Florian Neuhaus ließ nach Mainz seinem Frust freuen Lauf. Foto: picture alliance / HMB Media/Claus | HMB Media/Claus

Mit seinem Treffer in Mainz hat Florian Neuhaus wieder ein Lebenszeichen gesendet. Vielmehr noch: Der Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach ließ auch mit Aussagen nach dem Spiel in Mainz aufhorchen. Neuhaus wünscht sich nach einer zuletzt schwierigen Zeit mehr Rückendeckung vom Verein. 

Neuhaus und die Rolle als Reservist 

Für Florian Neuhaus läuft die aktuelle Saison bei weitem noch nicht nach Plan. Der 24-Jährige bekommt, wie auch einige andere Spieler, zu spüren, dass Adi Hütter nach dem Leistungsprinzip aufstellt. Während unter Marco Rose in der vergangenen Saison noch eine Art ‚Wolfühloase‘ geschaffen wurde, haben sich die Zeiten unter Borussias neuen Trainer drastisch geändert. Hütter macht auch vor großen Namen wie Neuhaus oder eben auch Lars Stindl, der in Mainz zunächst auf der Bank saß, keinen Halt. 

Dies mag für einige Spieler ungewohnt und auch unbequem sein, kann letztlich aber nur dem Wohl des Vereins helfen, wenn der Konkurrenzkampf angetrieben wird. Und genau diesem sieht sich Neuhaus ausgesetzt, denn aktuell kommt er weder an Denis Zakaria, noch an Manu Koné vorbei. Seit der Partie gegen Borussia Dortmund (25.09.21) kommt der Nationalspieler nicht mehr über die Reservistenrolle hinaus. Dass ihm diese Rolle nach zwei Spielzeiten als Stammspieler nicht schmeckt, ist offensichtlich. Sogar so offensichtlich, dass Neuhaus nun Kritik übte und ungewöhnlich deutliche Worte fand. 

Scharfe Kritik an Borussia 

»Meine Situation ist nicht ganz einfach, ich habe mir über drei Jahre viel aufgebaut bei Borussia. Ich habe nun selber gemerkt, wie schnell es im Profifußball gehen kann und hätte mir ein Stück weit mehr Rückendeckung vom Verein gewünscht«, feuerte Neuhaus in Richtung von Max Eberl und Adi Hütter. Borussias Trainer ließen die Worte allerdings kalt. »Es gilt ein Leistungsprinzip und Flo sieht ja auch, dass wir im Zentrum gut besetzt sind«, nahm Hütter nach dem Remis in Mainz Stellung. 

Solch einen offenen ‚Schlagabtausch‘ hat es am linken Niederrhein schon lange nicht mehr gegeben und er zeigt, dass Adi Hütter die Mannschaft aus dem Schlaf holen möchte und die Fohlenelf vorantreiben möchte. »Er trainiert sehr gut und ordentlich, das freut mich. Für ihn ist die Situation neu und anders, aber auch das gehört zu der Entwicklung eines sehr guten Spielers dazu. Mich freut es aber besonders, dass er heute das wichtige Tor geschossen hat«, so Hütter weiter. 

»Wahrscheinlich nur Wunschdenken«

Das zwischenzeitliche 1:0 war sicherlich nicht die größte Herausforderung in der bisherigen Karriere von Florian Neuhaus, schließlich profitierte er von einem Abpraller vom Mainzer Keeper Robin Zentner. Dennoch kann und darf sich der 24-Jähriger über das Lebenszeichen freuen. »Das Tor war ein gutes Gefühl für mich, ich hatte einfach den mentalen Willen durchzulaufen. Das war wichtig für mich nach den letzten Wochen«, beschrieb Neuhaus seinen Treffer und die Gefühlslage. 

Seine geforderte Rückendeckung beschrieb er im knallharten Profigeschäft »wahrscheinlich als Wunschdenken«. Das Ego von Neuhaus ist merklich angekratzt und Borussias Nummer 32 kann und muss sich eben durch gute Leistungen sein Selbstvertrauen zurückholen und auch selbst hinterfragen. »Ich gebe einfach weiter mein bestes im Training und stehe im Austausch mit dem Trainer, er attestiert mir gute Trainingsleistungen. Ich möchte mit guten Leistungen zurück in die Mannschaft«, so Neuhaus zu seinem Vorhaben. Nun reist er erstmal zur Nationalmannschaft, vielleicht kann er unter Hansi Flick wieder mehr Selbstvertrauen tanken…