Rouven Schröder stand im Pfostenbruch-Podcast Rede und Antwort. Foto: Dirk Päffgen.
Im Podcast „Pfostenbruch“ von Kevin Schulte und Fabian Engelbach war zuletzt Borussia Mönchengladbachs Sportchef Rouven Schröder zu Gast. Was er über seine Anfänge in Gladbach, die anstehende Kaderplanung und langfristige sportliche Ziele mit Borussia verriet.
Im Oktober 2025 übernahm Rouven Schröder das Amt des „Head of Sports“ bei Borussia Mönchengladbach. Damals noch bei RB Salzburg unter Vertrag, sei Schröder klar gewesen, das Angebot von Borussia annehmen zu wollen. »Ich habe direkt gedacht: Das muss ich jetzt machen«, blickte er auf den Zeitpunkt des Angebots zurück. »Die Chance war so groß – gerade in der Phase, wo Gladbach 17. war. Ich wollte zu diesem Verein, das haben die Salzburger auch gespürt. Ich bin ihnen auch sehr dankbar, dass sie das gemacht haben« sagte Schröder in Richtung seines Ex-Klubs.
Gladbach habe »Impuls von außen« gebraucht
Dass die Situation in Gladbach sowohl sportlich als auch finanziell keine leichte war und ist, das sei ihm direkt bewusst gewesen. »Du musst als Führungskraft vorangehen und den Kopf oben halten. Am Spieltag kannst du deine Enttäuschung mal zeigen, aber am nächsten Tag geht es immer wieder um den Prozess: Wie geht es positiv weiter? Es gibt keine Alternative zu Positivität, das ist mein großes Credo«, erklärte Schröder. Von »Schönrederei« halte er jedoch auch nichts: »Nur mit Streicheln und ‚wir sind alle super‘ geht es nicht«, weiß er. Deshalb habe es erstmal eine Bestandsaufnahme gegeben. »Es war wie eine Inventur. Wir haben uns das Organigramm angeschaut. Beispielsweise wollte Steffen Korell auf eigenen Wunsch nur noch als strategischer Berater tätig sein«, erinnerte sich der Sportchef. Die Borussia-Familie habe einen Impuls von außen gebraucht.
Diesen gibt seit März unter anderem Gladbachs neuer Chefscout André Hechelmann, der vom FC Bayern an den linken Niederrhein gewechselt ist. Schröder kennt ihn bereits aus seiner Zeit bei Schalke 04 und Mainz 05. »Ein total loyaler Mensch, der Bock hat, Erfolg zu haben und sich 24/7 Gedanken macht – dann kann es nur gut werden«, beschrieb er Hechelmann. Doch warte noch einiges an Arbeit auf die Verantwortlichen. Es gehe darum, Gehälter zu reduzieren und für die neue Saison zu planen. Der Kaderaufbau könne nur in Absprache mit Eugen Polanski erfolgen. »Eugen hat hier Vertrag, und ich kenne das nur so, dass man den Trainer mit einbezieht«, sagte Schröder, der als Bedingungen für Transfers sowohl ein passendes Budget als auch ein geeignetes Profil nennt. Im vergangenen Winter habe er noch einmal gespürt, wie dynamisch sich ein Transfer entwickeln kann.
»Tim Kleindienst ist unser Harry Kane«
»Das Wintertransferfenster ist mit das Schwierigste, du hast nur eine kurze Zeit«, erklärte Schröder. Damals sei man davon ausgegangen, dass Tim Kleindienst und Robin Hack schneller zur Verfügung stehen würden, sonst hätte man womöglich noch stärker nachgelegt. »Tim Kleindienst ist unser Harry Kane«, beschrieb er die Schwere des Ausfalls, bei dem noch nicht klar ist, wie lange er andauert. Dennoch ist der Sportchef durchaus zufrieden mit seiner ersten Transferphase als Verantwortlicher in Gladbach. Es hätte gute Gespräche mit Tottenham Hotspur über Kota Takai gegeben, der womöglich auch über den Sommer hinaus für Borussia spielen könnte. Und bei Hugo Bolin hätte Malmö lange Zeit dicht gemacht – bis kurz vor Ende des Transferfensters. »Am letzten Abend kam die Aussage: ‚Der Spieler will unbedingt, dann lasst uns das angehen‘«, erklärte Schröder.
Auf der Abgangsseite wechselt Rocco Reitz im Sommer zu RB Leipzig, doch ging für Reitz schon im Winter ein Angebot von RB in Gladbach ein. »Für uns war klar, dass wir Spieler abgeben müssen für unser Budget. Rocco ist unser werthaltigster Spieler, wir hatten bereits im Winter ein großes Angebot für ihn auf dem Tisch, auch schriftlich. Das haben wir abgelehnt, weil wir gesagt haben: Das ist unser Kapitän, wir wollen mit ihm die Klasse halten. Auch Rocco wollte unbedingt bleiben« betonte Schröder. Mit Blick auf den Sommer hatte Gladbach zudem »nicht die beste Verhandlungsposition«, da es keinen weiteren Interessenten neben RB gegeben habe. Die 20 Millionen Euro Transfereinnahmen könnten zumindest teilweise in den Kader reinvestiert werden.
Noch kein weiterer Abgang im Sommer fix
Ob dafür einer der aktuellen Leihspieler fest verpflichtet wird, ließ der Sportchef derweil offen. »Wir können bis zum Saisonende draufschauen. Die Jungs haben gleichzeitig die Möglichkeit, bis zum Schluss alles für Borussia zu geben. Ich habe bei keinem das Gefühl, sich nicht mit Borussia zu identifizieren, das ist ein großes Kompliment«, lobte Schröder Yannik Engelhardt, Haris Tabakovic, Kota Takai und Alejo Sarco, von dem er sich jedoch mehr erhofft habe. Es sei abhängig vom Budget, ob einer der Genannten verpflichtet werden könne – und auch davon, wie es mit den von Borussia verliehenen Spieler im Sommer weitergeht und wie die Verletzten zurückkommen.
Eine Wechselanfrage habe er bislang auch noch von keinem Spieler erhalten. »So ein Gespräch gab es bislang noch nicht. Und die Jungs wissen, wie sensibel das Thema gerade ist. Bei Rocco war es eine andere Situation. Aber alle sind total fokussiert«, versicherte er. Dennoch sei man im Sommer nicht davor geschützt, dass der eine oder andere das Interesse größerer Vereine auf sich zieht: »Ich wäre schlecht beraten, wenn ich irgendwelche Namen nennen würde. Natürlich haben wir unsere Ziele im Kopf, aber es macht jetzt gar keinen Sinn, wenn ich einem Spieler sagen würde: Im Sommer wollen wir uns trennen. Wir brauchen jetzt die Gemeinschaft.«
Einstelligkeit als langfristiges Ziel
Und diese muss erst einmal den Verbleib in der ersten Liga klarmachen. »Ich bin zu hundert Prozent überzeugt, dass wir in der Liga bleiben. Dann wird es einen Umbruch geben und dann muss man dem Umbruch Zeit geben. Es wird jedes Jahr anspruchsvoll, die Liga ist eng. Wir müssen gute Entscheidungen treffen. Es ist wichtig für Borussia, dass wir auf arrivierte Spieler aber auch auf Talente setzen«, sagte Schröder unter anderem mit Blick auf Wael Mohya – weitere sollen gefördert werden, da sei auch Polanski in der Verantwortung. Es gehe darum, »einen Fußball zu spielen, der uns die Chance auf Einstelligkeit gewährleistet, aber da müssen wir hart für arbeiten, wir sind nicht alleine in der Liga« blickte der Sportchef auf die Zukunft.
