Am Ende war der 2:0-Sieg gegen den SC Paderborn für Borussia Mönchengladbach klar verdient und die Erleichterung nach den letzten Ergebnissen sehr groß. Dabei rotierte Marco Rose so viel wie schon seit über drei Jahren nicht mehr, Patrick Herrmann stellte einen neuen Rekord auf.

So viele Änderungen wie schon lange nicht mehr

Im Gegensatz zum Spiel beim VfL Wolfsburg schickte Marco Rose gleich sechs frische Kräfte in die Partie gegen den SC Paderborn. So viele Wechsel in der Anfangself gab es zuletzt im August 2016 unter André Schubert. Stefan Lainer verpasste dabei aufgrund seiner Verletzung erstmals ein Pflichtspiel in dieser Saison, Marcus Thuram nahm zum zweiten Mal nach dem Düsseldorf-Spiel zunächst auf der Bank Platz. 

Die Fohlen begannen im letzten Heimspiel des Jahres mit einer Dreierkette in der Defensive, erstmals wieder seit dem Auswärtsspiel in Graz. »Ich glaube schon, dass wir immer mal wieder zwischen Dreier- und Viererkette wechseln können«, fand Tony Jantschke nach dem Spiel. Trotzdem ist es »schwierig, verschiedene Sachen zu trainieren weil wir so oft rotieren«. Gemeint ist die Belastungssteuerung bei den Spielern und die verlegungsbedingte Wechsel in der Startelf.

Paderborn sorgte für Unruhe

Jantschke war für den verletzten Lainer in die Startelf gerückt und gewann bis zu seiner gelben Karte all seine Zweikämpfe und war in der ersten Halbzeit über 42 Mal am Ball. Das war vor allem deshalb nötig, weil die Gäste aus Ostwestfalen den Hausherren das Leben nicht allzu leicht machten. Zwar war Borussia überlegen, doch etwas Zählbares sprang im ersten Durchgang nicht dabei rum.

»Paderborn ist eine unglaublich schnelle Mannschaft und ich kann mich nicht daran erinnern, wann wir zuletzt gegen eine solche gespielt haben«, meinte Jantschke. Zwar haben die Fohlen »versucht zu pressen, waren aber immer einen Schritt zu spät«. Zudem gab es viele Situationen, »wo die Paderborner ihr erstes Tor machen können«. 

Für Lars Stindl kam das Auftreten der Gäste keineswegs überraschend: »Bei der offensiven Qualität muss man immer wieder aufpassen. In der ersten Halbzeit haben wir gut gegen den Ball gearbeitet, der Wille und Einsatz waren da. Trotzdem haben wir keine richtige Tiefe gefunden und konnten vorne die Bälle nicht festmachen.« 

Dosenöffner nach der Pause

»Wir hatten zu wenig Tiefe und haben darüber in der Pause gesprochen«, sagte Marco Rose auf der Pressekonferenz. Vermutlich hat er seiner Mannschaft in der Kabine aber auch das ein oder andere passende Wort mit auf den Weg gegeben, denn die Fohlen legten im zweiten Abschnitt los wie die Feuerwehr. Es dauerte nur 12,3 Sekunden, da zappelte der Ball im Netz. 

»Dass wir direkt mit einem hohen Ballgewinn das Tor machen spielte uns nach den beiden Niederlagen in die Karten. Danach sind viele Aktionen leichter gegangen: Wir hatten viele Ballgewinne und auch gute Kombinationen«, stellte Rose fest. Auch für Lars Stindl war »das 1:0 unser Dosenöffner«. Spätestens mit dem Elfmeter »haben wir das Spiel auf unsere Seite gezogen«, merkte Stindl völlig richtig an. Borussias Kapitän war es auch, der bei dem Elfmeter Verantwortung übernahm und vom Punkt ganz cool verwandelte.

Dabei sah es zunächst so aus, als würde sich Alassane Pléa versuchen wollen. »Pléa wollte schießen aber ich habe gesagt, dass ich mich ganz gut fühle. Deshalb habe ich den Elfmeter geschossen«, klärte er auf. Nach zwei Toren in der Europa League gelang Stindl nun auch in der Bundesliga der lang ersehnte erste Saisontreffer. Apropos: Nach dem bitteren Ausscheiden aus Europa und der Last-Minute-Niederlage in der Autostadt »war es wichtig, im Kopf nicht durchzudrehen und den nächsten Schritt zu gehen«. Das haben die Fohlen tatsächlich gemacht, denn die kleine Negativ-Serie ist gestoppt und sie sind zurück in der Spur. 

Herrmann hat endlich seinen Rekord

Daran hatte auch Patrick Herrmann seinen großen Anteil, der nämlich vor dem zweiten Treffer den Elfmeter rausholte. »Für mich war das ein ganz klarer Elfer. Ich bekommen den Ellenbogen oder die Hand ins Gesicht«, beschrieb „Flaco“ die Szene. Der Pfiff kam aber erst nachdem sich Schiedsrichter Dr. Robert Kampa die Szene am Monitor anschaute. »In dem Moment muss man vielleicht auch mal liegen bleiben damit es überhaupt überprüft wird. Es war sehr wichtig, dass der VAR da eingeschritten ist«, meinte Herrmann ganz ehrlich.

Vor seiner Auswechslung ging er »schon etwas auf dem Zahnfleisch«, deshalb durfte er sich anschließend von der Nordkurve völlig zurecht feiern lassen. In diesem Moment war auch klar, dass Herrmann endlich seinen Rekord hat. »Wurde auch langsam mal Zeit damit dieses Thema beendet ist«, scherzte der Jubilar. Mit 140 Auswechslungen ist er nun mit dem Ex-Schalker Halil Altintop gleichgezogen und dürfte sich vielleicht noch in diesem Jahr den alleinigen Rekord sichern. 

Rose stolz auf seine Mannschaft

Bei all dem Jubel und Rekorden war Marco Rose vor allem eines auf seine Mannschaft: Stolz. »Ich muss meiner Mannschaft ein großes Kompliment aussprechen und ziehe den Hut vor meinen Jungs. Sie haben in einem schwierigen Spiel die Nerven behalten und sind bei sich geblieben. In der Summe sind wir sehr glücklich mit dem Sieg«, freute sich Rose. Seine Spieler haben sich und den Fans gestern »diesen Sieg geschenkt«. Zwar ist noch ein Spiel in der Hinrune zu absolvieren, aber Rose glaubt, »dass wir in der Bundesliga voll auf Kurs sind«.

Tatsächlich geht es am Wochenende in Berlin laut Herrmann darum «alles rauszuhauen«. Auch Stindl möchte mit den Fohlen versuchen die drei Punkte mitzunehmen«. Danach darf sich Borussia in die wohlverdiente Winterpause verabschieden und endlich mal ein paar Tage durchatmen, ehe es am 5. Januar schon wieder ins Trainingslager nach Jerez geht.