Dieter Hecking kennt das Geschäft der Bundesliga nach all den Jahren wie seine Westentasche. Die Schnelllebigkeit, mit der über sportliche Situationen geurteilt wird, hat er in der letzten Saison selbst zu spüren bekommen. Diese Entwicklung hält Hecking jedoch für gefährlich.

 

Wie rasant es bergauf und bergab gehen kann, weiß Dieter Hecking ganz genau. Noch im Mai musste er viel Kritik einstecken. In der Öffentlichkeit wurde über seine vorzeitige Entlassung diskutiert. Fünf Monate später hat er es mit Borussia Mönchengladbach vorläufig auf Platz drei geschafft. Auch wenn das nur eine Momentaufnahme ist, hat der Gegenwind gegenüber seiner Person deutlich abgenommen. Doch Hecking kann dieses Szenario ganz genau einschätzen, weil er weiß, dass in der Rückrunde nicht alles schlecht war und nun nicht alles perfekt ist. »Im Moment können wir uns auf die Schulter klopfen, aber wenn wir das Heimspiel gegen Mainz und in Freiburg verlieren, dann sieht die Welt schon wieder anders aus«, sagte er einem Tag nach dem Erfolg in München.

»Dann haben wir Trainer alle ein Problem«

»Wenn wir wirklich nur nach den nackten Ergebnissen der letzten vier, fünf Wochen beurteilt werden, dann brauchen wir künftig nur von einer bis zur nächsten Länderspielpause zu denken. Diese Entwicklung halte ich für gefährlich«, so der Cheftrainer der Borussia in der heutigen Printausgabe der ›SportBild‹. Als Beispiel nennt er die frühzeitige Entlassung von Tayfun Korkut, der aus 21 Spielen mit dem VfB Stuttgart 36 Punkte geholt hat. »Wenn so eine Bilanz nicht ausreicht, um als Trainer des VfB Stuttgart auch mal eine schwächere Phase überstehen zu können und Vertrauen zu genießen, haben wir Trainer alle ein Problem«, verdeutlicht Hecking. 

»Mir missfällt, wie schnell unsere Arbeit schlechtgeredet wird. Die Ungeduld, die sich inzwischen schon nach zwei, drei schwächeren Spielen breitmacht, ist völlig überzogen. Der FC Bayern galt unter Niko Kovac vor drei Wochen noch als unschlagbar. Zwei Spieltage später wird von einer Kovac-Krise gesprochen. Da stimmt im Moment etwas ganz grundsätzlich nicht«, so Hecking, der sich mittlerweile eine gewisse Gelassenheit angeeignet hat, von der er zum einen in unruhigen Zeiten wie der vergangenen Halbserie profitiert und zum anderen einen Positivtrend wie aktuell ebenfalls realistisch einzuschätzen weiß.