Innerhalb von drei Tagen gab es für Borussia Mönchengladbach die zweite Niederlage in Folge. Auch in Wolfsburg war das Zustandekommen besonders bitter, denn das Gegentor fiel wieder in der Nachspielzeit. Unverdient war diese aber nicht, die Wölfe machten mehr fürs Spiel. Ärger gab es nach Schlusspfiff mit dem Video-Schiedsrichter. 

Pendel ist umgeschlagen

Borussia Mönchengladbach und die Nachspielzeit haben seit dieser Saison eine ganz besondere Beziehung: Unzählige Male belohnten sich die Fohlen in den letzten Sekunden für ihre Arbeit und erzielten noch einen entscheidenden Treffer. Doch in diesen Tagen wird die Beziehung auf eine ganz harte Probe gestellt, plötzlich ist das Pendel nämlich umgeschlagen. Wie schon gegen Istanbul mussten die Gladbacher auch in Wolfsburg ein Gegentor in der 90. Minute hinnehmen. Erneut war es besonders bitter, erneut verließen die Fohlen mit hängenden Köpfen den Platz. Max Eberl schlug nach Schlusspfiff seine Trinkflasche weg, die Bilder sprachen ihre ganz eigene Sprache. 

»Die Waagschale ist in die andere Richtung gekippt«, meinte ein angefressener Yann Sommer nach dem Spiel am Mikrofon von „Sky“. Zwar ärgerte sich der Schweizer auch über die Leistung von Borussia, doch vielmehr sorgte eine Szene vor dem ersten Treffer für mächtig Aufruhr. Denn beim Schuss von Xaver Schlager stand Joao Victor hauchdünn im Abseits und gleichzeitig im Blickfeld von Sommer. Während Sky die Szene überprüfte, saßen die Verantwortlichen im Kölner Keller seelenruhig auf ihrem Stuhl. Nach Schlusspfiff gab die DFL nämlich zu, dass der Treffer nicht mehr zusätzlich überprüft wurde.

Video-Schiedsrichter sorgt für mächtig Ärger

In Zeiten des VAR, wo jede noch so kleine Szene auf Abseits oder Foul überprüft wird, ist das einfach ein Unding und sorgte zu Recht für Ärger. »Ich sage dazu nichts«, meinte Sommer ganz vorsichtig. Doch anschließend kamen Borussias Kapitän doch noch ein paar Worte über die Lippen: »Wenn man das sieht, ärgert man sich, aber wenn andere das nicht so sehen, können wir es nicht ändern. Beim zweiten Treffer habe ich ein hohes Bein gegen Jordan Beyer gesehen.« 

Auch Marco Rose wollte sich nicht allzu ausführlich zu der Szene äußern, doch seine wenigen Worte am Mikrofon von „Sky“ sagten genug über seinen Gemütszustand aus: »Ich kommentiere das nicht. Möglicherweise bekomme ich dann noch eine rote Karte, man weiß ja nie wie die Dinge heutzutage laufen.« Das war mehr als deutlich, auch wenn sich der 43-Jährige auch auf der anschließenden Pressekonferenz immer noch nicht zu den Vorfällen äußern wollte. 

Zwei Niederlagen in Folge

Und so müssen die Fohlen jetzt erstmals unter Marco Rose zwei Niederlagen in Folge hinnehmen. »In der Summe war es eine sehr bittere Niederlage für uns. In den letzten Wochen haben wir die Spiele in der Nachspielzeit für uns drehen können, jetzt lernen wir auf die bittere Art und Weise wie es anders laufen kann«, sagte Rose auf der Pressekonferenz. Lange Zeit sah es tatsächlich nach einem Unentschieden aus, aber die Hausherren aus der Autostadt investierten einfach mehr ins Spiel, sodass die drei Punkte nicht unverdient in Wolfsburg blieben.

Frische spielte eine Rolle

Dennoch fand Rose, dass es »bis auf die direkte Torgefahr ein ausgeglichenes Spiel war« und dass es schade ist »in der Konsequenz nicht so verteidigt zu haben«. In der Schlussphase spielte auch die Kondition und Frische eine Rolle, auch wenn die „Wölfe“ bisher das gleiche Pensum stemmen mussten. »Wolfsburg hat es uns sehr schwer gemacht, denn wir mussten sehr viel laufen und viele Räume schließen. Das hat an unseren Kräften gezerrt. Zum Schluss hat man gesehen, dass wir in gewissen Situationen nicht mehr ganz frisch sind«, resümierte Yann Sommer.

Auch Breel Embolo fand, dass die Fohlen »in den letzten 20 bis 25 Minuten nicht mehr aktiv genug waren«. Dabei hatte Borussia nach der Pause durch Thuram durchaus die Chance einen Treffer zu erzielen. Doch der Eindruck der Spieler lügt nicht, in der Offensive war viel weniger Tempo als in den Spielen zuvor drin. Dennoch ist es »schade, dass wir heute nichts Zählbares mit nach Hause nehmen können«, meinte Embolo auf Borussia.de.

Die Fohlen haben laut Jonas Hofmann »in allen Bereichen ein paar Prozentpunkte vermissen lassen« und dafür letztlich »am Ende die Quittung bekommen«. Verteidigend muss man an dieser Stelle aber auch sagen, dass die Wolfsburger ein sehr körperbetontes Spiel an den Tag legten und nahezu gegen jeden Borussen auf die Knochen gingeb. Bei einer Mannschaft die ohnehin auf dem Zahnfleisch geht, wirkt sich das dann gegen Ende eben negativ aus. 

Keine Zeit für Gedankenspiele 

Allerdings monierte Hofmann auch, dass er und seine Kollegen »von Anfang an nicht so auf Sendung waren, wie wir es uns vorgestellt hatten«. Trotzdem zeigte Borussia eine Reaktion, denn rund 85 Sekunden nach dem Gegentreffer landete der Ball schon im Netz der Wolfsburger. »Es war super, dass wir direkt den Ausgleich gemacht haben. Alles in allem haben wir in der Offensive aber zu wenig zustande gebracht«, wusste Hofmann. 

Hinzu kommt auch noch eine mögliche Verletzung von Stefan Lainer, bei dem Rose nach Spielende noch nicht wusste, ob es für Mittwoch schon wieder reicht. Borussias Trainer bleiben ohnehin nur zwei Tage um seine Mannschaft wieder aufzurichten, schließlich wartet mit Paderborn am Mittwoch schon die nächste Aufgabe. »Wir fahren jetzt nach Hause und schauen wie die Konstellation im Kader mit den Verletzungen ist. Gegen Paderborn wollen wir wieder richtig punkten und unseren Fans einen gebührenden Abschied schenken«, blickte Rose schon wieder auf das nächste Spiel. Auch Embolo betonte, dass die Fohlen jetzt »aufstehen, weitermachen und die zwei Spiele positiv gestalten wollen«.