Marco Rose und die Borussen enttäuschten gegen Stuttgart. Foto: Dirk Päffgen.

Borussia Mönchengladbach droht nun endgültig die komplette Saison herzuschenken, selbst die Conference League ist nun in akuter Gefahr. Dass die Fohlen eine Führung verspielen, ist zwar nichts neues, jedoch immer wieder erschreckend, dass sie in selbiges Muster verfallen. Nur noch ein Spieltag und dann kann man hinter diese denkwürdige Saison einen großen Haken machen. 

Bilder sagen mehr als tausend Worte 

Die Fohlen, allen voran Marco Rose, hatten vor der Pressekonferenz zum Spiel gegen den VfB Stuttgart eine Reaktion ‚versprochen‘. Diese war auch nötig, denn die 0:6-Niederlage bei Bayern München eine Woche zuvor hatte Spuren hinterlassen. Sogar so sehr, dass man es den Borussen teilweise noch auf dem Platz am Samstagnachmittag anmerkte. 

Als das Spiel dann endlich, so deutlich muss man es sagen, abgepfiffen wurde, sprachen Bilder ihre ganz eigene Sprache. Max Eberl wurde von den TV-Kameras nah eingefangen. Zu sehen war ein mehr als angefressener Sportdirektor: Verschränkte Arme, nahezu versteinerte Miene. Spätestens in diesem Moment wurde auch dem ehrgeizigen Sportdirektor klar: Europa ist in akuter Gefahr. Drei Niederlagen aus den letzten vier Spielen und nur Platz 12 in der aktuellen Rückrundentabelle sind Fakten, die viel zu wenig sind für die Ambitionen des Klubs.

Beim Verschenken einer Führung ist auf Borussia Verlass 

Man hat sich am linken Niederrhein schon seit Monaten mehr oder weniger damit „abgefunden“, dass man in der kommenden Saison nicht in der Champions League spielt, auch die Europa League war seit Wochen sehr unrealistisch. Mitverantwortlich So hieß das neue Minimalziel nun die Teilnahme an den Play-offs zur Conference League, doch auch das haben die Fohlen jetzt schon nicht mehr in der eigenen Hand. 

Grund dafür ist ein negativer Bundesliga-Höchstwert und gleichzeitig neuer Vereinsnegativrekord: Die Fohlenelf hat im Spiel gegen den VfB bereits zum zwölften Mal in dieser Bundesliga-Saison eine Führung verspielt (sieben Remis, fünf Niederlagen). Unglaubliche 29 Punkte verschenkten die Borussen nach einem Vorsprung, ein unfassbarer Wert. Wenigstens was das angeht, ist auf die Fohlenelf ‚Verlass‘ und ein klares Muster erkennbar, denn ansonsten war das Auftreten gegen den VfB Stuttgart kein spielerisches Hochglanzprodukt. Magere neun Torschüsse gaben die Fohlen ab, selbst in München gab man noch fünf Versuche mehr ab. 

Ein Sprichwort besagt ‚hinterher ist man immer schlauer‘, das dürfte nun wohl auch für die Verantwortlichen am Borussia-Park gelten. Denn was Mitte Februar viele Fans voraussagten, ist nämlich bittere Realität geworden: Das Festhalten an Marco Rose bis zum Saisonende erwies sich als Fehlgriff. Sicherlich kann und darf man das komplette Auftreten der Mannschaft nicht alleine am Trainer festmachen, zumal das Führungs-Problem schon zum Saisonbeginn herrschte.

Eine denkwürdige Saison neigt sich dem Ende zu, Stindl bester Deutscher

Es gehören, wie überall im Leben, immer zwei zu einer Sache. Auch die Mannschaft und jeder einzelne Spieler muss sich hinterfragen, ob er denn immer alles abgerufen hat. Auch hier sollte und muss Max Eberl das eine und andere Gespräch führen. Doch es ist die klare Aufgabe des Trainerstabes, auch an diesem Defizit zu arbeiten. Stattdessen ging diese traurige Entwicklung nahezu Woche für Woche weiter. Um es ehrlich zu sagen: In der Entwicklung der Mannschaft hat sich seit dem ‚Neubeginn‘ mit Marco Rose sehr wenig getan. 60 Tore sind gut. Aber oftmals waren und sind es nur Ansätze von dem, was Marco Rose hat versucht, den Borussen einzuimpfen. Gerade im gemeinsamen und konzentrierten Verteidigen gab es bei der angedachten Spielidee des offensiven Pressings zu viel Instabilität. Es fehlt einfach die Konstanz.

Ein erfreulicher positiver Aspekt: Mit 13 Saisontreffern ist Lars Stindl bester deutscher Angreifer (Platz 7 in dieser Statistik) und so vielleicht ein Fall für Jogi Löw. Dennoch zum Vergleich: Die identische Mannschaft schaffte es in der Vorsaison noch auf Rang vier und damit in die Champions League. Von all der Spielfreude und dem Spielwitz ist nichts mehr zu sehen, stattdessen verkrampft die Mannschaft nahezu komplett.

Gegen Bremen wartet nach dem Trainerwechsel eine harte Nuss

Genau diese ist nun nächste Woche gegen Werder Bremen extrem unter Zugzwang. Und diese Aufgabe wird alles andere als einfach. Sowieso ist jedes Spiel in der Bundesliga nie „einfach mal so“ zu gewinnen, doch an der Weser hat man noch mal den letzten Joker gezogen und Florian Kohfeldt durch Thomas Schaaf ersetzt. Der Trainer-Routinier soll im letzen Spiel für den Klassenerhalt sorgen und wird dafür nochmal alle Register ziehen. Für die Borussen bleibt zu hoffen, dass der Trainer-Wechsel nicht fruchtet. Damit dem so ist, müssen die Fohlen aber eben voll da sein und den „Stadtmusikanten“ früh den Zahn ziehen. Klar ist: Werder Bremen wird noch einmal alles versuchen, kratzen und beißen. Da müssen die Borussen dagegenhalten.

Dazu sollten sich die Spieler auch an die berühmte eigene Nase packen, auch die Akteure in Weiß rennen ihren eigenen Ansprüchen hinterher. Borussia droht jetzt also der Super-GAU. Union Berlin hat im Kampf um Platz sieben jetzt alle Trümpfe in der Hand. Nominell haben sie zwar mit RB Leipzig den ‚stärkeren‘ Gegner, doch das Spiel bei den abstiegsbedrohten Bremern wird, wie oben beschrieben, auch für die Fohlenelf alles andere als ein Selbstläufer. Als geneigter Fan kann man da nur sagen: Schön, dass diese denkwürdige Saison bald vorbei ist, ‚egal‘ mit welchem Ergebnis. 

Neubeginn im Sommer 

Stattdessen kann und muss man sich dann auf den (erneuten) Neuanfang unter Adi Hütter freuen, der der Mannschaft dann ab Sommer hoffentlich wieder neues Leben einhaucht. Denn die Qualität im Kader von Borussia ist unbestritten vorhanden, sie muss eben nur gefördert und vor allem auch abgerufen werden. 

Mit welchem Personal das letztlich passiert steht aktuell noch nicht in Gänze fest. Max Eberl kündigte in den vergangenen Tagen erneut an, dass sich die Fohlen wohl kaum verstärken werden, stattdessen wird der Kader sogar noch schlanker. Mit Oscar Wendt, Julio Villalba und Max Grün verlassen bereits drei Profis den linken Niederrhein, hinter Ibrahima Traoré steht noch ein Fragezeichen. Ebenso hinter Matthias Ginter und Denis Zakaria: Zwar haben beide noch Vertrag bis Sommer 2022, doch hinter den Kulissen kämpft Max Eberl um eine vorzeitige Vertragsverlängerung. Auch deshalb wäre Platz sieben extrem wichtig, damit Borussias Sportdirektor noch ein Argument mehr in der Hand hat…