Rocco Reitz: »Es wäre natürlich unsere Traumvorstellung, als Brüder-Paar bei Borussia zu spielen«

Rocco Reitz spielt derzeit leihweise für St. Truiden in Belgien. Foto: Dirk Päffgen.

Rocco Reitz ist derzeit noch bis zum Saisonende von Borussia Mönchengladbach an VV St. Truiden in Belgien ausgeliehen. In der Jupiler League erhält der 20-Jährige unter Bernd Hollerbach die gewünschte Spielpraxis. Im Gespräch mit unserer Redaktion spricht der Mittelfeldmann, seit 2009 am linken Niederrhein, unter anderem über seine Zeit in Belgien, die Unterschiede der beiden Ligen, seinen jüngeren Bruder Tony Reitz und seine Zukunftspläne.

Fohlen-hautnah: Rocco, du bist zum zweiten Mal bei St. Truiden in Belgien. Wie fällt dein Zwischenfazit nach zehn Spielen, in denen du sechsmal von Beginn an aufgelaufen bist, aus und wie wichtig ist es, dass du auf hohem Niveau auf Spielpraxis kommst?

Rocco Reitz: Generell ist es als junger Spieler wichtig, Spielpraxis zu sammeln. Du kannst noch so viel trainieren – es geht nichts über den Wettbewerb am Wochenende. Bis jetzt ist genau das eingetreten, was ich mir vorgenommen habe. Da sprechen die Einsätze für sich. Insofern bin ich bisher zufrieden. Es war die richtige Entscheidung.

Fohlen-hautnah: In wie weit hat es dir generell geholfen, dass du sowohl in einen Klub als auch in eine Liga gekommen bist, den/die du bereits kennst?

Rocco Reitz: Natürlich war das schon ein Vorteil, weil ich kaum eine Eingewöhnungsphase gebraucht habe. Ich glaube, das ist auch mitentscheidend, wenn du eine Leihe über so einen Zeitraum eingehst. Da ist es von großer Bedeutung, dass du so schnell wie möglich ankommst. Bei St. Truiden kannte ich jeden von der Mannschaft, den den Trainer und den Staff. Das hat mir die Sache natürlich erleichtert.

Fohlen-hautnah: Gibt es denn einen Aspekt oder ein Schlüsselerlebnis, den/das du aus deiner ersten Leihe besonders mitgenommen hast?

Rocco Reitz: Ein genaues Erlebnis nicht. Aber einfach das Vertrauen von der gesamten Mannschaft und dem Trainer ist einfach das, was am wichtigsten ist. Das gibt einem Selbstvertrauen und ein Spieler mit Selbstvertrauen ist auf dem Platz natürlich besser als einer ohne. Und das Selbstvertrauen holst du dir über die Spiele am Wochenende. Die habe ich in meiner ersten Zeit auch bekommen.

Fohlen-hautnah: Nimm uns doch kurz mal mit, wie es in deinem Fall als junger Spieler generell zu so einer Ausliehe kommt.

Rocco Reitz: Im ersten halben Jahr hatte ich bei Borussia nicht die Spielpraxis, die ich mir erwünscht habe. Das hatte verschiedene Gründe. Ich wollte nicht noch mal so ein halbes Jahr mit wenig Spielpraxis auf hohem Niveau. Dann habe ich mir Gedanken gemacht und habe das mit Borussia besprochen. Wir waren dann auch einer Meinung und so sind wir gemeinsam zu der Entscheidung gekommen, dass eine weitere Leihe Sinn macht. St. Truden hat sich dann gemeldet und der Wechsel ging über die Bühne. Ich sehe das als Win-win-Situation für alle Seiten.

Fohlen-hautnah: Bernd Hollerbach ist dein aktueller Trainer. Was ist er für ein Typ Trainer, was unterscheidet ihn von Daniel Farke und in welchen Dingen hat er dich schon nach vorne gebracht?

Rocco Reitz: Daniel Farke setzt sehr viel Wert auf spielerische Ansätze. Insgesamt ist es da mit und ohne Ball sehr komplex. In Belgien wird mehr Wert auf die Physis gelegt. Es ist aber auch der Liga geschuldet, die eben mehr Wert auf die Physis legt. Das heißt aber nicht, dass es in der Bundesliga nicht so ist. Was nicht heißt, dass in der Bundesliga auch der Fall ist. 

Fohlen-hautnah: Du bist noch ein sehr junger Spieler. In welchen Bereichen musst du dich noch verbessern und was sind auf der andern Seite deine Stärken?

Rocco Reitz: Ich denke, was ich sehr gut mache, ist das Spiel nach vorne. Der direkte Pass und die Vision, das Spiel schnell zu machen, schnell zum Tor zu kommen und den vorletzten Pass zu spielen. Auch das Kämpferische und die Technik sehe ich schon als große Stärken von mir an. Was aber nicht heißen soll, dass ich mich in diesen Bereichen nicht noch weiter steigern muss. Was ich definitiv noch verbessern kann und muss ist das Kopfballspiel und das Defensivverhalten. Auch bezüglich der Effizienz vor dem Tor muss ich mich noch steigern. 

Fohlen-hautnah: Welche gravierenden Unterschiede gibt es zwischen der Jupiler League und der Regional- bzw. der Bundesliga?

Rocco Reitz: Ich glaube, die Unterschiede zwischen der Jupiler League und der Bundesliga sind nicht allzu groß. Das Niveau in Belgien ist auch schon richtig gut. Es wird viel Wert auf die Physis gelegt, da geht es schon ordentlich zur Sache. Aber auch das Spielerische kommt nicht zu kurz. Für mein Empfinden auch zum Teil mehr als in der Bundesliga. Die Regionalliga mit der aus Belgien zu vergleichen, ist schwer. Der Unterscheid ist schon sehr groß. Was aber auch normal ist, weil es eben keine Profiliga ist.

Fohlen-hautnah: Weil du gerade von Physis gesprochen hast. Wenn man mit Spielern in deinem Alter spricht, dann wird eben viel genau von dieser gesprochen. In wie fern ist sie denn für einen jungen Spieler wichtig? Man kann sich schon vorstellen, dass das technische im Training verinnerlicht wird. Aber ist Physische und Athletische das, was man nur über Spielpraxis bekommt?

Rocco Reitz: Das gewisse Gefühl für das Spiel, wie du deinen Körper anwendest und wie du deine Kraft aufteilst, das geht nur, wenn du 90 Minuten spielst. Das kannst du durch nichts setzen. Man kann sich natürlich Ausdauer anderweitig holen und dann im Gym trainieren. Das hat dann nichts mit Spielpraxis zu tun sondern das ist Ehrgeiz und Fleiß.  

Fohlen-hautnah: Sint-Truiden ist mit 40.000 Einwohnern im Vergleich zu Mönchengladbach ein beschauliches Städtchen. Wie lebst es sich dort oder hast du dich woanders niedergelassen?

Rocco Reitz: Ich wohne in Belgien. Fünf Minuten vom Stadion weg mit meiner Freundin. Einmal die Woche fahre ich nach Hause, wenn wir frei haben. Natürlich ist die Lebensqualität in Düsseldorf oder auch Mönchengladbach höher, das ist klar. Aber Ich fühle mich in Belgien wohl. Grundsätzlich bringt es einen schon weiter, wenn man mal etwas weiter weg ist uns auf eigenen Beinen stehen muss. Aber das bin ich gewohnt, weil ich das schon früh gelernt habe.

Fohlen-hautnah: Nach Saisonende in Belgien geht es also zunächst zur Borussia zurück. Wie geht es dann weiter? Die Konkurrenz im defensiven Mittelfeld ist ja nach wie vor groß…

Rocco Reitz: Ich spiele die Saison in Belgien zu Ende und dann muss man auch erstmal schauen was im Sommer bei Borussia passiert. Ich habe noch ein Jahr Vertrag und mein Plan ist es, zurückzukommen, Vollgas zu geben und anzugreifen. Aber all das ist noch weit weg. Jetzt möchte ich erstmal mit St. Truiden den bestmöglichen Erfolg haben.

Fohlen-hautnah: Wenn du dich mal selbst reflektierst. Warum denkst du, hat es bisher nur zu einem Kurzeinsatz unter Daniel Farke gereicht und hat der Trainer mal mit dir darüber gesprochen, was du besser machen musst, damit zunächst einmal der zweite und generell ein Kaderplatz dazukommen kann?

Rocco Reitz: Allzu viele Gespräche gab es jetzt nicht, aber natürlich hat er mit mir darüber gesprochen, woran ich noch arbeiten muss und was ich verbessern kann. Am Ende entscheidet der Trainer, wer spielt. Ich muss weiter hart arbeiten und noch mehr Gas geben, damit ich ihn von mir überzeugen kann.

Fohlen-hautnah: Dein Vertrag läuft noch bis 2024. Hast du schon Ideen, wie es weitergehen kann und kannst du dir das generell vorstellen, länger zu bleiben?

Rocco Reitz: Ich gehe da ganz entspannt an die Sache heran. Vorstellen kann ich mir das natürlich. Aber dazu gehört auch der Verein, der mit entscheidet. Und natürlich muss für mich auch die Perspektive stimmen.

Fohlen-hautnah: Dein jüngerer Bruder spielt auch bei Borussia, auch im defensiven Mittelfeld. Wer ist denn der bessere Reitz und was traust du deinem Bruder generell zu?

Rocco Reitz: ich bin schon ein Fan von meinem Bruder. Er muss natürlich noch ein wenig athletischer werden und körperlich zulegen. Das aber normal. Generell ist er aber schon ein sehr guter Fußballer. Die Vergleiche kommen dann immer eher von ihm. Ich bin eher der, der versucht zu helfen und Tipps zu geben. Ich denke schon, dass er auf mich schaut und mir nacheifert. Das würde ich ja auch tun, wenn ich der kleinere Bruder wäre. Wir haben da ein wirklich sehr gutes Verhältnis. Wie es mit ihm weitergeht, kann ich noch nicht sagen. Das wird die Zeit zeigen. Er soll jetzt bis zum Saisonende erstmal weiter Vollgas geben und dann wird man sehen. Das Wichtigste ist einfach, dass er spielt. Wo das sein wird, wird man dann sehen. Wenn man das Märchen schreiben könnte wäre es natürlich unsere Traumvorstellung, als Brüder-Paar bei Borussia zu spielen. Das wäre schon Weltklasse. Wir werden alles dafür tun und dann wird man sehen, was passiert. 

Fohlen-hautnah: Was hast du dir für deine Zeit als Profi noch vorgenommen beziehungsweise was möchtest du noch erreichen?

Rocco Reitz: Natürlich hat man als junger Fußballer auch große Träume. Die soll man generell als Mensch auch haben. Aber es ist wichtig, dass du das machst und durchziehst, was du beeinflussen kannst. Wenn du das nicht machst, dann brauchst du gar nicht anfangen zu träumen. In der Premiere League spielen und die Champions League zu gewinnen wären Träume. Mein realistisches Ziel ist es aber erstmal, mich langfristig in einer Mannschaft im Profi-Fußball zu etablieren und dort nachhaltig meine Leistungen zu zeigen. Dann kommt irgendwann einmal vielleicht alles andere.

Fohlen-hautnah: Was wäre Rocco Reitz eigentlich geworden, wenn es mit dem Beruf Fußball-Profi nicht geklappt hätte?

Rocco Reitz: Ich spiele seit meinem 7. Lebensjahr bei Borussia und seither ist es mein Traum gewesen, Profi-Fußballer zu werden. Ich habe immer zu den Profis hochgeschaut, wenn sie an mir vorbeigelaufen sind. Ansonsten habe ich mal darüber nachgedacht, Polizist zu werden, dann wollte ich auch studieren und Anwalt werden. Aber ich bin froh und stolz, dass es mit dem Profi-Fußballer geklappt hat.

Fohlen-hautnah: Kommen wir zum Schluss mal zur Borussia. Wie bewertest du die aktuelle Situation und was glaubst du, ist in dieser Saison noch möglich?

Rocco Reitz: Ich bin davon überzeugt, dass sich die Mannschaft noch stabilisieren wird. Dafür ist zu viel Wucht, zu viel Qualität im Kader. Es gibt im Leben und eben in einer Mannschaft immer mal wieder Phasen, in denen es auf und ab geht.

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