zeigte auch in der Champions League schon seine Qualitäten. »Wie er gegen Inter Mailand und Romelu Lukaku, auch wenn er getroffen hat, verteidigte, war außergewöhnlich«, blickte Marco Rose auf die Partie gegen den italienischen Vertreter zurück um anschließend noch ein Sonderlob an Elvedi zu richten. 

Zudem bestätigte Borussias Trainer auch den Eindruck unserer Redaktion den wir aus dem exklusiven Interview mit dem 24-Jährigen gewinnen konnten: Elvedi ist ein sehr aufgeräumter ‚Bursche‘, der weiß, was er will. »Nico ist ein super Junge: Charakterlich top und ein absoluter Profi. Er läuft manchmal ein bisschen unter dem Radar, weil er als Innenverteidiger vielleicht nicht so im Fokus ist. Er hat ein gutes Tempo, gutes Zweikampfverhalten und gutes Stellungsspiel. Mit dem Ball ist er ebenfalls sehr gut, obwohl er auf der ‚falschen‘ Seite spielt und das Spiel nicht mit seinem starken Fuß aufbauen kann.«

Bleibt Elvedi weiter am Niederrhein? 

Auf dem Radar muss auch Max Eberl den Innenverteidiger der Borussen haben, denn sein Vertrag läuft im Juni 2022 aus. Aktuell liegt Elvedis Marktwert laut ‚transfermarkt.de‘ bei 30 Millionen Euro, immer wieder gibt es Gerüchte, dass die Top-Klubs aus Europa Interesse an ihm haben. Doch dabei hat der Schweizer noch längst nicht über seine Zukunft entschieden. »Ich fühle mich bei Borussia sehr wohl und es ist möglich, dass ich noch länger hier bleibe«, macht Elvedi allen Borussen Hoffnung. 

Zudem verriet er im Interview mit unserer Redaktion auch, dass sein Berater schon in Gesprächen mit Max Eberl ist. Wichtig ist auch die Tatsache, dass der 24-Jährige seinen Verbleib nicht von einem möglichen Abgang von Marco Rose abhängig macht. »Davon mache ich meine Zukunft nicht abhängig. Für mich ist wichtig, dass ich mich wohl fühle und dass das Gesamtpaket passt. Der Trainer ist da ein kleines Stück im Gesamtpaket«, bekräftigt Elvedi. 

Am Niederrhein weiß man aber auch, dass sich der 24-Jährige mit solchen Leistungen laut Rose »noch wertvoller« macht. Als Belohnung für die erste erfolgreiche Englische Woche im neuen Jahr gibt es nach einem Training am Samstag zwei Tage frei. Für die Fohlen beginnt dann am Dienstag die Vorbereitung auf das Auswärtsspiel bei Union Berlin am 30. Januar.