Marco Rose beendet die Zusammenarbeit mit Borussia vorzeitig. Foto: Dirk Päffgen

Endlich herrscht Klarheit: Marco Rose verlässt die einzig wahre Borussia nach Saisonende in Richtung Dortmund. Eine Entscheidung die sicherlich absehbar war, wenngleich sie dennoch überraschend kam. Vor Max Eberl und den Verantwortlichen am Niederrhein liegt erneut viel Arbeit. Währenddessen müssen die Fohlen aber auch aufpassen, dass die sportlichen Erfolge nicht in Gefahr geraten. 

Der Eiertanz ist vorbei

Seit Wochen und Monaten dominierte nahezu nur ein Thema die Medienlandschaft bei Borussia Mönchengladbach: Geht Marco Rose nach Saisonende zu Borussia Dortmund? Hat der 44-Jährige eine Ausstiegsklausel in seinem bis 2022 laufenden Vertrag? Seit gestern Mittag kann man beide Fragen mit ‚ja‘ beantworten. Endlich ist es raus, endlich herrscht Klarheit. 

Der Eiertanz des noch Borussia-Trainers nahm immer mehr zu, Rose verpasste es ein klares Statement oder gar ein Bekenntnis zu seinem aktuellen Arbeitgeber zu setzen. Stattdessen wollte er sich auch nach Spielende beim VfL Wolfsburg nicht zu den aktuellen Gerüchten äußern. Rose hätte Größe zeigen können. 

Hätte insofern, weil die Fohlen am Montagmittag eine Pressemeldung verschickten und somit die Trennung von Rose verkündeten. Es ist sehr bedauerlich, dass sich der 44-Jährige nicht selbst vor die Presse stellte und das Ende Zusammenarbeit mit Borussia nach der Saison vermeldete. Stattdessen wurde wohl auch Borussia etwas auf dem falschen Fuß erwischt und musste kurzerhand noch eine Meldung stricken. 

Die Gefahr eines vorzeitigen Abschieds war von Anfang an da 

Offensichtlich sendete Rose auch an Max Eberl falsche Signale. Borussias Sportdirektor ging noch zuletzt zu ‚98 Prozent‘ davon aus, dass Rose auch in der nächsten Spielzeit auf der Trainerbank sitzt. Eberl gab sich stets optimistisch. Ob das nur gute Miene zum bösen Spiel war kann niemand genau beurteilen, fest steht aber, dass ihm die Entscheidung von Rose nicht geschmeckt haben wird. 

Der Sportidrektor ging vor etwa zwei Jahren einen mutigen Weg als er mit dem aktuellen Trainer einen neuen Weg am linken Niederrhein einschlagen wollte. Rose kündigte noch vollmundig an, dass er nicht umsonst für drei Jahre unterschrieben hat und hier etwas aufbauen möchte. Mit diesen Aussagen hat er alle im Umfeld von Borussia geblendet und stattdessen Gladbach nur als Zwischenstation für seinen nächsten Karriereschritt genutzt. 

Dass Eberl mit der Ausstiegsklausel einen möglichen Weggang des aktuellen Übungsleiters mit eingekauft hat liegt auf der Hand, schließlich konnten die Fohlen ihn auch nur mit einer Klausel aus Salzburg nach Mönchengladbach locken. Dennoch hätte man sich (erneut) in dem knallharten Fußballgeschäft etwas mehr Offenheit gewünscht. Seinen Kredit bei den Fans verspielte Rose ohnehin jüngst nach der Mega-Rotation im verlorenen Derby nahezu komplett, als er ausgerechnet dieses wichtige Spiel als Spielwiese für seine taktischen Experimente nutzte. 

Eberl erfüllte Rose Spieler-Wünsche 

Nun zieht es also einen weiteren Akteur von Borussia zu Borussia, eine scheinbar nicht endende Horrorgeschichte. Die Rahmenbedingungen sind in Dortmund sicherlich ein Stück weit besser als in Mönchengladbach, sportlich gesehen ist es aber nicht unbedingt eine Weiterentwicklung für Rose. Aktuell zeigt sich einmal mehr, welch loser ‚Haufen‘ der BVB ist, denn nach dem Rauswurf von Lucien Favre ist der direkte Mitkonkurrent völlig von der Rolle. Was bewegt also Rose zum sogenannten nächsten Schritt? 

Vermutlich ist seine Motivation, wie bei vielen in diesem Geschäft, einfach nur Geld. Denn eigentlich, so ehrlich muss man sein, fehlte es ihm bei Borussia Mönchengladbach an nichts. Max Eberl erfüllte dem 44-Jährigen nahezu jeden Spielerwunsch, jüngst bekam der Trainer sogar seinen Wunschspieler Hannes Wolf, der aktuell noch ein Fremdkörper in der Fohlenelf ist. 

Apropos Spieler: Seine Entscheidung teilte Rose gestern auch direkt ‚seiner‘ Mannnschaft mit, die sich wohl langsam zu spalten scheint. Die ‚Bild‘ berichtete nämlich davon, dass sich ein Spieler belogen gefühlt hat. Währenddessen likte ein französischer Nationalspieler bei Instagram offenkundig einen Post in dem stand, dass Marco Rose eben zum BVB geht. Max Eberl und Co. müssen nun aufpassen, dass ihnen der Laden nicht völlig um die Ohren fliegt. 

Krisensitzung im Borussia-Park 

Noch am Montagabend saß Borussias Sportdirektor mit dem Präsidium rund um Stephan Schippers zusammen und tagte über die möglichen Schritte. Denn wenn sich zunehmend herausstellt, dass Rose Teile der Mannschaft nicht mehr erreicht, sind die sportlichen Erfolge in ernsthafter Gefahr. Dass die Fohlen im Pokal in zwei Wochen ausgerechnet gegen Dortmund spielen ist ohnehin schon pikant genug und birgt Explosionsgefahr. Sollten die nächsten Spiele nicht den gewünschten Erfolg bringen, muss Borussia die Handbremse ziehen und Rose gezwungenermaßen beurlauben. 

Denn neben all den handelnden Personen ist eines klar: Das wohl des Vereins steht über allem! Kein Trainer, kein Spieler ist größer als der Verein. Und diese, oftmals hohle Phrase, wird bei den Fohlen tatsächlich gelebt. Umso wichtiger war es, dass mit Max Eberl und Stephan Schippers die Säulen des Erfolges vorzeitig ihren Vertrag verlängert haben. Dennoch haben wir ein mulmiges Gefühl bei der aktuellen Lage. 

Raum für Interpretation bringt auch die frühe Pressekonferenz am Mittwochmorgen mit sich. Normalerweise stellen sich Max Eberl und Marco Rose zwei Tage vor dem Spiel den Fragen der Medienvertreter, nun beraumten die Fohlen bereits am Mittwoch um 09.30 Uhr die nächste PK ein. Vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass Rose mit seiner Entscheidung am Borussia-Park alle überrumpelte? Man wird es abwarten müssen, spannend bleibt es ohnehin…