Joachim Löw hat am Mittag seinen vorläufigen WM-Kader bekanntgegeben. Unter den 27 Akteuren, die in der nächsten Woche mit ins Trainingslager nach Südtirol reisen, ist auch Matthias Ginter. Der 24-jährige gehörte bereits 2014 in Brasilien zum Aufgebot, nun will er mit nach Russland.

Im letzten Sommer wechselte Matthias Ginter vor allem deshalb zu Borussia Mönchengladbach, um auf einer festen Position spielen zu können. Seitdem ist er in der Innenverteidigung gesetzt. Doch seine Flexibilität in der Defensive könnte im Hinblick auf den endgültigen Kader bei der WM ein Trumpf für ihn sein. »Ich glaube schon, dass es gerade bei Turnieren ein Vorteil sein kann, wenn man mehrere Positionen spielen kann«, so Ginter.

Sechster Turnier-Sommer in Folge?

Für ihn wäre es seit 2013 (U21-EM, WM, U21-EM, Olympia, Confed-Cup) der sechste Sommer in Folge, an dem er an einem großen Turnier teilnimmt. Eine Saison beenden und wochenlang in den Urlaub fahren? Das kennt Ginter gar nicht. Er weiß genau, dass ihm alles abverlangt wird und tut alles dafür, um fit zu sein und von größeren Verletzungen verschont zu bleiben. »Natürlich gehört auch Glück dazu. Wenn mich einer von hinten umhaut, kann ich mich auch verletzen. Ich versuche tagtäglich an mir und meinem Körper zu arbeiten. Es ist eben so, dass mein Körper das Kapital ist. Dafür versuche ich alles zu tun, um gesund zu bleiben: Ob es im Kraftraum, die Ernährung oder der Schlaf ist. Ich versuche alles anzuwenden, was mir hilft«, gibt der in Freiburg geborene VfL-Spieler einen kleinen Einblick in seine professionelle Lebensweise.

»Besondere Herausforderung«

Trotz seines jungen Alters ist Ginter im Kader des Bundestrainers ein Spieler mit sehr großer Turniererfahrung. Die zweite Weltmeisterschaft wäre für den Borussen das nächste Highlight. »Generell ist eine WM das Größte für einen Fußballer. Gerade solche Turniere im Sommer, wenn alle zuschauen, das ganze Land hinter einem steht, sind etwas ganz Besonderes in der Karriere“, erzählt er. Angesprochen auf die Favoritenrolle der deutschen Nationalmannschaft als Titelverteidiger, sagt er: »Ich glaube, das Deutschland immer zu den Favoriten gehört. Als Titelverteidiger ist es natürlich nochmal eine spezielle Rolle und vielleicht nochmal ein Stückchen schwieriger. Das ist eine besondere Herausforderung, aber wenn man sich die Spieler anschaut, die auch schon 2014 dabei waren, kann man schon sagen, dass wir auf jeden Fall zum Favoritenkreis gehören.«

»Haben gute Chancen«

Erst am 4. Juni, also zehn Tage vor dem Turnier, muss Joachim Löw seinen endgültigen Kader, der aus 23 Spielern bestehen wird, bekanntgeben. Bis dahin steht für Matthias Ginter und seine Kollegen neben einigen schweißtreibenden Trainingseinheiten auch ein Testspiel am 2. Juni gegen Österreich auf dem Programm. Vier Spieler wird Löw noch streichen müssen, darunter ein Torhüter. Über sich selbst redet Ginter nicht so gerne und deshalb verrät er auch nicht, was ihn seiner Meinung nach von den anderen Innenverteidigern unterscheidet und seine Chancen erhöht. Da wäre zum einen seine Torgefährlichkeit zu nennen, die in er in dieser Saison eindrucksvoll unter Beweis stellen kann. Doch er spricht lieber über die Mannschaft, denn dort weiß er ebenfalls, worauf es ankommt. »Vor den Turnieren werden natürlich nochmal Automatismen und gewissen Abläufe verfeinert. Es geht um Kleinigkeiten, gerade in den K.O.-Spielen. Ich glaube, dass wir gute Chancen haben, aber auch andere Nationen sind nicht so schlecht«, blickt er voraus.

Hochzeit am Samstag

Matthias Ginter hat noch acht Tage Zeit, bis es für ihn darum geht, um seinen WM-Platz zu kämpfen. Die nächsten Tage und das Pfingstwochenende hat er bereits voll durchgeplant. »In erster Linie will man natürlich sportlich bleiben, also wäre es auch von Vorteil, was für sich zu machen. Ich heirate dann noch in dem Zeitraum, da sehe ich dann auch alle aus der Familie und die Freunde.« Am Samstag wird er in Freiburg seiner Verlobten Christina das „Ja-Wort“ geben. Die Flitterwochen hat er sicherheitshalber in den Zeitraum nach Turnierende gelegt und dabei soll es bleiben, schließlich möchte er zuvor so lange wie möglich in Russland verweilen…