Nach langer Zeit hat Borussia Mönchengladbach am Sonntag die Gelegenheit, endlich nochmal zwei Siege in der Bundesliga in Folge zu holen. Lars Stindl sprach gestern über das kommende Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05, den engen Konkurrenzkampf und die Breite des Kaders.

Mitte November 2017 gewann Borussia in einem verrückten Spiel mit 4:2 im Berliner Olympiastadion. Eine Woche später besiegte die Fohlenelf den FC Bayern München zu Hause mit 2:1. Es war das letzte Mal, dass der VfL sechs Punkte aus zwei aufeinanderfolgenden Bundesligaspielen holen konnte. Die miese Auswärtsbilanz sorgte dafür, dass Borussia lediglich noch in Hannover gewann und sich im Anschluss zu Hause mit einem 2:2 gegen Werder Bremen begnügen musste.

Das alles gehört der Vergangenheit an und aktuell sind die Vorzeichen sowieso völlig andere. Die Gladbacher spielen deutlich stabiler und strukturierter, die Mannschaft hat endlich wieder ein ›Gesicht‹, da Dieter Hecking ihr ein klares Spielsystem eingeimpft hat, in dem jeder Spieler individuell besser zur Geltung kommt als in der Vorsaison. Diejenigen, die auf der Bank sitzen oder erst gar nicht im Kader sind, erhöhen den Druck auf die Akteure in der Startelf – auch das war über weite Strecken der abgelaufenen Spielzeit nicht gegeben.

Jeder profitiert vom Konkurrenzkampf

»Es spricht für uns, dass wir wirklich dieses Jahr unabhängig von den Spielernamen einfach eine gute Leistung zeigen. Wir haben schon auf vielen Positionen durchgewechselt und immer nahtlos an die Leistungen angeknüpft haben. Wir haben eine gute Breite im Kader, endlich sind fast alle Spieler fit. Das spiegelt sich momentan in unseren Leistungen und in den Ergebnissen wider«, betonte Lars Stindl nach dem Training am Mittwochmorgen. »Insgesamt tut es jedem Einzelnen gut, dass wir einen Konkurrenzkampf haben. Keiner kann sich zurücknehmen und auf den gezeigten Leistungen ausruhen. Alle müssen auch im Training Tag für Tag immer wieder an die Grenze gehen.«

»Sieg in München ist vergessen«

Sorgen, dass jemand nach dem Sieg in München denken könnte, dass die kommenden Spiele nun automatisch ein Selbstläufer werden, hat der Kapitän keine. Auch als Jäger der Bayern sieht Stindl die Elf vom Niederrhein nicht. »Wir wissen das schon alle richtig einzuschätzen. Es war etwas Besonderes in München zu gewinnen. Da muss vieles passen. Die Tagesform muss stimmen, man braucht das Spielglück, das wir auch hatten. In der Anfangsphase hatten wir ein stückweit Glück und dann machen wir mit dem ersten und zweiten Torschuss direkt die Tore. Das hat uns gut getan. Aber nach den nicht ganz einfachen vergangenen zwei Jahren wissen wir das alles richtig einzuschätzen«, verdeutlicht er. »Mit Saisonzielen halten wir uns zurück. Es ist wirklich so, dass wir uns auf die nächsten Spiele konzentrieren sollten. Wir haben natürlich jetzt ein bisschen Rückenwind mit dem Sieg in München. Aber das ist vergessen, denn in der heutigen Zeit ist das schon sehr lange zurück.« 

Mainz 05: Die beste Defensive der Liga 

Schon die nächste Aufgabe hat es in sich, denn mit Mainz kommt ein Team in den Borussia-Park, das vor der Saison wohl bei den meisten als Abstiegskandidat gehandelt wurde. Gegen Hertha BSC (0:0) und Wolfsburg (0:0) spielten sie remis, gegen den VfB Stuttgart (1:0) und den FC Augsburg (2:1) feierten die 05-er sogar Heimsiege. In der Tabelle rangieren sie daher auf dem achten Platz, allerdings mit einem ungewöhnlichen Torverhältnis von 4:4 nach sieben Spieltagen. Die Elf von Sandro Schwarz stellt gleichzeitig die beste Defensive und den harmlosesten Angriff. Für die Borussen könnte das Spiel daher zu einer Geduldsprobe werden. »Wir freuen uns jetzt auf das Mainz-Spiel, die dieses Jahr eine sehr gute Mannschaft haben und schwer zu bespielen sind. Darauf gilt jetzt der Fokus, dass wir am Sonntag die nächsten drei Punkte holen«, fordert Stindl. 

»Ein bisschen brauche ich noch«

Er selbst wird wohl wie gegen die Bayern auf der Achterposition auflaufen und den Auftrag bekommen, sich von Anfang an wieder voll auszupowern. Mögliche Wechseloptionen hat Hecking zu genüge in der Hinterhand. »Ein bisschen brauche ich noch, um über die volle Distanz zu gehen. Ich glaube, dass ich gut zurückgefunden habe und wir sehr, sehr viele Spieler im Kader haben, die schon gute Leistungen gezeigt haben. Da gilt es jetzt, immer wieder die Besten rauszusuchen, um eine gute Truppe auf den Platz zu stellen«, so Stindl.