Borussia Mönchengladbach verabschiedet sich mit einem Unentschieden in die Winterpause. Bei Hertha BSC erwartete die Fohlen ein regelrechtes Bollwerk, Borussia fand vor allem in der ersten Halbzeit keine Lösungen. Trotzdem freuten sich nach dem Spiel alle zurecht über eine richtig starke Hinrunde. 

Hinter die Hinrunde in der Fußball-Bundesliga kann Borussia jetzt einen dicken Haken machen. Zum zweiten Mal reisten die Fohlen in die Hauptstadt, diesmal stand das Duell bei der „alten Dame“ an. Anders als noch vor ein paar Wochen stimmte zumindest die Punkteausbeute, denn die Gäste nahmen einen Punkt mit an den Niederrhein.

Hertha in der Defensive nicht zu knacken

Doch vor allem die erste Halbzeit gestaltete sich alles etwas zäh: Die Herthaner waren sehr aggressiv in den Zweikämpfen und oftmals auch einen Schritt schneller als die Fohlen. Für Rose war es der erwartete »Spielfilm« unter dem neuen Trainer Jürgen Klinsmann: »Hertha hat gut und fleißig verteidigt und die Räume eng gemacht. Uns war klar, dass sie dafür sorgen wollen, dass der Gegner die Nerven verliert«, sagte Borussias Trainer bei „Sky“. 

Die Nerven verlor Borussia definitiv nicht, aber gegen das Bollwerk war einfach kein durchkommen. Generell war die Spielweise der Hausherren »sehr unangenehm« und die »vor dem Spiel besprochenen Lösungen« griffen einfach nicht. 

Vor allem im Zentrum standen die Berliner sehr kompakt, das Spiel über die Außen war bis dato auch kein Mittel für die Mönchengladbacher. Vielmehr sind die Fohlen laut Breel Embolo »zwei-, dreimal in einen blöden Konter reingelaufen«. Auch Max Eberl fand am Mikrofon bei „Sky“, dass »die erste Halbzeit eher an Hertha geht weil sie zwei Chancen mehr hatten«. An der Seitenlinie versuchte Rose auffällig viel zu korrigieren, seine Stürmer ließen sich teilweise weit zurückfallen um die Bälle zu erobern.

»Wir haben die gewisse Leichtigkeit über die Ballsituationen nicht gefunden, auch die tiefen Bälle haben uns gefehlt. In der Pause haben wir über ein paar Dinge geredet«, sprach Rose die Probleme im ersten Spielabschnitt an. Tatsächlich änderte sich das Bild zu Beginn der zweiten Halbzeit, denn die Fohlen waren in den ersten 25 Minuten dem Führungstreffer verdächtig nahe. 

Fohlen mit Schwung aus der Kabine 

Laut Rose war seine Mannschaft »klar tonangebend und hatte auch zwei richtig gute Möglichkeiten«. Auch Breel Embolo, am gestrigen Abend der Spieler mit den meisten Zweikämpfen, fand, dass Borussia »in den ersten 25 Minuten viel Druck gemacht hat«, doch das Tor fiel nicht. »Wenn das erste Tor fällt können wir unser Spiel besser durchziehen«, haderte Embolo mit den vergeben Chancen. 

Nach dieser Druckphase war allerdings schnell klar, dass beide Mannschaften mit dem Punkt zufrieden waren: Berlin wollte mit aller Macht ein Tor verhindern, Borussia konnte im Olympiastadion keines erzielen. Doch im Gegensatz zum bitten Ausscheiden in der Europa League und der Last-Minute-Niederlage in Wolfsburg legten die Fohlen laut Embolo »eine reifere Leistung« an den Tag und hielten so die Null.

»Wir nehmen den Punkt gerne mit, auch wenn wir natürlich gerne mehr gehabt hätten. Hertha hat sich den Punkt erkämpft und erarbeitet. Wir müssen mit dem Punkt heute auch leben«, sagte Rose. Immerhin kommt Borussia auch durch diesen Punkt auf die hervorragende Ausbeute von 35 Zählern und schließt die Hinrunde mit nur zwei Punkten Rückstand auf Herbstmeister Leipzig auf Rang zwei in der Bundesliga ab. Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen mit dieser Hinrunde sehr gut leben können. 

Sonderlob von Eberl

»Unabhängig vom Ausgang des Spiels hätte ich mich nicht hierher gestellt und Enttäuschung über meine Mannschaft zum Ausdruck gebracht«, stellte Rose klar. Vielmehr war er mit den ersten Monaten in Mönchengladbach mehr als zufrieden: »Meine Mannschaft hat eine sehr gute Hinrunde gespielt, auch wenn wir schwierige Phasen hatten. Insgesamt haben wir von einer Entwicklung und einem Prozess gesprochen und ich glaube man sieht insgesamt wo wir hinwollen.«

Zwar lobte auch Max Eberl das gesamte Team, ein Protagonist bekam aber ein Sonderlob. »In der Bewertung geht Nico Elvedi etwas unter«, sagte er im Gespräch bei „Sky“ und ergänzte: »Ich glaube, dass er zusammen mit Matze Ginter und Denis Zakaria davor ein unglaubliches Bollwerk darstellt. Sie haben viele Zweikämpfe, eins gegen eins Duelle mit einem großen Raum hinter sich. Da muss ich sagen, dass beide bisher eine sehr, sehr gute Saison gespielt haben.«

Jetzt dürfen die Spieler und Verantwortlichen des Teams allerdings erstmals die Weihnachtstage mit ihren Familien genießen und sich etwas zurücklehnen. Oder wie Marco Rose sagt »die Seele richtig baumeln lassen«.