Wieder hat Borussia Mönchengladbach durch ein spätes Gegentor verloren. Und abermals wäre ein Sieg möglich, ein Unentschieden aber das Mindeste gewesen, was die Fohlenelf hätte erreichen müssen. Daher blickte man nach Abpfiff in trübe und enttäuschte Gesichter – das sah man nicht nur auf der Tribüne, sondern auch in den Mienen der Verantwortlichen.

In der ersten Halbzeit war es gestern ein Spiel, das in der Nachbetrachtung nicht durch viele Höhepunkten glänzen kann. Offensiv kamen die Borussen nicht zur Entfaltung, hinten standen sie dafür aber recht sicher. Ein 0:0 zur Pause war die Folge. Die sicherlich größte Chance hatte der VfL kurz nach Wiederanpfiff. Doch zunächst scheiterte Patrick Herrmann an Gulacsi und Stindl im Nachschuss an den Leipziger Abwehrspielern, die sich seinem Versuch in den Weg stellten. »Wir spielen das sehr gut aus, insgesamt war das ein sehr guter Angriff. Wir sind dann frei vor dem Tor und das zieht sich irgendwie so durch, dass wir die Dinger in so Phasen nicht machen, um das Spiel auf unsere Seite zu ziehen«, analysierte Lars Stindl, dem somit erneut ein Erfolgserlebnis verwehrt blieb.

»Versuche mein Bestes«

Patrick Herrmann war nach dem Spiel auch sichtlich mitgenommen, dass ihm im dritten Spiel hintereinander trotz guter Chancen das Quäntchen Glück im Abschluss fehlte. »Es ist momentan so, dass das Ding bei mir einfach nicht reingehen will. Ich will ihn ja reinmachen, ich versuche mein Bestes. Man macht sich dann auch irgendwann einen Kopf, aber da muss man versuchen ein bisschen Abstand von zu halten«, bilanzierte Herrmann.

Trotz Überzahl das Tor nicht verteidigt

Auch Vincenzo Grifo hatte in der 85. Minute nochmal eine gut Chance, als er die Flanke von Thorgan Hazard per Direktabnahme aufs Tor bugsierte, der Ball aber zu unplatziert in den Händen vom Leipziger Keeper landete. »Am Ende hat man natürlich gewusst, dass Leipzig auf Konter spielt und dass sie im Umschaltspiel sehr, sehr gut sind und dann rutscht er halt da hinten ins Eck. Das tut dann natürlich weh. Vor allem auch so spät, da hast du auch nicht mehr so viel Zeit, das aufzuholen«, so Grifo, der im Spiel immer wieder versuchte, die Offensive anzukurbeln.

Als die Leipziger dann in der 88. Minute das Tor erzielten gab es aber in der Nachspielzeit tatsächlich nochmal die Chance zum Ausgleich. Doch Hazard vergab die letzte Möglichkeit. Aber nicht nur mit dieser Gelegenheit haderte Dieter Hecking auf der anschließenden Pressekonferenz: »Wenn du drei-, viermal alleine vor dem Torwart stehst, dann könnte ruhig mal ein Ball reingehen. Und dann musst du natürlich in der 88. Minute noch so wach sein, dass wir es verteidigt bekommen. Es war ein schnell ausgeführter Einwurf, wo wir schon im Mittelfeld Zugriff finden könnten«, schildert Hecking. »Hinten waren wir dann nochmal in Überzahl und das ist dann ärgerlich, dass wir im Moment in diesen Phasen nicht zu Null spielen.«

Leipzig abgezockter, Borussen frustriert

Der erneut späte Gegentreffer schlägt vor allem auf die Moral. Denn im Gegensatz zur Fohlenelf zeigten die Leipziger sich in der entscheidenden Szene kaltschnäuzig und kamen so zu den drei Punkten. Dieter Hecking beschrieb die Frustration: »Es ist doch ganz klar, dass die Mannschaft heute sicherlich enttäuschter ist als sonst in den letzten Wochen, weil es sich jetzt ein bisschen summiert. Wir müssen den Kopf hochnehmen. Wir wissen, dass im Moment einiges gegen uns läuft.« Der Chefcoach betont aber ebenfalls, dass die Gründe für diese Niederlage ausschließlich in der eigenen Leistung zu suchen sind: »Heute hat es aber nichts damit zu tun, dass andere Kräfte gewirkt haben, heute waren wir dafür verantwortlich und da müssen wir auch ganz klar den Ansatz suchen. Heute hätten wir, denke ich, den Punkt verdient gehabt.«

»Frei machen von Tabellensituation«

Durch die Niederlage steht Borussia erstmal auf dem siebten Rang, kann am Nachmittag durch einen Sieg der Augsburger noch einen Platz abrutschen. Weiterhin beträgt der Abstand zu Rang zwei lediglich vier Zähler. Für Christoph Kramer hat es keinen Sinn, sich Woche für Woche über den Tabellenplatz zu unterhalten, dafür sind es noch zu viele ausstehende Spiele: »Wir müssen uns sowieso ein bisschen frei machen von dieser Tabellensituation. Ob du jetzt zweiter, siebter, fünfzehnter oder vierter bist – das bringt ja nichts, darüber jede Woche aufs Neue zu urteilen. Wir müssen schauen, dass wir unsere Punkte einfahren.«

»Nicht unser Anspruch«

Sein Trainer sieht es ähnlich, trotzdem ist es unstrittig, dass man mit der mageren Punkteausbeute der letzten Partien nicht zufrieden sein kann. »Sieben Punkte aus acht Spielen ist nicht unser Anspruch. Da hätten wir gerne mehr gehabt. Wir brauchen uns nicht mehr über Schiedsrichterpech oder -glück zu unterhalten. Wir brauchen uns nicht über unsere Verletzten zu unterhalten«, brachte es Hecking, der das Fehlen von neun Spielern nicht in den Mittelpunkt rücken wollte. »Ich denke, auch heute hatten wir eine Mannschaft, die Leipzig absolut ebenbürtig war und von daher ist das eben im Moment so die Situation. Wir wollen mehr, das ist klar, aber im Moment ist eben die Phase, wo es nicht so leicht von der Hand geht, wie wir es gerne hätten.«