Feiernde Borussen nach dem souveränen Sieg gegen Oberneuland. Foto: Dirk Päffgen, Fohlen-Hautnah.de

Borussia Mönchengladbach hat sich nicht in die Klubs eingereiht, über die man nach der 1. Hauptrunde im DFB-Pokal lacht, weil sie gegen den Underdog den Kürzeren gezogen haben. Die Fohlenelf ließ keine Überraschung zu im Borussia-Park, weil sie die Aufgabe seriös angenommen und zu Ende gebracht hat. Dazu gab es weitere, positive und schöne Aspekte.

Es ist einer diese berühmt-berüchtigten Fragen, wenn es nach der Sommer-Vorbereitung in den Pflichtspielauftakt geht. Wo steht die Mannschaft und vor allem: Gehört man zu den Teams, über die nach der 1. Pokalrunde die ganze Nation lacht, weil man dem vom Papier her vermeintlich klar unterlegenen Gegner die Sensation überlassen hat.

Borussia Mönchengladbach hat sich in diese Riege zum Glück nicht eingereiht. Warum das so ist, ist relativ einfach zu beschreiben. Von der ersten Sekunde an nahmen die Borussen das auf dem Papier geführte Auswärtsspiel vor 300 Zuschauern im Borussia-Park seriös an und hinterließen keinerlei Zweifel, den Auftakt positiv gestalten zu wollen.

Gleich voll da und froh für die Entscheidung gesorgt

Dass der mit einem Party-Bus angereiste Regionalligist auf der Rückfahrt eher den Frust runterzuspülen hatte, lag eben an den Borussen, die auch ohne ihre geballte Offensivkraft seriös und hochmotiviert an die Aufgabe gegen den Landespokalsieger aus Bremen herangingen und ihrer Favoritenrolle absolut gerecht wurden.

Sofort gab die Fohlenelf Vollgas und lag bereits nach zwanzig Minuten mit 4:0 in Front. Zur Pause hieß es 5:0 für die Borussen, die sich spielfreudig und gierig zeigten. 21:0 Torschüsse und 83 Prozent Ballbesitz nach 45 Minuten untermauerten, wie überlegen die Fohlenelf in ihrem Stadion waren. Da war die Partie also schon entschieden zugunsten der Borussen, die nach dem Wechsel noch dreimal trafen und am Ende also mit 8:0 gewannen. Wenn man das Haar in der Suppe suchen will, dann sind es die ersten Minuten nach der Pause. Da hatte der FC Oberneuland, der sich für die zweite Halbzeit merklich was vorgenommen hatte, Abschlüsse – weil die Fohlenelf sie dazu kommen ließ und nicht mehr konsequent zu Werke ging.

Tobias Sippel bekommt verdienten Lohn

Aber wer will es ihnen bei so einem komfortablen Vorsprung verdenken. Am souveränen Weiterkommen der Fohlenelf änderte das sowieso nichts. Apropos: Mehr als souverän trat auch mal wieder Tobias Sippel auf. Borussia Nummer zwei machte vor über zwei Jahren in der ersten Pokalrunde beim BSC Hastedt sein letztes Pflichtspiel für die Elf vom Niederrhein. Der gebürtige Pfälzer ist eine Nummer zwei wie man sie sich nur wünschen kann: Mannschaftsdienstlich und extrem zuverlässig. Das stellte er beim letzten Test in Venlo unter Beweis, wo er etliche Male gefordert war. 

Marcus Thuram ist wieder da

Von Marco Rose beziehungsweise Alexander Zickler gab es dann gegen den FC Oberneuland die Wertschätzung, nämlich die, dass der 32-Jährige nochmal zwischen den Pfosten stehen durfte. Sippel war ruhig, gab seinen Vorderleuten Anweisungen und blieb nahezu beschäftigungslos. Ein bisschen mehr arbeiten musste Marcus Thuram: Der Franzose feierte nach dreimonatiger Verletzungspause sein Comeback. 

Sicherlich fehlt dem Franzosen noch einiges bis zur Normalform, doch ‚Tikus‘ war direkt wieder er selbst und ein belebendes Element in der Offensive. Ein Tor blieb ihm zwar verwehrt, dafür zog der 23-Jährige aber viele Sprints an und hängte sich voll rein. Nichts zu vergessen die Vorlage für Doppeltorschütze Patrick Herrmann, der auch immer besser in Tritt kommt. Aber das deckt sich ohnehin mit den Erkenntnissen aus der Schlussphase der abgelaufenen Saison. 

Gerüstet zum BVB

Borussia hat in der breite des Kaders einiges an Qualität anzubieten, denn Stars wie Denis Zakaria, Breel Embolo und auch Alassane Pléa standen gar nicht auf dem Platz. Trotzdem haben die Fohlen eine völlig intakte Mannschaft und haben das auch in der ersten Runde des DFB-Pokals wieder mal unter Beweis gestellt. Neben Herrmann war auch Florian Neuhaus sehr auffällig. Nicht nur wegen seiner beiden Tore, auch ansonsten war der Fast-Nationalspieler ein Taktgeber im Mittelfeld und bewies oftmals ein gutes Auge. 

Diese Leistung werden Neuhaus und Co. nächste Woche beim Bundesligaauftakt mindestens wieder bestätigen müssen. Denn dann wartet mit dem BVB ein ganz anderes Kaliber und die Fohlenelf wird schon zum Auftakt der Liga gleich richtig gefordert. Aber es ist, wie eingangs erwähnt, eine schöne Gelegenheit um zu schauen, wo man so früh in der Saison denn schon steht…

Der Sieg gegen den FC Oberneuland in Einklang mit dem Weiterkommen im DFB-Pokal dürfte jedenfalls Selbstvertrauen gegeben haben, tut gut, und ist gut für den Kopf. Der Anfang ist jedenfalls gemacht, weiter geht’s…