Polanski und die Suche nach den »entscheidenden Prozentpunkten« 

Eugen Polanski durchlebt derzeit seine komplizierteste Phase als Trainer. Foto: Dirk Päffgen

Borussia Mönchengladbach könnte am Sonntag in Freiburg fast schon Historisches schaffen, denn ein Sieg im Breisgau liegt über zwei Jahrzehnte zurück. Doch die Lage rund um die sportlich angeschlagenen Fohlen ist prekär. Um die Sieglos-Serie zu beenden, muss vor allem das Pendel zwischen Defensive und Offensive ausgeglichen sein. 

Es ist in diesen Tagen schon ein bisschen Fantasie gefragt, wie Borussia Mönchengladbach den ersten Auswärtserfolg beim SC Freiburg seit 23 Jahren feiern soll. Hinzu kommt: Seit acht Liga-Spielen wartet die Fohlenelf inzwischen auf einen Sieg, in den letzten zehn Partien gab es nur einmal die volle Punkteausbeute. 

Die Suche nach der richtigen Balance 

Dabei waren die Ansätze zuletzt in Frankfurt gar nicht so schlecht, doch in der Offensive zeigte sich Borussia fast schon erschreckend harmlos. Genau daran arbeitete Eugen Polanski in den vergangenen Tagen. »Wir haben an der Optimierung unseres Spiels vor „beiden“ Strafräumen gearbeitet und in diesem Zuge u.a. verschiedenste Formen der Boxverteidigung trainiert. Taktisch haben wir in Frankfurt schon vieles gut gemacht, manchmal hat aber einfach der letzte halbe Schritt gefehlt, um den gegnerischen Schuss zu blocken. Ähnliches gilt für die Offensive. Von den vielen Abschlüssen, die wir hatten, müssen wir mehr Schüsse auf das Tor bringen«, sagte Borussias Trainer. 

Seiner Mannschaft fehlen im Abschluss also die »entscheidenden Prozentpunkte, um erfolgreich zu sein. Insgesamt ist es das Ziel, uns für den betriebenen Aufwand zu belohnen«. Dafür brauchen die Fohlen aber mehr Mut und vor allem auch Selbstvertrauen in die eigene Stärke. Dass die Gladbacher wissen, wo das Tor steht, haben sie in dieser Saison bereits bewiesen. 

Polanski erwartet wuchtige Freiburger 

Doch beim Angstgegner aus Freiburg könnte die Aufgabe in der aktuellen Situation undankbarer nicht sein. Borussia braucht dringender denn je ein Erfolgserlebnis, um das Polster vor dem Relegationsplatz wachsen zu lassen. Polanski erwartet mit Freiburg einen Gegner, der viel »Intensiv und Wucht« mitbringt. »Sie agieren mit vielen langen Bällen ins letzte Drittel, immer verbunden mit einer klaren Struktur. Darüber hinaus verfügen sie über klare Abläufe im Ballbesitz und haben sehr gute Einzelspieler in ihren Reihen. Generell ist der SC Freiburg ein sehr gut strukturierter Verein, der sich in den vergangenen Jahren durch harte Arbeit zu einer Top-Mannschaft in Deutschland entwickelt hat. Auf uns wartet somit ein hartes Stück Arbeit«, weiß der 39-Jährige. 

Elvedi vor Debüt 

Bei diesem Unterfangen muss Polanski auf seinen Kapitän verzichten. Rocco Reitz fehlt der Fohlenelf aufgrund einer Gelbsperre. Dafür kommt Nico Elvedi zu seinem Debüt. Der Schweizer führte Borussia in seiner langen Zeit im Verein noch nie als Kapitän aufs Feld. »Gio Reyna und Robin Hack waren diese Woche wieder teilintegriert im Training. Eine Option für Sonntag sind sie allerdings nicht. Genauso wenig wie Tim Kleindienst und Nathan Ngoumou«, äußerte sich Polanski zum Personal. 

Rouven Schröder mahnte derweil um Ruhe, verdeutlichte aber auch, was diese für ihn bedeutet. »Es ist wichtig, an den Fehlern zu arbeiten und Ruhe auszustrahlen. Ruhe bedeutet hierbei nicht, dass man gewisse Dinge unterschätzt, sondern einfach, dass man in sich gestärkt ist und auch nach Negativerlebnissen Selbstbewusstsein ausstrahlt. Wir befinden uns in einem ganz normalen Prozess und denken stets positiv«, erklärte der Sportchef. 

Wie viel Selbstbewusstsein und Ruhe die Fohlen ausstrahlen, zeigt sich am Sonntagnachmittag bei der kniffligen Aufgabe in Freiburg.