Niedergeschlagenheit bei Borussia Mönchengladbach. Eigentlich war die Ausgangsposition vor dem abschließenden Heimspiel in der Europa League gegen Istanbul Başakşehir FK komfortabel für die Fohlenelf. Ein Punkt hätte für die Zwischenrunde gereicht, doch der Traum platzte in letzter Minute. Da lag es auf der Hand, dass bei den Borussen hinterher die Enttäuschung groß war.

Als der spanische Schiedsrichter José Maria Sánchez Martinez die Partie nach 94 Minuten abpfiff, war es nahezu mucksmäuschenstill im Borussia-Park, der sich dann doch schnell leerte. Es kam einem irgendwie im wahrsten Sinne des Wortes spanisch vor, was man in den letzten Minuten zuvor auf dem grünen Rasen erlebt hatte.

Nicht zu glauben, dass Borussia Mönchengladbach durch die 1:2-Niederlage gegen Istanbul Başakşehir FK soeben den Einzug in die Zwischenrunde der Europa League verpasst hatte. Doch die VfL-Fans gaben unmittelbar nach Schlusspfiff die Marschroute für den kommenden Sonntag vor: „Auswärtssieg!“, „Auswärtssieg!“, schallte es aus der Nordkurve, die direkt den Blick auf die Aufgabe beim VfL Wolfsburg richtete.

»Eine große Enttäuschung«

Man musste kein großer Prophet sein um zu erahnen, dass die Stimmung unter den Protagonisten im Keller war. Apropos Keller: In der Mixed-Zone des Borussia-Park mussten die anwesenden Journalisten Geduld mit sich bringen, ehe sich ein Borusse den Fragen stellte. Verständlich. »Diese Niederlage schmerzt, sie ist sehr bitter für uns«, sagte Marco Rose und fügte an: »Die Niederlage ist eine große Enttäuschung für uns, für die Mannschaft, die Fans und den ganzen Verein.«

Eine Meinung, der man durchaus beipflichten kann. »Die Niederlage ist schwierig zu akzeptieren. Ich denke, wir hatten die Möglichkeit, drei Punkte zu holen«, gab Denis Zakaria zu Protokoll und Stefan Lainer brachte es auf den Punkt: »Die Niederlage war vollkommen unnötig.«

Gerade vor der Pause hatten die Borussen das Zepter in der Hand, ohne allerdings so richtig zwingend vor dem Tor zu sein. »Das Spiel hatten wir komplett im Griff. Vor allem die erste Halbzeit haben wir klar dominiert, wir haben kaum etwas zugelassen, sagte Lainer, musste aber auch zugeben: »Wir haben gute Möglichkeiten gehabt, aber es gab die eine oder andere Situation, in der wir etwas unsauber gespielt haben.«

Spiel auf den Kopf gestellt 

Dennoch brachte Marcus Thuram die Fohlenelf nach etwas mehr als einer halben Stunde verdient in Führung. Lange hielt diese aber nicht, weil Yann Sommer die Kugel kurz vor der Pause durch die Arme ins Tor flutschte. Das Tor spiegelte aber überhaupt nicht den Spielverlauf wider, schließlich hatten die Fohlen 66 Prozent Ballbesitz in der ersten Halbzeit.

Der Gegentreffer fiel dennoch zu einem unglücklichen Zeitpunkt. Başakşehir hingegen roch nach dem Ausgleich Lunte und wurde nach dem Seitenwechsel mit zunehmender Spielzeit mutiger. Auf der anderen Seite gaben die Borussen das Spiel aus der Hand. »Nach dem ersten Gegentor ist uns die Partie entglitten«, haderte Lainer und Zakaria  sagte: »Wir haben gut angefangen, dann aber nachgelassen. Uns sind unnötige Fehler unterlaufen.«

Nach der Pause erhöhte Borussia trotzdem den Druck auf die Gäste aus der Türkei und hatte sie mehrfach am Rande eines Tores, das endlich Ruhe ins Spiel gebracht hätte. Stattdessen spielten es die Hausherren im letzten Drittel teilweise zu unsauber oder brachen die Angriffe sogar ab, weil in der Offensive zu wenig Bewegung und letztlich zu wenige Anspielstationen vorhanden waren. »Es wäre viel möglich gewesen heute, aber wir haben uns letztlich nicht belohnt«, haderte Lainer. Immerhin: Der Österreicher durfte sich gestern über sein 50. Pflichtspiel im Europapokal freuen.

Diesmal fehlte das nötige Glück

Auch Rose fügte hinzu, dass seine Mannschaft »irgendwann unsauber geworden« ist, die Ausmaße waren bis zum entscheidenden Treffer aber nicht von »dramatischer Form«. Trotzdem hatte Borussias Trainer nie das Gefühl, dass die Fohlen »das Spiel aus der Hand gegeben haben, auch in der 94. Minute nicht«. Sicherlich hat Rose mit dieser Aussage recht, doch irgendwie fehlte am gestrigen Abend auch das nötige Glück. Es hätte nämlich zur bisherigen Saison gepasst, wenn Thuram den Kopfball kurz vor Schluss noch reingemacht hätte. 

Doch das Aluminium hatte etwas gegen das Weiterkommen der Mönchengladbacher. »Vielleicht hatten wir das Glück schon in den vorangegangenen Partien aufgebracht«, blickte Stefan Lainer zurück. Tatsächlich hatte die Elf vom Niederrhein in dieser Europapokal-Saison schon viel Glück mit Treffern in der Nachspielzeit, diese wurden aber hart erkämpft und waren auch nicht komplett unverdient. 

So steht jetzt auf der Habenseite „nur“ noch Platz eins in der Bundesliga, denn nach dem Pokalaus wurde jetzt auch mit dem Abschied vom europäischen Parkett »ein Ziel verpasst«. Denn vor dem Auftakt gaben die Verantwortlichen die klare Marschrichtung vor, nämlich dass man in Europa überwintern möchte. »So hätte es nicht laufen sollen«, haderte auch Rose auf der Pressekonferenz immer noch mit dem Schicksal. Fußball kann manchmal eben so einfach und brutal zugleich sein.  

»Das fühlt sich nicht gut an. Ab morgen werden wir aber wieder über die Dinge reden, die wir beeinflussen können, nämlich die Ergebnisse in der Bundesliga. Am Samstag werden wir im Abschlusstraining wieder eine klaren Kopf für die nächsten Aufgaben haben«, blickte Rose schon wieder nach vorne.

Konkurrenzkampf in der Bundesliga 

Die nächste Aufgabe heißt am Sonntag VfL Wolfsburg, die im Gegensatz zu den Fohlen in die K.o.-Runde der Europa League eingezogen sind. Der Alltag bis zum Saisonende heißt nun also Bundesliga: Das kann helfen, sich auf den Wettbewerb zu fokussieren, bringt aber auch gewisse Risiken mit sich. Denn bisher konnte Borussias Trainer alle Spieler mit genügend Einsatzzeit bei Laune halten, ab sofort spielen die Fohlen aber nur noch im Wochenrhythmus.

»Wir hätten gerne mehr Spiele im Frühjahr gehabt, auch um die Möglichkeit zu haben, jeden zum spielen zu bringen. Deshalb haben wir jetzt einen knallharten und guten Konkurrenzkampf«, sagte Rose. Gleichzeitig meint er aber auch, dass die Fohlen dieses „Problem“ ebenfalls »hinbekommen und es kein Riesenthema« ist. Dauerbrenner Stefan Lainer richtete nach der Niederlage auch den Blick nach vorne, schließlich wartet mit den „Wölfen“ eine »sehr aggressive Mannschaft, die uns alles abverlangen wird«. In diesem Sinne: Mund abputzen und weitermachen, Borussia!