Mit unbändigem Willen und Kampfgeist drehte Borussia Mönchengladbach das Spiel gegen Bayern München. Zwar sah es in der ersten Halbzeit nicht nach einem Sieg aus, aber die Fohlen scheint derzeit einfach nichts und niemand stoppen zu können. Marco Rose bekam vor dem Bensebaini-Elfmeter einen entscheidenden Tipp.

Zwei unterschiedliche Halbzeiten

Die Fohlen packen auch die Bayern und bestehen gegen den Rekordmeister den nächsten Härtetest und zeigten einmal mehr, dass sie auf dem Weg zu einer Spitzenmannschaft sind. Laut Rose hat sein Team »gezeigt, dass wir zurecht da oben stehen«. Doch dabei sah es bis zur sechzigsten Minute überhaupt nicht nach einem Sieg für Borussia Mönchengladbach aus.

Im ersten Spielabschnitt dominierten die Münchener ganz klar das Spiel und zwangen die Fohlen mit aggressiven Gegenpressing in die eigene Hälfte. »Es waren zwei unterschiedliche Halbzeiten. Wir hatten in der ersten Halbzeit kaum Zugriffe und wollten mit der Raute ihre Innenverteidiger hoch anlaufen. Leider waren wir aber immer einen Schritt zu spät«, wusste auch Marco Rose. Schon vor Anpfiff hatte Borussias Trainer überrascht, denn Breel Embolo und Patrick Herrmann nahmen zunächst auf der Bank Platz.

Gegentor als Wachmacher 

Bereut hat Rose die Entscheidung nicht, schließlich »hatte er Vertrauen in die Mannschaft, die angefangen hat«. Dennoch hatte die Fohlenelf die angesprochenen Probleme in den ersten 45 Minuten und konnte sich eigentlich schon beim Rekordmeister bedanken, dass sie die Chancen so fahrlässig haben liegen lassen. »In der ersten Halbzeit hatte Bayern ein klares Übergewicht an Chancen. Da sind wir nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen und konnten die Bälle nicht halten. Wir konnten keine Entlastung schaffen. In die zweite Hälfte sind wir dann aber gut gekommen. Wir haben aber direkt das Gegentor bekommen«, sagte Lars Stindl auf Borussia.de

Doch dieses Gegentor hatte die Hausherren wachgerüttelt und etwas in ihnen ausgelöst. »Manchmal tut das ganz gut und setzt etwas im Kopf frei«, gestand Rose auf der Pressekonferenz. Denn plötzlich haben die Fohlen »mehr Bälle gewonnen und sich in dieses Spiel reingefressen«. Ein Grund für den Aufschwung war definitiv die Einwechslung von Breel Embolo, mit dem Schweizer kam deutlich mehr Wucht und vor allem Bewegung in die Offensive. Rose kannte auch die Bedeutung seines wuchtigen Stürmers: »Man hat gesehen, wie wertvoll Breel für uns ist und wie sehr er ein Spiel mit seiner Art beeinflussen kann.«

Tollhaus Borussia-Park

Auch Patrick Herrmann brachte mehr Dynamik und Torgefährlichkeit ins Spiel. Bedanken konnte sich Borussia aber auch bei der tollen Atmosphäre der Zuschauer. »Nach dem Ausgleich ist nochmal ein richtiger Ruck durchs Stadion gegangen, die Fans waren wie ein zwölfter Mann. Solche Spiele erlebt man nicht oft. Dieser Sieg hat die guten vergangenen Wochen nochmal getoppt«, meinte Jonas Hofmann bei Borussia.de.

Getragen von der Stimmung zeigte die Fohlenelf eine geschlossene Mannschaftsleistung und erneut eine tolle Moral, schließlich war es nicht das erste Mal in dieser Saison, dass sie in den letzten Spielminuten noch ein Tor erzielten. »Dass wir heute nach einem Rückstand noch zwei Tore gemacht haben, spricht einfach für die Moral der Mannschaft«, fand auch Yann Sommer. Auch Rose sprach seinem Team ein großes Lob aus, schließlich redet man »in Mönchengladbach immer über eine Mannschaftsleistung, mit kleinen Spitzen nach oben«.

Neue Aufgabe für Sippel 

Auffällig ist jedoch, dass sich jede Woche ein anderer Spieler in den Fokus spielt: Während gegen Freiburg Breel Embolo und aller Munde war, durfte sich gestern Ramy Bensebaini als Mann des Spiels feiern lassen. »Als linker Verteidiger hat er zwei Tore gemacht. Wir kennen seine Kopfballstärke und wissen, dass er einen guten linken Fuß hat«, gab es dann von Rose aber doch noch ein kleines Extralob.

Vergangene Woche (ver)schoss Embolo einen Elfmeter, da sagte Rose schon, dass dieses Thema für den Schweizer erstmal erledigt ist. Gegen die Bayern ging also Matchwinner Bensebaini voran und durfte sich letztlich bei einem Spieler auf der Bank bedanken. Rose bekam den entscheidenden Tipp nämlich vom zweiten Torwart: »Sippel hat heute bestimmt, dass Ramy den Ball schießen kann. Ab sofort bestimmt der zweite Torwart also bei uns den Schützen«, gab Rose auf der Pressekonferenz dann den Spruch des Tages ab.

Allerdings hatte es sich schon in den vergangenen Tagen abgezeichnet, dass der Algerier ein potenzieller Schütze sein kann. »Im Training haben wir schon gesehen, dass Ramy einen unheimlich guten linken Fuß hat, dass er sehr scharf und präzise schießen kann«, meinte Jonas Hofmann. Durch den Erfolg gegen den Rekordmeister baute Borussia den Vorsprung auf die Bayern auf sieben Punkte aus und ist weiterhin vor den Leipzigern Tabellenführer in der Bundesliga. »Wir können jetzt alle ein paar Sachen besser einordnen«, sagte Rose nach dem wichtigen Sieg gegen den FCB. 

Torwart Yann Sommer freute sich zwar über Platz eins, blickte aber schon wieder auf die nächste Aufgabe: »Wir stehen zwar weiterhin auf Platz eins, aber wir werden jetzt nicht groß darüber nachdenken. Donnerstag geht es schon weiter in der Europa League.«