Borussia tankte zwischen den beiden Champions League-Spielen ordentlich Selbstvertrauen. Foto: team2sportphoto

Auch wenn es in der ersten halben Stunde nicht unbedingt danach aussah, hat Borussia die Hürde in Form von Schalke 04 souverän genommen. Über weite Strecken spielten es die Fohlen wie eine echte Spitzenmannschaft und waren auch vor dem Tor teilweise eiskalt. Deshalb erlaubte Marco Rose einem Spieler auch mal als Belohnung ein Bier. 

Alter Schwede, der Wendt blüht auf 

Oscar Wendt ist zwar schon seit Juli 2011 bei Borussia Mönchengladbach, doch in diesen Tagen schaffte der Schwede historisches: Erstmal schoss Wendt jeweils ein Tor in zwei Pflichtspielen in Folge. Zuletzt gelangen ihm in der Bundesliga-Saison 2019/ 20 zwei Treffer in Serie. Mit seinen 35 Jahren erlebt der Skandinavier aktuell bei Borussia seinen zweiten Frühling und ist ein verlässlicher Back-up für den an Covid-19 erkrankten Ramy Bensebaini. 

Deshalb hatte sich Wendt auch nach dem Spiel eine besondere Belohnung verdient: »Es gilt jetzt schnell zu regenerieren und sich dann auf das Spiel am Dienstag gegen Inter Mailand zu konzentrieren. Ich werde jetzt noch ein kleines Bier trinken«, verrät der Schwede sein Geheimnis um wieder zu Kräften zu kommen. Dabei bekam der Linksverteidiger auch das ‚Go‘ von seinem Trainer. »Oscar hat sich das Bier mehr als verdient, aber eins reicht dann denke ich«, schmunzelte Marco Rose im Gespräch mit ‚Sky‘. 

Bis zum letzten deutlichen und vor allem sehr verdienten 4:1 gegen Schalke 04 war es aber, vor allem in der ersten Halbzeit, ein weiter Weg. Zwar gingen die Fohlen durch den aktuell stark aufspielenden Florian Neuhaus relativ früh in Führung, doch die angeschlagenen Gäste stellten die Gladbacher definitiv vor Probleme. »Die Anfangsphase der Partie war schwierig für uns. Uns war klar, dass es heute ein intensives, hartes Spiel werden würde. Schalke hatte sich vor dem Spiel viel vorgenommen und hat gut angefangen, der Gegner war aggressiv und hat gut gespielt. Wir hatten noch etwas das Match vom vergangenen Mittwoch gegen Donezk in den Beinen«, erklärte Wendt. 

Zu viele Fehler in der ersten halben Stunde 

Gleichzeitig gab der Schwede auch zu, dass es in dieser Phase der Saison »manchmal schwer ist, die Müdigkeit abzustellen«. Auch Marco Rose hat die erste halbe Stunde ganz und gar nicht geschmeckt: »Ich habe draußen natürlich wahrgenommen, dass wir zu viele einfach Fehler und Ballverluste gemacht haben.« Ein Grund war sicherlich die Rotation, im Vergleich zu Donezk brachte Rose gleich vier frische Spieler auf den Platz. 

»Die erste halbe Stunde waren wir zu fahrig, dazu gibt es nachvollziehbare Gründe: Die Wechsel in der Startelf und wir haben ein Spiel am Mittwoch gehabt. Ich bin froh, dass die Jungs ins Spiel gefunden haben und das wir das schwierige Spiel für uns entschieden haben und noch gute 60 Minuten gespielt haben«, freute sich Borussias Trainer im Endeffekt über eine souveräne Leistung. Dennoch weiß der 44-Jährige auch, »dass so eine Anfangsphase auch mal nach hinten losgehen kann wenn Schalke das zweite Tor macht«. 

Letztlich ein hochverdienter Sieg 

Zwar sind die Schalker weiterhin Tabellenletzter und konnten seit Januar, ausgerechnet gegen Borussia, kein Spiel mehr gewinnen, doch das ließ Matthias Ginter nicht als Argument gelten. »Der FC Schalke hat – auch wenn sein Punktestand das derzeit nicht ausdrückt – eine Top-Mannschaft. Schalke hat viel Qualität, das war uns vor dem Spiel auch bewusst. Deswegen war es das erwartet schwere Spiel«, so Borussias Abwehrchef, der auch am Samstagabend wieder mit 80% gewonnen Zweikämpfe eine starke Quote ablieferte. 

Letztlich war der Sieg aber mehr als verdient, weil Borussia es in der zweiten Halbzeit souverän zu Ende spielte. Sicherlich war in der ein oder anderen Situation die Chancenverwertung noch ausbaufähig, doch bis zum 3:1 durch Marcus Thuram waren die Fohlen vor dem Tor eiskalt. »Es war unser Ziel, den Anschluss an die Spitzenplätze wiederherzustellen. Deswegen wollten wir auf jeden Fall die drei Punkte heute draufpacken und haben uns voll und ganz auf das Duell fokussiert«, so Ginter. 

Dieses Ziel hat die Fohlenelf nun definitiv geschafft: Borussia ist in der Tabelle zwar ‚nur‘ siebter, doch mit 15 Zählern beträgt der Abstand auf Rang vier lediglich drei Punkte. Allerdings spielt Leverkusen noch am Sonntagnachmittag und könnte den Abstand wieder vergrößern. 

Borussia auf dem Weg zu einer absoluten Spitzenmannschaft? 

Nach der Partie lieferten sich dann Marco Rose und Lothar Matthäus, auch wenn ein nicht ganz so ernst gemeintes, Wortgefecht. »Das war Bayern-Like, nur wir sind nicht der FC Bayern, sondern Borussia Mönchengladbach und noch in der Entwicklung«, schmunzelte Rose. Die Fohlen sind eben noch keine absolute Spitzenmannschaft wie der Rekordmeister, sondern befinden sich gerade auf dem Weg dorthin eine werden zu wollen. »Es ist eine Entwicklung von uns eine absolute Spitzenmannschaft zu werden und auf einem hohen Niveau da zu sein. Dazu gehört auch mal ein Spiel vorzeitig zu entscheiden um hinten raus Körner zu sparen. Kompliment an meine Mannschaft, dass sie heute die Qualität bewiesen und das Spiel verdient 4:1 gewonnen haben«, so Rose bei ‚Sky‘. 

Vor allem war es für die Fohlenelf wichtig in der ersten halben Stunde »nicht die Nerven verloren zu haben« und hinten raus immer besser ins Spiel gefunden zu haben. Borussias Trainer fordert in diesen Tagen immer wieder von seiner Mannschaft die Leistung auch mal konstant auf den Platz zu bringen, das gelang gegen Schalke zumindest über 60 Minuten. Ein paar Körner mussten die Gladbacher schließlich sparen, denn am Dienstagabend wartet Inter Mailand in der Champions League. 

Ausgangslage in der Champions League nun veredeln 

In der Königsklasse brauchen die Fohlen jetzt nur noch ein Punkt zum sicheren Einzug ins Achtelfinale. »Wir haben eine große Aufgabe vor uns. Unsere Ausgangslage ermöglicht es uns in den letzten zwei Spielen die ganz großen Wurf für den Verein und Fans zu schaffen«, so Rose. Zwar ist Mailand aktuell letzter in der Gruppe B, doch ein Freilos ist das sicherlich nicht. » Wir wissen, was am Dienstag auf uns zukommt: Ein angeschossenes Inter Mailand die unbedingt sechs Punkte brauchen um weiterzukommen. Aber wir haben Selbstvertrauen und wollen das für uns in richtige Bahnen lenken«, machte Borussias Trainer nach dem jüngsten Heimsieg klar. 

Die Fohlen könnten also am Dienstagabend das ‚Tripple‘ einfahren und den dritten Sieg in Folge im Borussia-Park einfahren. Es wäre für den kompletten Verein einer der größten Erfolge in der jüngeren Vereinsgeschichte, wenn auch verbunden mit dem riesigen Wermutstropfen, dass man diesen eben nicht gemeinsam im Stadion feiern kann…